Handelsstreit belastet Schweizer Autozulieferer

Mussten deutlich Federn lassen: Schweizer Autozulieferer wie die Luzerner Komax leiden unter dem Handelsstreit. Foto: pd

Vor geraumer Zeit habe ich Komax-Aktien zu 280 Franken gekauft – diese stieg dann innert kurzer Zeit auf über 330 Franken, doch dann fiel sie stark auf unter 250 Franken. Hat dieser Verlust mit dem Handelsstreit mit Amerika zu tun? Sollte ich die Aktien wieder verkaufen, oder muss ich einfach Geduld haben und dies alles nicht so ernst nehmen? A.Z.

Leider kann man den Handelsstreit zwischen den USA, China und Europa, den US-Präsident Trump vom Zaun gebrochen hat, nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Bereits haben mehrere grosse Autohersteller wie Daimler oder Autozulieferer wie Osram Gewinnwarnungen herausgegeben. Der internationale Handelsstreit kommt in der Realität der Unternehmen an und ist längst nicht mehr nur politisches Macht-Geplänkel unter den Supermächten.

Zunehmend spürbar wird der Handelskonflikt auch für die Schweizer Autozulieferer. Allein das Risiko, dass Aufträge der Autobauer ausbleiben könnten, hat die Investoren aus den Aktien von Autozulieferfirmen gedrängt.

Beispiel dafür ist der Zuger Schrauben- und Verbindungselementehersteller Bossard. Noch im letzten Jahr war Bossard ein Börsenstar – nicht zuletzt dank dem prominenten Kunden Tesla. Inzwischen notieren die Bossard-Aktien seit Jahresanfang zweistellig im Minus, zumal mit dem US-Landmaschinenbauer John Deere ein weiterer Bossard-Kunde von negativen Auswirkungen des Handelsstreits betroffen ist.

Auch andere Autozulieferer wie Autoneum, Feintool, Huber+Suhner, Georg Fischer oder Komax, von der Sie Aktien besitzen, mussten wegen des Handelsstreits mehr oder weniger deutlich Federn lassen.

Die Luzerner Komax macht den Grossteil ihres Umsatzes mit Firmen, die für Autohersteller Kabel verbauen. Damit ist Komax direkt und indirekt den Folgen des Handelskonflikts ausgesetzt – erst recht vor dem Hintergrund, dass Komax auch einen neuen Produktionsstandort in Mexiko aufgebaut hat.

Zwar hat das Management bereits früher signalisiert, dass man die Abhängigkeit vom Autosektor vermindern und stärker in den Geschäftsfeldern Telecom, Industrie und Luftfahrt expandieren möchte. Ganz so schnell wird dies aber nicht gelingen und Komax bleibt im Würgegriff der Strafzoll-Politik von Präsident Trump.

Abgesehen vom Handelsstreit stufe ich die Perspektiven von Komax aber positiv ein: Komax gewinnt Marktanteile und hat stark investiert, was sich mittelfristig in einem höheren Wachstum auswirken sollte. Komax dürfte vom starken Wandel im Automobilsektor mit dem Trend zu mehr Elektrifizierung in den Fahrzeugen profitieren.

Vorderhand rechne ich damit, dass die Papiere von Komax ebenso wie jene von anderen Autozulieferern wegen des Handelsstreits unter Druck bleiben. Allerdings habe ich den Eindruck, dass schon viel Negatives in den Kursen enthalten ist.

Sollte es zu einer Entspannung im Handelsstreit kommen, wäre bei den Aktien von Autozulieferern wie Komax mit einer starken Erholung zu rechnen.

Gleichzeitig kann es zu weiteren Verkäufen kommen, falls der Handelsstreit noch mehr eskaliert. Von der Politik hängt somit einiges ab. Leider ist der politische Kurs von US-Präsident Trump sehr schwer berechenbar.

Persönlich würde ich bei den Komax-Aktien die Flinte noch nicht ins Korn werfen, solange eine reale Chance für eine Gegenbewegung besteht.

1 Kommentar zu «Handelsstreit belastet Schweizer Autozulieferer»

  • Gary Host sagt:

    „Komax dürfte vom starken Wandel im Automobilsektor mit dem Trend zu mehr Elektrifizierung in den Fahrzeugen profitieren.“
    Leider falsch!
    Elektroautos sind viel simpler aufgebaut als Verbrenner. Sie besitzen viel (ca. 90%) weniger bewegliche Teile , die in irgendeiner Art angesteuert werden müssen. Daher benötigt es auch viel weniger Kabel da weniger solcher Steuereinheiten verbunden werden müssen. Bestes Beispiel hierfür ist das Model 3 von Tesla. Einfach mal nach „teardown model 3“ googlen dann sieht man wie genial simpel solche Autos designt werden können.

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