Bleiben Sie finanziell flexibel

Vorsorge: Viele Institute wie die Swiss Life raten ihren Kunden, Vorsorgegelder lange zu binden. Aber ist das auch sinnvoll? Foto: Keystone

Ende 2018 wird die Auszahlung meiner 3. Säule bei der Swiss Life fällig. Den Betrag von gut 150’000 Franken benötige ich in den nächsten Jahren nicht. Swiss Life empfiehlt mir, das Geld in eine anteilgebundene Lebensversicherung anzulegen. Die Prämie wird in vier Fondportfolios investiert. Ist diese Anlagestrategie empfehlenswert? R.O.

Wenn Sie diesen Anlagevorschlag der Swiss Life annehmen, ist Ihr Geld, welches nun aus der 3. Säule ausbezahlt wird, während weiterer zehn Jahren gebunden. Das ist eine lange Zeit.

Gemäss Vorschlag ist zwar ein vorzeitiger Ausstieg grundsätzlich möglich, für Sie aber mit Verlusten verbunden. Der Rückkaufswert kann je nach Entwicklung der Fondsanteile deutlich unter dem investierten Kapital ausfallen.

Da auch noch seitens der Versicherung Kosten anfallen, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie in einem solchen Fall Geld verlieren.

Sie müssen sich also genau überlegen, ob Sie Ihr Geld wirklich während der nächsten zehn Jahre nicht benötigen – auch nicht für Unvorhergesehenes. Denn Ihre Flexibilität ist eingeschränkt, wenn Sie den Vertrag unterzeichnen.

Positiv bei dem Vorschlag ist, dass er einen Todesfallschutz beinhaltet. Sie müssen sich aber fragen, ob Sie diesen tatsächlich benötigen, denn diesen gibt es nicht gratis. Sie zahlen eine Prämie dafür.

Wichtig ist ein weiterer Aspekt: Die Police ist an die Entwicklung von vier verschiedenen von der Swiss Life verwalteten Fonds gekoppelt. Konkret würde Ihr Kapital zu 34 Prozent in einen Immobilienfonds, zu 33 Prozent in einen weltweit investierenden Aktienfonds, zu 20 Prozent in einen Obligationenfonds mit Fokus Emerging Markets und zu 13 Prozent in einen Obligationenfonds mit Fokus Unternehmensanleihen weltweit angelegt.

Auch wenn diese Fonds teilweise abgesichert sind, tragen Sie bei diesen ein erhebliches Anlagerisiko. Gerade beim Aktienfonds kann es zu starken Kursschwankungen kommen – ebenso beim Fonds mit den Anleihen aus den Schwellenländern. Selbst der Immobilienfonds bietet Ihnen keine Gewähr, dass Sie nicht plötzlich auf Buchverlusten sitzen.

Sie müssen sich somit fragen, ob Sie bereit sind, dieses Anlagerisiko zu tragen. Im Erlebensfall bekommen Sie nämlich im Jahr 2028 nach den zehn Jahren den Wert der Fondsanteile zu diesem Zeitpunkt sowie verbleibende Kostenreserven ausbezahlt.

Falls die Fondsanteile dann deutlich höher notieren, hat sich für Sie die Anlage gelohnt. Doch dafür gibt es keine Garantie, denn die Anteile können auch weniger wert sein.

Bevor Sie sich für diesen Anlagevorschlag entscheiden, würde ich Alternativen prüfen. Konkret würde ich bei zwei Banken und einer weiteren Versicherung je einen Anlagevorschlag für die 150’000 Franken einholen.

Dabei ist es wichtig, dass Sie genau definieren, wie viel Risiko Sie wirklich eingehen können und wollen und wie lange Sie das Geld gebunden haben möchten. Aufs Alter hin würde ich mich nicht zu stark binden, sondern eher dafür sorgen, dass Sie finanziell genügend Flexibilität haben.

Ihre Lebensvoraussetzungen etwa – in gesundheitlicher Hinsicht – können sich plötzlich verändern.