Gold glänzt wieder und ist gefragt

Goldbarren: Der Preis hat seit Monatsbeginn über 3 Prozent zugelegt. Foto: Jochen Tack/Keystone

So schnell kann es gehen. War vor kurzem noch eitel Sonnenschein am Aktienmarkt, wurden viele Anleger vom herbstlichen Börsengewitter überrascht – und lernen den Versicherungsschutz von Gold wieder schätzen. Der Schock von Anfang Oktober, als Aktien und Staatsanleihen absackten, hat viele aufgeschreckt. Kein Wunder, halten Anleger nun nach alternativen sicheren Häfen Ausschau. Mit den stärkeren Ausschlägen an den Börsen hat sich der Goldpreis zuletzt erfreulich entwickelt und seit Monatsbeginn über 3 Prozent zugelegt – während der Swiss Market Index 4 Prozent eingebüsst hat. Die Marke von 1200 Dollar pro Feinunze ist überwunden, der Ausbruch nach oben möglich. Angesichts der Stolpersteine wie Spannungen im Handel, negative Nachrichten aus den Schwellenländern oder politische Risiken in Italien bleibt das Umfeld fürs gelbe Metall günstig. Auch ein Blick auf den Kursverlauf in Phasen der Rezession macht Mut. In der Regel hat Gold dann jeweils deutlich zugelegt. Noch scheint sich kein solcher Abschwung anzukündigen – aber einen Regenschirm kauft man besser, bevor es schüttet. Kaufen

Minus 120 Millionen Franken

Ein Drama ohne absehbare Lösung sind die Titel von GAM: Sie haben dieses Jahr die Hälfte ihres Werts eingebüsst – und vergangene Woche weitere 25 Prozent. Doch billig sind die Aktien des Schweizer Vermögensverwalters damit noch immer nicht. Erstens hat das Kerngeschäft seit dem Sommer ein Fünftel der Kundengelder verloren, was auf Jahresbasis ein Fünftel weniger Einnahmen bedeutet, konkret: minus 120 Millionen Franken, die fast ungefiltert auf den Gewinn durchzuschlagen drohen. Das Management – das ist der zweite Punkt – hat keinen Plan, wie es der Einnahmenerosion begegnen will, obwohl der Trend bereits seit dem Sommer absehbar war. Im Verhältnis zum Gewinnpotenzial für das nächste Jahr sind die Titel kaum günstiger als bisher, sondern einfach weniger wert. Wer nach dem Kurszerfall auf die scheinbar hohe Dividendenren­dite von über 7 Prozent schielt, sei gewarnt: Wie hoch die nächste Dividende sein wird, ist offen. Und es gibt Übernahmegerüchte. Ich kann mir jedoch schlecht vorstellen, dass der Verwaltungsrat ein Gebot akzeptieren würde – etwa 8.50 Franken je Aktie, entsprechend einer hohen Prämie von 50 Prozent –, wenn das Unternehmen zu Jahresbeginn doppelt so hoch bewertet war. Ich frage mich ernsthaft: Wer sollte eine höhere Prämie als 50 Prozent bieten wollen? Meiden

Apple drückt Kosten

Bei den Papieren des Chipherstellers AMS kennt der Markt nur zwei Gangarten: blinde Begeisterung oder absolutes Entsetzen. Vergangene Woche haben die Investoren in den zweiten Gang geschaltet. Seit Anfang letzter Woche haben die Aktien der österreichischen Gesellschaft, die an der Schweizer Börse kotiert sind, mehr als ein Drittel an Wert verloren. Den Schock verursachte nicht mal die Kapitalerhöhung, die wohl im Zuge einer Zweitkotierung 2019 in Hongkong ins Haus steht. Das drängendere Problem: Das Geschäft mit den Sensoren von AMS, die etwa in iPhones bei der Erkennung von Gesichtern helfen, bringt offenbar viel weniger ein, als erwartet. Grosskunde Apple scheint die Kosten zu drücken – und AMS ist noch immer in starkem Masse von dem US-Tech-Konzern abhängig. Das rächt sich. Doch die Börse übertreibt. Das letzte Mal, als AMS auf einem Kursniveau um die 30 Franken notiert hatte, war die Gewinnspanne zwar höher, aber das Unternehmen wirtschaftete bei einem Drittel des aktuellen Umsatzes mit Verlust. Wer etwas Spielgeld hat, sehr starke Nerven und an die weiterhin optimistischen Prognosen des AMS-Managements glaubt, kann sich jetzt an die Papiere wagen. Alle anderen bleiben besser in Deckung. Dosiert kaufen

1,4 Milliarden Dollar Extrazahlungen

In den aktuell unsicheren Zeiten lobe ich mir solide und dividenden­starke Unternehmen wie die Versicherungsgruppe Swiss Re. Sie hat in einer Vorabmitteilung bekannt gemacht, dass im dritten Quartal Windstürme, Überflutungen und unter anderem der Einsturz der Autobahnbrücke bei Genua 1,4 Milliarden Dollar Extrazah­lungen erforderten. In den ersten neun Monaten des Jahres hätten die Schadenzahlungen innerhalb des Budgets gelegen, beruhigte Konzernchef Christian Mumen­thaler. Genaues wird man am 1. November erfahren, wenn das Unternehmen das Neunmonatsergebnis publiziert. Die Mitteilung lässt darauf schliessen, dass das Dividendenniveau von 5 Franken je Aktie (entsprechend knapp 6 Prozent Rendite) nicht gefährdet ist. Das gefällt, gerade in den aktuell unsicheren Zeiten. Die Papiere werden an der Börse rund ein Zehntel unter dem anteiligen Buch- bzw. Eigenkapitalwert gehandelt. Die Anleger kehren damit vor, falls weitere Zahlungen nach schweren Naturereignissen das Kapital anknabbern könnten. Aber es müsste Schlimmes passieren, um Zweifel an der Höhe der nächsten Dividende aufkommen zu lassen. Deshalb behalten Swiss-Re-Papiere den Charakter einer besonders ausschüttungsstarken Aktie. Kaufen

 

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