Die Hochrisiko-Aktien von Evolva

Riskante Anlage: Evolva hofft auf den durchschlagenden Erfolg des künstlichen Süssstoffs Stevia. Foto: Getty Images

Ich habe Anfang Jahr Evolva-Aktien für 120’000 Franken bei einem Aktienkurs von 0.33 Franken gekauft. Das Geld brauche ich nun aber für den Kauf meines Eigenheims im Januar 2019. Da der Kurs gefallen ist, weiss ich nicht, was ich machen soll. Was meinen Sie zu dem Titel? Werden endlich die erwarteten News kommen und dem Titel wieder Auftrieb geben? J. G.

Bei Evolva ist alles möglich: Der Titel kann sich bei good news deutlich erholen, er kann aber ebenso noch mehr in den Keller gehen, wenn das Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllt.

Seit den Höchstständen noch im Jahr 2015 auf über 1.86 Franken ging es mit dem Evolva-Kurs praktisch nur noch nach unten auf ein Tief von rund 25 Rappen.

Evolva ist ein sogenannter Pennystock, also eine Aktie, die einen sehr geringen Wert aufweist und unter einem Franken notiert. Aus meiner Sicht sind das reine Spekulationsaktien mit starken Kursschwankungen, von denen man als Anleger die Finger lassen sollte.  

Es ist gut möglich, dass sich der Evolva-Kurs von den Tiefstwerten wieder erholt, denn das Management hat für das laufende Jahr good news angekündigt: Der Hersteller von Nahrungszusätzen und des mit grossen Hoffnungen verknüpften Stevia-Süssstoffs, der aus der Stevia-Pflanze gewonnen wird, hat für dieses Jahr grosse Fortschritte in Aussicht gestellt.

Das Management erwartet, dass 2018 erstmals Lizenzerträge mit dem Stevia-Süssstoff Ever Sweet erwirtschaftet werden können, wenngleich diese noch gering sein werden. Das wäre nach Jahren der Hoffnung immerhin ein wichtiger Meilenstein.

Jedenfalls hat der Evolva-Partner Cargill laut Unternehmensangaben mit der kommerziellen Produktion von Ever Sweet angefangen. Diese Partnerschaft mit dem Futtermittel- und Rohstoffgiganten Cargill ist für die künftige weltweite Vermarktung des Stevia-Süssstoffs entscheidend.

Für das laufende Jahr hat Evolva denn auch bei den Produktumsätzen ein deutliches Wachstum in Aussicht gestellt. Wenn sich dieses Wachstum in den nächsten Wochen und Monaten wirklich bestätigt, würde dies dem Evolva-Kurs wohl zu einer stattlichen Erholung verhelfen. Eine Garantie dafür haben Sie aber nicht.

Tatsache ist, Evolva schreibt auch in diesem Jahr voraussichtlich wieder rote Zahlen. Bereits im vergangenen Jahr schrieb das Unternehmen einen Verlust, der sogar noch leicht höher ausfiel, als viele erwartet hatten. Im letzten Jahr machte Evolva einen Verlust von 39 Millionen Franken, nach einem Verlust von 35,8 Millionen Franken im Vorjahr. Immerhin dürfte sich der Verlust in diesem Jahr laut Unternehmensangaben etwas verringern.

Auch das wären good news, welche dem Kurs Auftrieb geben könnten – falls die positiven Nachrichten dann wirklich kommen. In der Vergangenheit jedenfalls mussten die Anlegerinnen und Anleger immer wieder Rückschläge in Kauf nehmen, was sich entsprechend negativ im Kurs der Aktie widerspiegelt.

Weil Evolva starken Schwankungen ausgesetzt ist, ist die Aktie bei sehr kurzfristig orientierten Spekulanten beliebt. Sie müssen sich allerdings bewusst sein, dass Sie mit dieser Aktie sehr hohe Risiken eingehen. Falls die positiven Erwartungen nicht erfüllt werden und sich die grossen Hoffnungen in den Süssstoff Stevia nicht oder nur zu wenig kommerziell umsetzen lassen, ist es gut möglich, dass Sie noch mehr Geld verlieren.

Auf keinen Fall sollte man hohe Beträge in solche Aktien investieren, zumal man so auch ein enormes Klumpenrisiko eingeht.

Ob die erwarteten guten Nachrichten bei Evolva doch noch eintreffen und sich der Kurs erholt, weiss ich nicht. Da Sie mir schreiben, dass Sie das in den Aktien blockierte Geld spätestens im Januar 2019 für den Hauskauf brauchen, könnten Sie sich überlegen, ob Sie nicht schrittweise aussteigen wollen.

Auf der einen Seite sollten Sie sich gegen weitere Verluste absichern, auf der anderen Seite wollen Sie eine mögliche Erholung nicht verpassen. Wenn Sie in Tranchen verkaufen, haben Sie eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Sie nicht zum schlechtest möglichen Zeitpunkt alles verkauft haben.

