Fallen Sie nicht auf Lockvögel herein

Windige Verkäufer: Kritisch sollte man generell bei Anbietern sein, welche den Kunden das Blaue vom Himmel versprechen. Foto: Getty Images

Ein Finanzberater des Beraterzentrums machte mir anlässlich der Züri Oberland Mäss (ZOM) folgendes Angebot: Eine Minimaleinlage von 25’000 Franken bei einer Laufzeit von fünf Jahren ergebe garantiert vier Prozent Zins pro Jahr. Dass mir der Berater keine Unterlagen aushändigen konnte, sondern diese erst anlässlich eines persönlichen Gesprächs personifiziert erarbeiten wollte, deutet für mich darauf hin, dass sich hinter der sehr verlockenden Anlagemöglichkeit höchste Gefahr für Totalverlust des Kapitals versteckt. Wie beurteilen Sie das Angebot? M. D.

Da ich das konkrete Angebot, das Ihnen nur mündlich vorgestellt wurde, nicht kenne, kann ich mich dazu nicht im Detail äussern, sondern nur generell Stellung nehmen.

Wenn Ihnen eine Firma für eine Anlage in Schweizer Franken mit Laufzeit von fünf Jahren einen garantieren Zins von jährlich vier Prozent offeriert, klingt das in der Tat verlockend. In der Praxis müssen Sie bei einem solch hohen Zins im aktuellen Tiefzinsumfeld allerdings davon ausgehen, dass Sie hohe Risiken eingehen würden.

Für Ihre Beurteilung können Sie andere Anlagen in Schweizer Franken vergleichen: Wenn Sie höchste Sicherheit für Ihr Geld suchen und Schweizer Bundesobligationen mit zehnjähriger Laufzeit kaufen, haben Sie eine Rendite von aktuell Minus 0,25 Prozent. Selbst Unternehmensanleihen in Franken von Gesellschaften mit einem guten Rating weisen derzeit Renditen unter einem Prozent aus.

Würde jemand momentan garantiert vier Prozent Zins pro Jahr in Franken und dennoch eine hohe Sicherheit bieten, würde sich der gesamte Markt darauf stürzen. Wenn jemand im momentanen Tiefzinsumfeld in Franken einen derart hohen Zins offeriert, weist dies darauf hin, dass man bei der Sicherheit massive Abstriche machen muss.

Überprüfen könnte man die Sicherheit der Anlage natürlich nur, wenn Sie ein schriftliches Angebot hätten. Doch genau ein solches liegt Ihnen nicht vor. Auf mündliche Zusicherungen hingegen sollte man sich ohnehin nicht verlassen. Oft haben solch vermeintlich verlockende Angebote einfach das Ziel, dass man sich mit einem Berater auf ein persönliches Gespräch einlässt, bei dem Sie auch Ihre persönlichen Daten einbringen. Ansonsten hätte man Ihnen das Angebot ja auch beim Erstkontakt unverbindlich mitgeben können.

Kritisch wäre ich auch generell bei Anbietern, welche für ihre Anlagevorschläge intensiv auf Kundenfang gehen und den Kundinnen und Kunden nicht selten das Blaue vom Himmel versprechen.

Anlegen ist Vertrauenssache. Jede Anlage muss sorgfältig geprüft und auf Ihr Risikoprofil abgestimmt sein. Die Rendite ist nur ein Aspekt. Noch wichtiger ist die Sicherheit. Man muss sich genau überlegen, wem man sein Geld anvertraut und welche Sicherheit dieser oder die Wertschriften, welche man kauft, einem bietet. Wer sich nur blind von hohen Renditen leiten lässt, muss damit rechnen, dass er unter Umständen seinen Einsatz verliert.

Generell gilt: Hohe Renditen gibt es nie gratis. Man zahlt immer einen Preis. Im aktuell extrem tiefen Zinsumfeld ist der Preis für marktunüblich hohe garantierte Renditen in der Regel ein sehr hohes Risiko.

