Damoklesschwert hängt über den Oerlikon-Aktien

Operative Leistung top, Aktionärsstruktur Flop: Das hat auch mit dem Grossaktionär von Oerlikon, dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg, zu tun. Und mit den gegen ihn verhängten US-Sanktionen. Foto pd

In meinem Portfolio sind 1500 Aktien von OC Oerlikon, die ich für 16.50 Franken gekauft hatte. Trotz starkem Wachstum und Ausblick geht die Aktie nur in eine Richtung, und das ist abwärts. Meine Geduld ist bald am Ende, aber trotzdem möchte ich nicht verkaufen. Was denken Sie? Braucht es noch mehr Geduld, vielleicht sogar ein paar Jahre, damit sich ein Gewinn realisieren lässt? R.S.

Oerlikon ist ein global tätiger Technologiekonzern mit Fokus auf Oberflächenlösungen, Anlagen zur Herstellung von Chemiefasern und Antriebssystemen im Luftfahrt-, Automobil-, Energie- und Textilsektor sowie in den Bereichen Industrie, Bau und Landwirtschaft.

Bei der Beurteilung der Kursentwicklung der Oerlikon-Aktien gilt es zwei Aspekte zu beachten: Einerseits die operative Leistung des Konzerns und dessen Wachstumsperspektiven, anderseits die Aktionärsstruktur.

Operativ sind die Vorzeichen bei Oerlikon positiv. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal bei Umsatz und Aufträgen deutlich zugelegt und die Profitabilität gesteigert. Der Umsatz nahm im Quartal gegenüber Vorjahr um fast 40 Prozent auf 665 Millionen Franken zu. Und der Semestergewinn hatte sich gegenüber Vorjahr von 47 auf 111 Millionen Franken mehr als verdoppelt.

Auch der Bestellungseingang, der Hinweise für die künftige Entwicklung liefert, kletterte im zweiten Quartal um fast 30 Prozent auf 677 Millionen Franken in die Höhe. Das ist vielversprechend. Das Management hat denn auch den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben.

Die Erholung der Aktie im Sommer war allerdings nur von kurzer Dauer. Eine Enttäuschung für die Investoren war zuvor schon die Absage des geplanten Börsenganges der Sparte Getriebetechnik. Stattdessen wurde die Sparte an den US-Autozulieferer Dana verkauft, wobei nach Abschluss der Transaktion, welcher voraussichtlich im nächsten Frühling erfolgt, rund 600 Millionen Franken an Oerlikon fliessen. Dieses Geld soll dann in die noch bestehenden Kernbereiche Oberflächenlösungen und moderne Werkstoffe investiert werden.

Mit dem geplatzten Börsengang war allerdings auch etwas Fantasie für die Aktionäre weg. Obschon die Perspektiven für Oerlikon operativ gut sind, bleiben die Investoren gegenüber den Papieren vorsichtig. Das hat auch mit der Aktionärsstruktur und dem Grossaktionär von Oerlikon, dem russischen Oligarchen Viktor Vekselberg, zu tun. Zwar hat Vekselberg seine Beteiligung an Oerlikon deutlich gesenkt. Dennoch werten einige Investoren das Engagement von Vekselberg in Oerlikon weiterhin als Unsicherheitsfaktor.

Der Grund dafür sind die gegen Vekselberg ausgesprochenen Sanktionen der USA. Solange die Sanktionen gegen Viktor Vekselberg in Kraft bleiben, dürfte die Unsicherheit wie ein Damoklesschwert über den Oerlikon-Aktien hängen. Daher glaube ich nicht an einer rasche Erholung bei den Oerlikon-Papieren.

Politik ist schlecht für Aktien – erst recht, wenn es sich US-Sanktionen handelt.