Wie der Handelsstreit die Techaktien belastet

Steile Berg-und-Tal-Fahrten: Wer beim Elektronikriesen Logitech einsteigen will, muss über eine erhöhte Risikofähigkeit verfügen. Foto: Getty Images

Im Juni wurde Logitech als Kaufempfehlung angegeben wegen des zu erwartenden Booms im Bereich Gaming und Videokonferenzen. Damals stand der Kurs bei rund 40 Franken. Heute ist er tiefer. Da ich weiterhin an den erwähnten Boom glaube und die Aktie nicht als überbewertet betrachte, denke ich, dass ein Einstieg jetzt sehr lohnenswert wäre. Was meinen Sie dazu? C.W.

Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Logitech gut unterwegs ist und ein weiteres Wachstum bei dem innovativen Unternehmen möglich ist. Dafür sprechen auch die Zahlen für Juli bis September 2018. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2018/2019 stieg der Umsatz von Logitech um fast 10 Prozent auf 691 Millionen Dollar.

Richtig Schub gibt dabei der Bereich Computerspiel-Wettkämpfe E-Sports, der nach Einschätzung des Managements auch in Zukunft viel Potenzial verspricht. Bei den Gaming-Produkten nahmen die Verkäufe um hohe 41 Prozent auf 160,8 Millionen Dollar zu. Dieser Sektor ist heute der Bereich mit dem grössten Umsatzabteil und den attraktivsten Wachstumsperspektiven. Damit steuert der Bereich inzwischen mit deutlichem Abstand den Löwenanteil zu den Gesamteinnahmen bei.

Doch auch das Geschäft mit den Videokonferenzsystemen wuchs im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2018/2019 um stolze 24 Prozent, während die Verkäufe von Tablet-Zubehör und Tastaturen um 11 Prozent in die Höhe kletterten. Die Zahlen zeigen: Alle Bereiche wachsen zweistellig, wovon andere Firmen nur träumen können.

Doch viel Umsatz allein bringt nichts. Auch die Margen entwickeln sich bei Logitech positiv. Unter dem Strich blieben im zweiten Quartal fast 38 Prozent der Verkäufe als Bruttogewinn in den Kassen von Logitech. Im Vorjahresquartal waren es 36,5 Prozent, was auch schon viel war. Alles in allem legte der Gewinn um rund 14 Prozent auf 64,2 Millionen Dollar zu.

Das sind alles erfreuliche Zahlen, doch jetzt kommt das Problem: Die Erwartungen bei Logitech sind seit langem sehr hoch – meines Erachtens zu hoch. Mit den starken Zahlen hat Logitech die hohen Erwartungen verfehlt. Entsprechend kam es bei der Aktie zu starken Abgaben. Dazu kam, dass einige Anleger offenbar hofften, dass das Westschweizer Unternehmen erneut seine Prognosen erhöht. Auch das waren übertriebene Erwartungen.

Risiken sehe ich bei Logitech im internationalen Handelsstreit zwischen den USA und China. Die von US-Präsident Trump verhängten Strafzölle gegen China bleiben auch bei Logitech hängen, da viele Produkte von Logitech in China hergestellt werden. Das dürfte in Zukunft auf die Margen drücken und unter Umständen auch den Umsatz belasten. Ich zweifle, dass Logitech den Negativeffekt der US-Strafzölle gegen China vollumfänglich und ohne Schaden einfach kompensieren kann. Auch dieser Aspekt hat die Aktie belastet, zumal die USA für Logitech der wichtigste Markt sind.

Dennoch sehe ich bei den Logitech-Aktien weiter Potenztial – erst recht jetzt, wo die Aktie tiefer notiert. Allerdings muss ich Sie warnen: Angesichts der heftigen Korrekturen bei den Technologieaktien in den USA und China müssen Sie bei Logitech auch künftig mit starken Kursschwankungen rechnen.

Dabei schliesse ich nicht aus, dass die Logitech-Titel phasenweise noch unter den heutigen Preis fallen. Wenn Sie bei Logitech einsteigen, müssen Sie somit eine erhöhte Risikofähigkeit haben, da es gerade bei Techaktien in nächster Zeit wohl weiter zu steilen Berg-und-Tal-Fahrten kommen dürfte, zumal der Handelsstreit zusätzliche Risiken beinhaltet.

3 Kommentare zu «Wie der Handelsstreit die Techaktien belastet»

  • Claude Fontana sagt:

    Ich hätte einen voraussichtlich sicheren tipp, aber über genaue gewinnmargen möchte ich noch nichts sagen aber ich rechne mit 2stelligem gewinn bis märz/ april. Wenn nicht der „Handelskrieg“ ohne „Handels“ auskommt. Die Aktie hat seit 2008 hohe 3-stellige gewinnzahlen verbucht, und die Firma macht das nötige. Nicht wie die Konkurrenz. Ist aber kein Schweizer Titel.

    • Paul Kellenberger sagt:

      @ kein Schweizer Titel
      Ja, aber Logitech hat immer noch Schweizer Wurzeln und MADE IN SWITZERLAND ist – falls möglich – gewünscht. So wird das Gewebe für die Lautsprecherboxen UEBOMM in einer Schweizer Weberei gewoben, gefärbt und veredelt.
      Und natürlich rechteitig zum wichtigen Weihnachtsgeschäft kommt auch die neueste Generation der UEBOOM‘s weltweit in den Handel.
      https://www.ultimateears.com/de-ch

  • Claude Fontana sagt:

    Sorry, aber nur,weil das Patent oder der Markenname hier liegt,nenne ich das schon lange nicht mehr Schweizer Firma. Die EMS hat auch ein werk hier. Und 9 im Ausland. Google ist auch nicht Schweizerisch. oder? An den „Royalties“ Verdienen doch nur die Holdings.(Chefetage) Im Falle EMS wäre das Guernsey?
    Zudem hier die Top 5 Aktionäre von Logitech:
    1. DEUTSCHE BANK AG\ 6,730,587
    2. CREDIT SUISSE AG/ 6,578,642
    3. VANGUARD GROUP INC 4,003,485
    4. WELLINGTON MANAGEMENT GROUP LLP 3,916,020
    5. NORGES BANK 3,576,272

    Ein Schweizer Unternehmen darunter. (und nicht mal Hauptaktionär) Als 30% Patriot sage ich da. „Der Steuerzahler wird’s schon richten. Schliesslich verdoppelt der Arbeiter seinen Lohn alle 6 Jahre. Wie der Standard Milliardär.“

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