Ich rate Ihnen bei solchen Angeboten zu grösster Vorsicht. Warum sollte Ihnen jemand eine solche Rendite bezahlen, wenn er mit guter Sicherheit auch zu einem weit tieferen Zins locker zu Kapital käme?

6 Kommentare zu «Fallen Sie nicht auf Lockvögel herein»

  • Peter Meyer sagt:

    Woher kommt eigentlich der Irrglaube oder Satz „Sein Geld für sich arbeiten lassen“?
    Geld kann nicht wirklich arbeiten. In der Realität wird auf dem Rücken schwächerer gewirtschaftet. Ein Angstellter hat wieder eine 0-Runde im Lohngespräch oder die Miete muss wieder steigen bei einem Mieterwechsel.
    Ethisch korrekt verdient man Geld, indem man selber dafür arbeiten geht.

    • Hubert sagt:

      es ist die Sichtweise, welche die Bewohner dieser Erde in Täter und Opfer aufteilt.

    • Christoph Bögli sagt:

      Man kann das Zinskonzept ja durchaus kritisch sehen, aber das ist auch etwas gar vereinfachend. Denn einerseits kann verliehenes Geld im besten Fall durchaus im Nutzen aller Beteiligten sein und damit auch das schwächste Glied in der Kette nach vorne bringen.

      Andererseits gibt es auch bei „selber erarbeitetem“ Geld unendlich viele Möglichkeiten, wie man andere schädigt oder zumindest ausnutzt. Das liesse sich höchstens als völlig autarkter Selbstversorger ausschliessen, wobei man aber selbst da anderen möglicherweise Ressourcen entzieht und Land vorenthält. In der heutigen kleinteiligen Arbeitswelt gibt es entsprechend erst recht keine Garantie, dass der erarbeitete Lohn nicht mit dem Schweiss oder gar Blut anderer getränkt ist..

  • anton schneider sagt:

    Sie Irren Herr Meyer. Ich bin Angestellter und habe gespart. Mein Erspartes aus meiner Arbeit leihe ich anderen gegen Entgelt, das mein Risiko deckt und mein Lohn für mein Sparen ist. Ich habe erhalte Geld auf dem Rücken der Schwachen? Nein – überhaupt nicht. Verlassen Sie ihre Ideologie und denken über Geld und Sparen nach. Wer nichts hat, bekommt ebenfalls Geld, umsonst, auch von mir oder Ihnen, die Steuerzahler.

  • Marco Zimmermann sagt:

    Mir wurde dieses Angebot ebenfalls vor rund einem Jahr gemacht. Da ich mich nicht sehr gut mit solchen Themen auskenne, obwohl sich das Angebot sehr verlockend anhört, habe ich einen Freund der bei einer Bank Anlageberater ist hinzugezogen.
    Die vom Beraterzentrum konnten weder konkrete Unterlagen zeigen und/oder abgeben noch konnten Sie sagen wo genau das Geld hingeht. Nur das es sich um irgendwelche Immobilienprojekte in Deutschland handelt.
    Eine Anlage zu machen bei der man viel höhere Zinsen bekommt wie überall sonst, es keine Unterlagen gibt und man auch nichts schriftliches als Sicherheit in den Händen hält rät zu hoher Vorsicht.
    Ich rate daher jedem ab mehr als sein Spielgeld, welches man bereit ist zu verlieren, in sowas anzulegen.

  • Karl Knapp sagt:

    Lassen wir die ethischen Fragen an dieser Stelle mal weg, es reicht für heute schlichtes Primarschulrechnen: 5 Jahre mal 4 Prozent sind erst 20% vom Originalbetrag, die man „versprochenerweise“ zurückerhält. Etwas dünn halt. Irgendwo im Kleingedruckten muss da vermutlich noch was stehen. Und wenn Sie auch nur ein Wort davon nicht verstehen, unterschreiben Sie nichts. Oder besser: gönnen Sie sich einen guten Kaffee anstelle des „Beratungs“gesprächs und freuen Sie sich, dass Sie noch 100% haben.

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