Wenn es doch noch raufgehen sollte, sind Sie wenigstens teilweise dabei. Wenn es aber noch mehr runtergeht, haben Sie die weiteren Verluste begrenzt.

Generell jedoch rate ich Privatanlegern von einem Engagement in Evolva-Aktien ab: Die Risiken sind hier sehr hoch. Die spekulativen Titel eignen sich nur für Leute, die auch einen Totalverlust verkraften können.   

11 Kommentare zu «Die Hochrisiko-Aktien von Evolva»

  • Molnar sagt:

    Jedes Start UP ist ein Risiko und dies sollte man sich als Anleger bewusst sein. Aber ohne Risiko gibt es auch nur magere Gewinne.

    • Christoph Bögli sagt:

      Es sind gerade diese überzogenen Erwartungen, die immer wieder zu solchen Fehlinvestments führen und Verluste bringen. Wer ordentliche Renditen in Bereichen von, sagen wir mal, 5-10%, die ein gutes, ausgewogenes Portfolio langfristig abwerfen kann, als „mager“ betrachtet, der hat m.E. einen ziemlich verzerrten Blick auf die Finanzwirtschaft und was für einen Kleinanleger sinnvoll ist.

      Natürlich kann man mit höherem Risiko mehr herausholen, aber dazu braucht man eben auch das Kapital um das absichern und (Total-)Verluste stemmen zu können. Also Möglichkeiten, die kein Durchschnittsanleger bieten kann. Redet man diesem also ein, 5% oder gar 10% wären „mager“, dann fördert man boss die Gier und unvernünftige Geschäfte von Bitcoin bis zu Betrügereien..

  • Tom Huber sagt:

    Da staune ich, dass jemanden der auf sein Geld angewiesen ist solche Investements tätigt und das in dieser Grössenordnung. Ein Millionär der nicht auf das Geld angewiesen ist, kann das sicher machen.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie heil aus diesem Investment kommen und ihr Vorhaben mit dem Kauf von Eigentum nicht scheitert.

    • Karl Knapp sagt:

      Kann sein, dass das Eigenheim scheitert. Kann sein, dass man 10 Jahre später genau das als Glück bezeichnet. Ein bisschen Zen hilft.

  • Martin Leu sagt:

    Solche Hochrisiko-Investments sollte man nur mit Kapital machen, das man problemlos abschreiben kann. Hier scheint es sich um einen klassischen Fall von „Gier schaltet Hirn aus“ zu handeln.

    • Christoph Bögli sagt:

      Ich würde da nicht mal die Gier in den Vordergrund stellen, das scheint mir eher ein klassischer Fall von „Laie meint er wär schlauer als alle anderen“. Ausser man nimmt an, dass es auf ganz schlechter Beratung beruht.

      So oder so gibt einem die Kurzsichtigkeit zu denken: wer steckt Anfang Jahr Geld in ein Investment, wenn er Ende Jahr eben dieses als Eigenkapital für einen Hauskauf benötigt? Da scheint jemand ziemlich hüst und hott zu agieren..

    • Zimmermann sagt:

      Wie wahr

  • Alain Surlemur sagt:

    J. G. hat gegen die wichtigsten Regeln der Geldanlage verstossen:

    1) Geld, dass man in absehbarer Zeit braucht, also in den nächsten 5-10 Jahren, hat an der Börse nichts verloren. Egal ob man nun den blauesten Blue Chip oder einen Penny Stock kauft

    2) Eine hochriskante Aktie sollte niemals mehr als 1% des Portfolios ausmachen, Die Summe diese Anlagen nicht mehr als 5-10%

    Und wer bitte hat J.G. ausgerechnet zu EVE geraten? Das ist ja nicht gerade eine Standardaktie …

    Ich wünsche ihm trotzdem viel Glück, er kann es brauchen.

  • D. Rihm sagt:

    Ich bin schon immer wieder erstaunt wie unvernünftig, je eigentlich schon blöd Leute mit Geld spekulieren, wo sie’s doch eigentlich gar nicht können.
    Solche Aktien kauft man nur als Beigemüse zu einem ausgewogenen Depot,
    ………… sofern man einen Anlagehorizont von 7 – 10 Jahre hat.

    Ups … und plötzlich brauche ich das Geld für Kauf Wohneigentum.

  • P. K. sagt:

    Hallo J.G.

    So wie es aussieht, kaufen Sie zuerst Aktien und überlegen sich erst später ob die Aktie was taugt. Zu wenig analysiert.

    Evolva hat ein Produkt (Eversweet), was ich immer noch für eine Revolution halte. Die Wette auf ein Durchbruch kann man eingehen, wenn man auch mit einem Totalverlust umgehen kann. Die Chancen aber auf einen Durchbruch schätze ich persönlich höher ein als ein Totalverlust. Man kann 100% verlieren, aber über 1000% gewinnen.

Kommentar

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