Kudelski braucht noch Zeit für Neues

Kudelski: Will vermehrt Beratungsdienstleistungen in und um Cybersecurity und Internet of Things anbieten. Foto: Laurent Gilliéron/Keystone

Kudelski durchläuft eine tief greifende Restrukturierung. Dass die Zahlen zum ersten Halbjahr 2018 am Mittwoch aus technischen Gründen verspätet geliefert wurden, spiegelt in etwa die momentane Verfassung wider, in der sich die Technologiegruppe befindet. Das IT-Unternehmen arbeitet weiterhin an der Umsetzung seiner Strategie, um vom klassischen TV-Verschlüsselungsgeschäft hin zu mehr Beratungsdienstleistungen in und um Cybersecurity und Internet of Things (IOT) zu kommen. In diesen Geschäftsfeldern sind höhere Margen möglich, weshalb sich das Unternehmen dort positionieren möchte. Dazu sind zunächst hohe Investitionen nötig. Die entsprechenden Kosten verursachten für die Gruppe im ersten Halbjahr insgesamt einen Verlust. Die Restrukturierung soll Ende 2018 abgeschlossen sein. Unter dem Strich dürfte im Gesamtjahr eine «schwarze Null» drinliegen. Angesichts der vielen Baustellen ist eine Anlage in Kudelski noch zu früh, auch wenn die Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2019 von 14 günstig erscheinen im Vergleich zu Branchennachbarn wie Secunet (36) und Radware (42). Abwarten

Starkes Standbein in den USA

Ein jährliches Umsatzwachstum von 6 Prozent im Durchschnitt, jeweils 16 Prozent mehr Gewinn pro Aktie, und das über zwei Jahrzehnte – solche Leistungswerte haben Seltenheitswert. Mettler-Toledo kann sie vorweisen. Falls Ihnen der Name nichts sagt: Wahrscheinlich haben Sie mit Waagen des Unternehmens auch schon das Gewicht von Gemüse oder Früchten beim Grossverteiler gemessen. Mettler-Toledo ist auf Präzisionsmessinstrumente spezialisiert, besonders auch für die Pharma- und die Diagnostikindustrie. Das Unternehmen wird von Greifensee bei Zürich aus geführt, hat aber ein starkes Standbein in den USA. Die frühere Tochter von Ciba-Geigy wurde von einer US-Private-Equity-Gesellschaft an die Börse in New York gebracht. Das jüngste Semester­resultat fügt sich nahtlos an die bisherige Performance an. Für das Gesamtjahr rechnet das Management mit einem 14 bis 15 Prozent höheren Gewinn je Aktie. Mettler-Toledo sind dividendenlose Wachstumstitel, die derzeit deutlich günstiger zu haben sind als noch vor einem Jahr. Kaufen

Produktionsverlagerung klemmt

Geduld ist gefragt, und zwar schon seit langem und wohl auch noch weiterhin. Denn Alexander von Witzleben, Chef und Verwaltungsratspräsident von Arbonia, kommt mit dem Umbau des Gebäudeausrüsters zwar voran, aber eben nicht so schnell wie von vielen Investoren gedacht. Von den vier Aktivitäten des Gebäudeausrüsters läuft vor allem die Division Türen gut: Wie erwartet, hat sich die Übernahme der Looser, die in diesem Geschäft schon seit langem gut arbeitet, gelohnt. Dagegen bereitet die Division Sanitär Probleme; Grosshändler nehmen nach der Übernahme von Koralle, vormals Geberit, Produkte der Arbonia aus dem Sortiment, weil sich sonst zu vieles von ein und demselben Anbieter bekommen. Gut wiederum läuft der Bereich Heizen, Kühlen, Lüften (HLK), der zudem jüngst durch einen Zukauf in Belgien gestärkt worden ist. Problemkind bleibt das Fenstergeschäft. Die Produktionsverlagerung von Altstätten nach Thüringen klemmt. Weil Thüringen nicht so schnell wie eigentlich notwendig hochgefahren wird, unter anderem wegen Fachkräftemangel, wird zweigleisig gefahren und in Altstätten weiterproduziert. Das kostet. Weil zudem die Absatzmärkte an Schwung verlieren dürften, sind die Aktien aus meiner Sicht zu teuer. Abwarten

Signal für ein Umdenken

Der Backwarenhersteller Aryzta ist ein schwieriger Fall. Das Betriebsergebnis hat sich in zwei Jahren halbiert, obwohl das Geschäft mit tiefgekühlten Backwaren stabil sein sollte. Die Verschuldung ist hoch. Die Frage war, ob der Konzern die Kreditklauseln einhalten kann. Die Misere ist auf Fehler des früheren, im März 2017 abgesetzten Topmanagements zurückzuführen. Doch auch die neue Führung machte anfänglich keine gute Figur und hat zugegeben, die Herausforderungen klar unterschätzt zu haben. Ein Kurszerfall war die Folge; dieses Jahr verloren die Aktien bis zum Tiefst vergangene Woche fast 80 Prozent. Aryzta hat am Montag reagiert und eine den Gewinn je Aktie stark verwässernde Kapitalerhöhung um 800 Millionen Euro zur Bilanzsanierung angekündigt – der Schritt kommt spät. Die Hoffnung ist, dass er das Signal für ein Umdenken in der Führung setzt. Grundsätzlich verspricht das Backwarengeschäft solide Cashflows. Gut geführt könnte Aryzta die Wende gelingen. Risiken bleiben, so muss die Kapitalerhöhung erst noch durchgeführt werden. Abwarten

Verbot ist vom Tisch

Die Valoren des Schweizer Medikamentenhändlers Zur Rose haben den Schock von Anfang Februar verdaut. Damals hatte die neue Regierung in Deutschland in den Koalitionsvertrag geschrieben, dass sie den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten verbieten wolle. Und das ausgerechnet in dem Markt, in dem Zur Rose mit seiner Onlineapo­theke Docmorris bislang am stärksten gewachsen ist. Beobachter und Management gehen aber nach Äusserungen des deutschen Gesundheitsministers Jens Spahn davon aus, dass das Verbot praktisch vom Tisch ist. Somit kann der Marktführer in Deutschland weiter stark wachsen – und mittlerweile auch im rest­lichen Europa. Konstant hohe Marketingaus­gaben, eine ge­plante Verdreifachung der Versand­kapazitäten und mehrere Zu­käufe legen dafür das Fundament. Ein Ende der aggressiven Expansion ist nicht in Sicht. Der Kurs hat sein Potenzial noch nicht ausgereizt. Kaufen

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