Steuern sparen dank indirekter Amortisation

Hypothek zurückzahlen oder nicht? – Steuertechnisch kann es ein Vorteil sein, Hypotheken zu behalten. Foto: iStock

Mein Mann und ich haben für den Kauf unseres Hauses eine Hypothek über 40’000 Franken, welche im August 2018 ausläuft. Daneben laufen noch zwei Hypotheken, welche im Jahr 2025 auslaufen. Es stellt sich nun die Frage, ob wir die Hypothek aus unserem Vermögen zurückzahlen oder ob wir aus steuertechnischen Gründen besser einen Teil aus der Pensionskasse oder der Säule 3a herauslösen sollen. Was würden Sie uns raten? B. H.

Sie sprechen mit Ihrer Frage zwei verschiedene Aspekte an: Einerseits die Frage, ob eine Amortisation der Hypothek Sinn macht. Und andererseits, wie eine solche Amortisation zu finanzieren ist – entweder direkt aus Ihrem liquiden Vermögen oder als Vorbezug von Ihrem Altersguthaben.

Wenn Sie die Hypothek zurückzahlen, wie Sie dies planen, können Sie die Zinsbelastung senken. Das ist positiv. Denn obwohl die Zinsen derzeit sehr tief sind, zahlen Sie auf diesem Kredit der Bank einen Zins, der nach einer Teilamortisation wegfallen würde.

Immerhin dürfen Sie aber diese Zinsen bei den Steuern abziehen. Viele Banken würden Ihnen deshalb raten, die Hypothek beizubehalten, damit Sie weiter den Zinsabzug bei den Steuern machen können.

Für eine Teilamortisation spricht, dass die Zinsen künftig sicher nicht mehr sinken, sondern mittelfristig steigen dürften. Sie müssen damit rechnen, dass Sie höhere Zinskosten haben. Wenn Sie sich für eine Teilamortisation entscheiden, würde ich das Geld allerdings nicht vom Vorsorgeguthaben nehmen.

Sie haben zwar durchaus die Möglichkeit, für die Finanzierung von selbst genutztem Wohneigentum oder damit verbundene Hypotheken Kapital aus Ihrer Vorsorge vorzubeziehen. Damit schwächen Sie aber Ihre Vorsorge fürs Alter. Davon würde ich Ihnen abraten.

Angesichts der Probleme bei der Altersvorsorge im Zuge der steigenden Lebenserwartung erachte ich es gerade auch für jüngere Menschen als besonders wichtig, dass man seine eigene Altersvorsorge ausbaut und nicht schwächt.

Falls Sie oder Ihr Mann Lücken in der Altersvorsorge aufweisen, würde ich eher versuchen, diese zu füllen und nicht noch Geld aus dieser vorzubeziehen. Steuerlich attraktiv sind einerseits freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse, denn diese können Sie vollumfänglich von den Steuern abziehen, wobei eine freiwillige Einzahlung nur Sinn macht, wenn eine Kasse gesund ist.

Andererseits empfehlenswert sind Einzahlungen in die steuerbegünstigte Säule 3a. Da Sie beide berufstätig sind, können Sie beide in die Säule 3a einzahlen und so beide Einzahlungen von den Steuern in Abzug bringen.

Allenfalls könnte es sich für Sie lohnen, dass Sie die Hypothek auf dem Haus noch stehen lassen und den für die Amortisation geplanten Betrag in die Säule 3a von Ihnen und Ihrem Mann sowie als freiwillige Einzahlung in die Pensionskasse leisten. In diesem Fall wäre der Steuerspareffekt beträchtlich.

Da Sie das Geld nicht für den Konsum aufbrauchen, sondern für die Altersvorsorge investieren, nehmen Sie eine indirekte Amortisation der Hypothek vor, sparen aber Steuern.

Ich rate Ihnen, sich von Ihrer Bank die genauen Sparmöglichkeiten aufgrund Ihrer effektiven Einkommens- und Vermögensverhältnisse beziffern zu lassen. Dann haben Sie alle Grundlagen und können entscheiden.

17 Kommentare zu «Steuern sparen dank indirekter Amortisation»

  • Michael Blanc sagt:

    Noch besser ist keine Hypo zu haben, da man dann zwar mehr Steuern bezahlt, im Total aber mehr im Kässeli übrig hat… Grenzsteuersatz… Aber das sagt man dem Bürger ja nicht..

    • Kronenberger sagt:

      Sehr geehrter Herr Blanc
      Ihre Überlegung und Ansicht ist absolut korrekt – ausser es findet sich eine Wertanlage, welche mehr (Netto) Rendite abwirft bei gleichem Risiko. Und dies ist schlicht nicht möglich – sonst würden es unsere Banken selber machen.

