Genossenschafter tragen das volle Risiko mit

Attraktive Rendite: Sollte die Raiffeisenbank aber irgendwann in Schieflage geraten, könnten Sie Ihr Geld verlieren. Foto: Keystone

Was halten Sie vom Erwerb von Raiffeisen-Genossenschaftsanteilen, welche attraktiv verzinst werden? Wir spielen mit dem Gedanken, jeweils den Maximalbetrag pro Person zu erwerben. W.M.

Der Kauf von Genossenschaftsanteilen einer lokalen Raiffeisenbank hat einen grossen Pluspunkt: Die überdurchschnittlich hohe Verzinsung von oft über zwei Prozent oder mehr. Je nach Genossenschaft ist der Zins allerdings unterschiedlich – in jedem Fall liegt er aber weit über den Zinsen von Sparkonten oder Kassenobligationen.

Entsprechend ist die Zahl der erwerbbaren Anteile begrenzt. Raiffeisen selbst kann sich über die Herausgabe von Genossenschaftsanteilen günstig zusätzliches Eigenkapital beschaffen. Damit ist aber für Sie auch das Hauptrisiko angesprochen: Raiffeisen selbst betont, dass Sie mit diesem Schritt nicht nur Kunde sind, sondern Mitbesitzer der Bank werden. Das klingt schön, beinhaltet aber auch ein erhebliches Risiko, falls es der Bank einmal nicht mehr so gut geht.

Darum sollte man die Zeichnung von Anteilscheinen bei einer lokalen Raiffeisenbank nicht mit einer Spareinlage oder einer Obligation verwechseln. Zum Vergleich: Gelder auf dem Bankkonto sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, Anteilscheine aber nicht. Auch Anleihen sind konkursrechtlich weit besser abgesichert als Anteilscheine einer Genossenschaft.

Im Klartext: Sollte Ihre Bank irgendwann in Schieflage geraten, müssten Sie damit rechnen, dass Sie Ihr Geld verlieren. Mit dem Erwerb von Genossenschaftsanteilen werden Sie wie Aktionäre einer Firma Mitbesitzer. Doch wenn die Genossenschaft Konkurs gehen würde, wäre das Eigenkapital weg. Als Inhaber von Anteilscheinen müssten Sie Ihr Geld im schlimmsten Fall ganz abschreiben oder bekämen höchstens noch eine Konkursdividende.

Wie hoch das tatsächliche Risiko für Sie ist, wenn Sie Anteilscheine kaufen, hängt von der regionalen Genossenschaftsbank ab, an der Sie sich beteiligen. Auch da gibt es Unterschiede. Grundsätzlich können Sie von jeder Genossenschaftsbank Anteile kaufen, sofern sie solche anbietet.

Ich würde daher nicht allein nur auf den Zins achten, den Ihnen die einzelnen lokalen Genossenschaftsbanken offerieren, sondern auch darauf, wie robust die Bank aufgestellt ist. Informationen dazu finden Sie im Geschäftsbericht der einzelnen Genossenschaftsbanken, die weitgehend eigenständig wirken.

Punkto Sicherheit zu beachten ist auch die Tatsache, dass sich die Anteilscheine in einem Krisenfall nicht mehr locker verkaufen lassen. In einem solchen Fall kann die Genossenschaft den Verkauf der Anteilscheine verweigern.

14 Kommentare zu «Genossenschafter tragen das volle Risiko mit»

  • Airliner46 sagt:

    Ist ja ein wahnsinniges Risiko bei einem Anteilschein von Fr. 200.

    • Thomas sagt:

      Teilweise besteht /bestand eine Nachschusspflicht des 20x Mitgliederbeitrags. Nachzulesen in den Statuten.

      • Rolf Rothacher sagt:

        Die Nachschusspflicht wurde überall schon vor vielen Jahren aufgehoben. Das Risiko beträgt wirklich nur noch die 200 CHF.

    • Max Hauser sagt:

      Blödsinn, es geht nicht nur um einen Anteilschein von Fr. 200.-, die Raiffeisen Oberes Rheintal zum Beispiel bot jedem Genossenschafter die Zeichnung für maximal 6000.- Franken an.

  • Pius Tschirky sagt:

    Ist ja auch so, dass jedes Genossenschaftsmitglied nur einen Anteil kaufen kann und man also nicht für mehrere Tausend Franken solche Anteilsscheine zeichnen kann um damit eine Rendite von 2 % zu erzielen. Habe da auch so einen welcher aber nur Fr. 200.– Wert hat. Sah auch schon solche mit Wert Fr. 1000.–.

    • Thomas sagt:

      Auch das ist nicht mehr richtig, infolge der FINMA und der härteren Kapitalanfoderungen wurde diese Bestimmung gelockert.

    • Gerhard Engler sagt:

      @Tschirky: Falsch, ein Genossenschafter kann mehrere Anteilscheine „kaufen“. Er hat deswegen nicht mehr Stimmrecht (1 Stimmer pro Person), aber er hat natürlich mehr Zins.

  • Peter Gfeller sagt:

    Wow; wirklich ein wahnsinniges Risiko! Die meisten Genossenschaften lassen nur den Kauf von einem Anteilschein pro Person zu und bei den meisten zu einem Wert von 200.-. Herr W.M. kann also im Normalfall für 400.- Anteilscheine erwerben. Sie können auch nicht von verscheidenen Genossenschaften einfach Anteilsscheine kaufen Herr Spieler. Sie müssen immer auch ein Konto bei der betreffenden Bank haben. Weiterer Vorteil als Genossenschafter: Gratis Kontoführung….

  • Molnar sagt:

    Das ist bei jeder Genossenschaft so. Also auch bei Migros, Mobilar, etc.

  • Gerhard Engler sagt:

    Bei der Migros kann man als Genossenschafter eigentlich nichts verdienen und auch nichts verlieren.

  • Monika sagt:

    10’000 Franken ist bei meiner Raiffeisenbank das Maximum, das ein Genossenschafter erwerben kann.

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