Logitech lässt die Mäuse tanzen

Logitech: Die stärkste Produktkategorie des Unternehmens ist nun Gaming. Foto: Laurent Gillieron

Anfang Juni haben wir an dieser Stelle letztmals einen Blick auf ­Logitech geworfen und die Aktien für kaufenswert erachtet. Daran halte ich fest. Vorübergehend hatten sie sich besser als der Markt entwickelt, nun liegen sie in etwa gleichauf. Die jüngsten Zahlen des Herstellers von Mäusen und vielem anderen, was sich so rund um den Computer herumtreibt, stützen meine positive Einschätzung. Neue Produkte gewinnen an Bedeutung, spezielle Mäuse und Tastaturen für Gamer beispielsweise. Sie verfügen über besondere Funktionen, etwa sehr kurze Latenz­zeiten – und haben eine deutlich höhere Marge als herkömmliche Peripheriegeräte. Videokonferenzsysteme oder Presenter zur Steuerung von Präsentationen sorgen ebenso für Fantasie. Gaming ist nun die stärkste Produktkategorie von Logitech, auch dank Astro, dem Hersteller von Gaming-Headsets, der 2017 für 85 Millionen Dollar akquiriert wurde. Nun gab Logitech bekannt, für 117 Millionen Dollar Blue Microphones erworben zu haben. Das Unternehmen ist auf dem richtigen Weg. Dosiert kaufen

Bauern dürften bald mehr investieren

Die Aktien des Mischkonzerns ­Bucher mit Schwergewicht Landmaschinen haben seit Januar mehr als ein Viertel ihres Werts ver­loren. Dabei legte das Unternehmen einen glänzenden Halbjahresbericht vor, mit Spitzenumsatz, solider Marge und steigendem Bestellungseingang. Doch die grösste Sparte, Landmaschinen, hat Mühe. Der Umsatz steigt zwar, doch die Betriebsmarge werde im Gesamtjahr bloss etwa 8,5 Prozent erreichen, klar unter den zweistelligen Werten, die in guten Jahren die Norm waren. Der Grund sind die USA, wo der Milchmarkt gedrückt ist und der wichtige Sojaexport wegen der Strafzollpolitik Trumps zurückgeht – mit der Folge, dass die Preise für Soja in den USA am Boden sind. Die Anleger, die letztes Jahr noch den Nachfragezyklus des Agrargeschäftes für Bucher überschätzt haben – die Aktien stiegen damals über 60 Prozent –, unterschätzen diesen aber wohl jetzt. Denn zwar sind die Preise für viele Agrarprodukte in den USA niedrig, doch haben sich jüngst auch deren Lagerbestände reduziert, vor allem von Mais. Das ist meist ein Vorbote steigender Preise. Und steigende Preise erhöhen die Investitionsbereitschaft der Bauern. Vieles spricht dafür, dass 2019 ein gutes Jahr für die Landtechnik­sparte von Bucher werden wird. Kaufen

Der positive Cashflow ist erst ein Versprechen

Ungewöhnlich locker gab sich Elon Musk, Chef von Tesla, am Mittwoch an der Präsentation zum zweiten Quartal. Seine gute Laune hatte wohl vor allem damit zu tun, dass die Zahlen weniger schlecht waren als befürchtet. ­Tesla bekräftigte die Vorgabe, bis Ende August wöchentlich 6000 Einheiten des Model 3 herzustellen und danach den Ausstoss zu steigern. Das Model 3 hat eine ­Schlüsselrolle, weil damit Elektroautos massentauglich werden sollen. Gravierende Probleme beim Hochfahren der Produktion haben in den vergangenen Monaten die Aktien belastet. Tesla hat nun im Quartal weniger Geld verbrannt als befürchtet, und zwar «nur» 740 Millionen Dollar, nachdem es in den ersten drei Monaten mehr als 1  Milliarde Dollar waren. Wenn das keine Leistung ist – aber ich sollte ernst bleiben. Musk verspricht, im zweiten Semester erstmals nachhaltig profitabel zu wirtschaften und einen positiven Cashflow zu erarbeiten. Bislang ist er davon weit entfernt. Allein dass ein erneuter Rückschlag ausgeblieben ist, reichte für höhere Aktienkurse. Nach meinem Gusto verzeiht ihm der Aktienmarkt viel zu viel. Die ­Aktien liesse ich links liegen.
Meiden

Das Vertrauen steigt

Die Valoren von Vifor Pharma ­gehören zu den Überfliegern des Schweizer Aktienmarktes in diesem Jahr, mit plus 50 Prozent seit Januar. Schritt für Schritt steigt das Vertrauen der Anleger, dass die Pharmagesellschaft zum führenden Anbieter von Medikamenten gegen Nierenleiden und Herz-­Nieren-Krankheiten werden kann. Dank einer Partnerschaft mit dem Dialyse-Center-Betreiber Fresenius Medical Care sichert sich Vifor den Zugang zu Tausenden Dialyse­patienten. Abseits der Dialyse verfügt die Gesellschaft zudem über einzigartige Expertise in der Vermarktung von Medikamenten, die auf bislang wenig bekannte Leiden und deren Folgen zielen. So ist es ihr zusammen mit ihrem Vertriebspartner Daiichi Sankyo in den letzten Jahren gelungen, das Bewusstsein der Nierenärzte für Eisen­mangel und für das Eisenmittel Fer­inject zu steigern. Nun will sie die Erfolgsstrategie beim Hyperkaliämie-Mittel Veltassa wiederholen, das bei Kaliumüberschuss angewandt wird. Kaufen

Die Internationalisierung ist eingeleitet

Seit einer Woche ist bekannt, dass Swatch Group ab 2019 nicht mehr an der Baselworld präsent sein wird. Damit verliert die Uhren- und Schmuckmesse ihren wichtigsten Aussteller. Die Baselword ist bisher wichtigste Ertragsbringerin von MCH Group. René Kamm, seit 2003 Chef des Messeveranstalters, kam derart unter Druck, dass er den Hut nimmt. Seine Erfolge liegen in der Vergangenheit, er hat die Baselworld und die Kunstmesse Art Basel zu einträglichen Plattformen gemacht. Doch nun? Sorgen, die Zukunft der MCH Group stehe auf dem Spiel, sind übertrieben, denn die Internationalisierung ist bereits eingeleitet. Die Gruppe übernahm im letzten Jahr sowohl MC2, eine führende Dienstleisterin im US-Messe- und Event-Markt, als auch Masterpiece ­London, eine Veranstalterin von Sammlerevents. Bis ein Nachfolger für Kamm gefunden ist, übernimmt Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer die operative Führung. Das Risiko für einen Einstieg ist aber noch zu gross. Abwarten

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