  • Urs Länder sagt:

    „Da Sie das Geld nicht für den Konsum aufbrauchen, sondern für die Altersvorsorge investieren, nehmen Sie eine indirekte Amortisation der Hypothek vor“… also was jetzt? Altersvorsorge oder Amortisation? Schlussendlich wird das Geld doch für die Amortisation genutzt und steht somit nicht mehr für die Altersvorsorge zur Verfügung!?!

  • fredy burger sagt:

    Also was denn nun? Sie können es so oder so oder auch ganz anders machen. Am Schluss ist der Fragesteller genau gleich schlau wie zuvor.
    Das Argument mit dem Steuerabzug für die Hypozinsen scheint mir nicht stichhaltig. Dies kann ich wohl bei der Steuer abziehen, aber zuerst zahle ich die Zinsen an die Bank. Somit zahle ich so oder so, entweder an die Bank oder ans Steueramt. Eine Hypothek über Fr. 40’000 lässt sich üblicherweise nicht als Festhypothek anbinden. Als variable Hypo zahlt man ca. 2% Zins und somit massiv mehr als man für Spareinlagen bekommt.
    Ich meine die 40’000 amortisieren ist hier das Richtige.

  • Dominic sagt:

    Klar rät die Bank dazu die Hypo zu halten. Sie verdient ja daran. Es ist von Kanton zu Kanton je nach Steuerfuss unterschiedlich wie gross die Differenz ist ob man das Geld der Bank gibt oder dem Staat. Bei uns ist es etwas teurer beim Staat. Trotzdem haben wir uns entschieden zum Amortisieren, aus einem einfachen Grund; Die Bank baut mit den Geldern keine Strassen, Schulhäuser, Parkanlagen, Ausbau des ÖV etc. (alter Spruch ich weiss, aber wahr) Die Bank nutz das Geld höchstens um die Bonis zu finanzieren. Deshalb schlafe ich besser wenn ich möglichst unabhängig von den Banken bin und hoffe, dass der EMW endlich abgeschaft wird damit ich meinen Lebensabend in meinem abbezahlten Haus verbringen kann.

  • Peter Waldner sagt:

    Es ist unser hanebüchenes Steuersystem, das einen hohen Schuldenstand fördert. An sich wäre die beste Altersvorsorge ein „abbezahltes“ Wohneingentum, aber nein – „von hinten durch die Brust ins Auge“ schlägt der Fachman vor, die Schulden hoch zu lassen und „übriges“ Geld anderweitig zu sparen.

  • Anh Toàn sagt:

    Hypothek direkt amortisieren ist dumm:

    Man zahlt ein paar Jahre auf die Säule 3a ein, und nimmt das Geld dann raus um die Hypo zu amortisieren.

    Die indirekte Amortisation muss regelmässig in eine direkte geändert werden, nur dann entsteht ein Steuervorteil: Hier wird regelmässig geraten, die 3. Säule Guthaben gestaffelt zu beziehen, aber wenn jemand fragt, ob er dies tun soll (Vorbezug um die Hypo zu amortisieren) rät man ihm, lieber noch mehr einzahlen, auf dass bestimmt die Maximalsätze auf die Einzahlung zur Anwendung gelangen.

    • Anh Toàn sagt:

      Kurz zusammengefasst lautet die Steueroptimierung mittels Säule 3a:

      Möglichst viel rein und möglichst viel auch wieder raus,

      Damit das, was bei der Pensionierung noch drin ist, mehrmals von hohen Steuersätzen unterliegendem Einkommen abgezogen wurde und gleich oft, aber tiefen, bei gestaffeltem Bezug noch tieferen Steuersätzen halt versteuert werden musste.

      Dann lohnt sich das vor Steuern Verlustgeschäft, der gleichen Bank mehr Zins zu zahlen auf Geld, dass man ihr schuldet (Hypo), als sie einem zahlt, auf Geld, dass sie schuldet (Säule 3a Konto).

      Nur einmal abziehen am Schluss viel aufs Mal erhalten und darum relativ hoch auch als 3a Auszahlung zu versteuern, wiegt das vor Steuern Verlustgeschäft nicht auf.

      • Anh Toàn sagt:

        Je kürzer das Geld in der Säule 3a war umso grösser ist die Steuerersparnis, da die Summen nach kurzer Zeit kleiner sind. Dieser absolut grössere Gewinn wurde in einer viel kürzeren Zeitspanne erzielt (z.B. 5 Jahre bei sparen auf Hypoamortisation statt 40 Jahre bei jung beginnendem effektiven Altersparen innerhalb der Säule 3a), die sich ergebende Rendite beträgt ein Vielfaches. Anfängermathe!

  • Karl Knapp sagt:

    Das Alter der beiden kommt in der Fragestellung gar nicht vor, obwohl das eine wesentliche Rolle spielt. Grundsätzlich gilt: nur dort einzahlen, wo man das Geld auch wieder rausbringt. Tönt trivial, ist es meistens nicht.

