Panalpina sind eine Wette wert

Ansturm am Black Friday: Der Flagship Store von Macy’s in New York. Foto: Reuters

Der Donnerstag stand im Zeichen von Macy’s. Millionen verfolgten den Umzug des Warenhausbetreibers zum Thanksgiving Day. Die Hartgesottenen bestaunten die Ballone von Charlie Brown & Co. bei Minustemperaturen in den Strassen von Manhattan. Ich gehörte nicht dazu. Allerdings habe ich mir gemütlich vor dem Fernseher und auf dem Nachrichtendienst Twitter einen Eindruck davon verschafft. Um fünf Uhr nachmittags öffnete der Einkaufstempel dann die Tore zur Rabattschlacht, die als Black Friday das Weihnachtsgeschäft einläutet. Die wichtigste Zeit des Jahres entscheidet über das Jahresergebnis der Einzelhändler. Die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft sind rosig. Das Konsumentenvertrauen ist hoch und die Arbeitslosenrate niedrig. Für die Aktien sind die Aussichten hingegen weniger gut. Der Wettbewerb zwischen den Einzelhändlern ist hoch und der Trend zum Onlinegeschäft geht weiter. Macy’s hat jüngst zwar wieder zum Wachstum gefunden und stutzt zu grosse Läden zurecht, doch die Aktien nehmen schon viel Positives vorweg. Selbst die starken Zahlen zum dritten Quartal quittierten die Anleger mit Abschlägen. Abwarten

Potenzielle Käufer bei Panalpina

Gegenüber Panalpina war ich immer skeptisch eingestellt. Die ursprünglich für 2015 versprochene Effizienz- und Gewinnsteigerung zeichnet sich bis heute nicht ab. Deshalb fand ich die Aktien immer zu teuer. Nun aber könnte sich die Ausgangslage ändern. Mit dem angekündigten Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Peter Ulber ist eine wichtige Forderung unzufriedener Aktionäre erfüllt worden. Zu ihnen zählen namentlich ein Value-Fonds des US-Investmenthauses Artisan Partners und die schwedische Cevian Capital. Ulber stellt sich für die Wiederwahl an der Generalversammlung im Mai nicht mehr zur Verfügung, aber es ist klar: So lange bleibt er nicht im Amt. Ulber wurde von Artisan und Cevian als Bremsklotz empfunden. Nun muss allerdings die Ernst-Göhner-Stiftung, Hauptaktionärin von Panalpina, offener werden. Bislang hat sie die Aufgabe von Panalpinas Selbstständigkeit ausgeschlossen. Aber die Frachtlogistikbranche ist im Umbruch, Panalpina droht weiter Terrain zu verlieren. Ich denke, in den nächsten Monaten wird sich einiges bewegen. Grössere Konkurrenten wie Kühne + Nagel und die dänische DSV stehen als potenzielle Käufer bereit. Spekulativ kaufen

Unsicheres Umfeld für Privatbank

Die Privatbank Julius Bär kämpft. Die Eckdaten zum Geschäftsverlauf haben gezeigt, wie stark die Bank von der Entwicklung der Börsen abhängt. Das stört mich. Ich anerkenne die operative Leistung, das Institut hat Kundengelder angezogen, knapp unter 5 Prozent betrug das annualisierte Neugeldwachstum. Bei Bär sind das etwa 16 Milliarden Franken. Das entspricht dem Vermögen einer kleineren Privatbank. Allerdings hat sie rund 14 Milliarden Franken durch die Börsenturbulenzen wieder verloren. Unter dem Strich also praktisch ein Nullsummenspiel. Im aktuell unsicheren Umfeld ist auch nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen. Im Gegenteil: Tendiert die Börse weiter gegen Süden, schmälert das die verwalteten Vermögen weiter und somit die Basis für zukünftige Erträge. Analysten werden ihre Schätzungen erneut reduzieren und so Druck auf die Aktien ausüben. Dabei scheinen die Valoren mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9 günstig bewertet. Allein dieses Jahr haben die Aktien rund 30 Prozent ihres Wertes eingebüsst. Das Problem: Wenn die Gewinne nicht sprudeln, steigt die Bewertung plötzlich an. Meiden

Telecom-Werte tief im roten Bereich

Im gegenwärtigen Börsenumfeld greifen Anleger gerne auf defensive Werte zurück. In der Vergangenheit waren das beispielsweise Aktien aus dem Telecom-Sektor wie Swisscom. Sie boten auch in volatilen Zeiten Stabilität und warfen eine attraktive Dividende ab. Swisscom-Aktien galten als Obligationenersatz. Doch in diesem Jahr werden die Swisscom-Titel ihrem defensiven Ruf nicht gerecht. Seit Januar haben die Papiere mehr als einen Zehntel ihres Werts verloren. Auch viele europäische Telecom-Werte notieren tief im roten Bereich. In den Telco-Märkten herrschen Preisdruck und Verdrängungskampf. Zudem kommen Milliardeninvestitionen für den 5G-Ausbau auf die Konzerne zu. Ich bleibe vorsichtig. Auch die Dividendenrendite von 4,8% per Ende Jahr ist nur ein schwacher Trost, wenn der Aktienkurs weiter erodiert. Meiden

Boomender Onlinehandel für Medikamente

Der Schweizer Medikamentenhändler Zur Rose führt derzeit eine Kapitalerhöhung durch, die 200 Millionen Franken in die Kasse spülen soll. Die Mittel dienen vor allem der Übernahme von Medpex, der Nummer drei im deutschen Onlinehandel mit Medikamenten. Die Gründer des deutschen Unternehmens erhalten dabei einen Teil des Kaufpreises in Aktien von Zur Rose, womit sie dann rund drei Prozent der Schweizer Unternehmensgruppe kontrollieren sollten. Mit der Übernahme steigt der Marktanteil des deutschen Versandmarkts von 18 Prozent vor einem Jahr auf gut 31 Prozent. Weitere Übernahmen auch in Europa könnten folgen, im niederländischen Heerlen wird schon das Versandzentrum ausgebaut, das ab 2021 mit 30 Millionen Paketen pro Jahr dreimal so viel ausliefern soll als heute. Zugleich verspricht das Management für 2022 eine höhere Marge des Betriebsgewinns (vor Abschreibungen und Amortisationen). Da wundert es mich nicht, dass die mit fast 15 Prozent der Anteile grösste Aktionärin der Gruppe, die Familie Frey, den Wachstumskurs stützt und bekannt gab, dass sie die Kapitalerhöhung voll mitmachen wird. Kaufen

 

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