    • Anh Toàn sagt:

      “ nur dort einzahlen, wo man das Geld auch wieder rausbringt.“

      Wird Geld in die Säule 3a einbezahlt, um in 3-7 Jahren eine Hypotranche abzuzahlen, wird man das Geld wohl wieder rausbringen, zu Bedingungen, die sich bis dahin kaum wesentlich ändern werden.

      Wird das Geld mit 20 in die Säule 3a einbezahlt, um es im Rentenalter zu haben, kennt man die Bedingungen, insbesondere Steuern, aber auch negative Realzinsen, Währungsreformen, Bankenpleiten, um das Geld wieder zu holen nicht.

      Fast alles über einen Horizont von mehr als 20 Jahre ist unkalkulierbar. Wer heute als Junger einzahlt, gebunden, kann keine Ahnung haben, wie viel er 30- 40 Jahre später da wieder rausbringt.

  • Der grosse Allwissende sagt:

    Wenn die Sonne scheint, leiht dir der Banker einen Schirm, wenn es regnet verlangt er diesen wieder zurück. Auf deine innere Stimme hören und schnellstmöglich direkt Schulden auf ein verträgliches Niveau (50%FK) abbezahlen! 3a ist nach der Einführung der 2.Säule sowieso der grösste Volksbetrug, nur merkt es keiner, weil jedem dieser Banken- und Versicherungsslang per Gehirnwäsche eingehämmert wurde.

  • Thomas sagt:

    Anh Thoan schreibt im Interesse der Banken und vergisst, dass es Leute gibt, die amortisieren und zugleich für die dritte Säule sparen können.
    Am Ende des Jahres hat jeder in jedem Fall mehr im eigenen Portemonnaie, wenn er Schulden schnellstmöglich abbezahlt.
    Die Banken werden nicht müde, das Märchen von der Steuerersparnis zu pflegen. Wer rechnen kann, erkennt schnell, dass die Hypozinsen viel grösser sind, als die Steuerersparnisse durch den Abzug der Schuldzinsen – auch wenn der Grenzsteuersatz sehr hoch ist.

    • Anh Toàn sagt:

      Die Steuerersparnis durch den Abzug der Schuldzinsen und die bis zur Auszahlung steuerfreien Erträge auf die Zinsen in der Säule 3a führt in etwa zu einem Nullergebnis: Es ist nicht das halten des Vermögens in der 3a (statt Hypoamortisation) welches den wesentlichen Steuervorteil bringt: Dieser entssteht aus der Differenz der gesparten Steuern beim Abzug der Einzahlung (bei den meisten zumindest nahe am Maximalsteuersatz) und der Auszahlung:

      Je kürzer die Zeitspanne zwischen Einzahlung und Auszahlung, umso höher die Rendite.

      Die wenigsten können sich leisten, jedes Jahr maximale Einzahlungen in die Säule 3a und, das gibt es auch als im Prinzip gleiches Instrument, Einkauf von Lohnerhöhungen in die PK und dann noch Hypo amortisieren.

    • Anh Toàn sagt:

      „Anh Toàn schreibt im Interesse der Banken“

      Die meisten müssen, um eine Hypotranche zu amortisieren, diesen Betrag mehrere Jahre ansparen: Tun sie dies auf einem Säule 3a Konto, „muss“ ihnen die Bank mehr Zinsen zahlen, als wenn sie dies auf einem gewöhnlich Sparkonto machen. Und da die Dauer der Anlage nicht lang genug ist für Aktien, gibt es kaum eine alternative zu einem Sparkonto, bis eine Hypotranche fällig wird. Die Bank verdient weniger, wenn mein Rat befolgt wird und die Amortisationssumme in der Säule 3a statt 3b (dazu gehören auch normale Sparkonten) angespart wird.

      „Schnellstmöglich Schulden abzahlen“ ist bei Hypotheken nun mal alle paar Jahre eine Tranche.

    • Anh Toàn sagt:

      Kürzer, kurz kann ich irgendwie schlecht:

      Es geht bei der Frage ob direkt oder indirekt amortisieren nicht um das strategische Ziel, schnellstmöglich Schulden abzubauen, da bin ich voll bei Ihnen: Bis auf Null ist mein Rat, in erster Linie nicht wegen finanziellem Gewinn sondern wegen dem emotionalem Gewinn, man fühlt sich reich ohne Schulden auf dem Eigenheim. (Kostolani hat geschrieben, man sei reich)

      Es geht um die Taktik, dieses strategische Ziel möglichst schnell zu erreichen.

  • Laurenz Loringel sagt:

    Sparen heisst, durch Einschränkung etwas aufbewahren; einen Mehrwert nachhaltig sichern. Steuern fallen an, egal ob man gespart hat oder nicht, egal ob man Geld für die Rechnung hat oder nicht. Die Reduktion einer Zwangsabgabe ist kein Sparen, auch wenn der Ausdruck populistisch daherkommt und von Bildungsfernen verinnerlicht wurde.

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