Über Swisscom braut sich was zusammen

Swisscom: Der Telecomkonzern muss sich einem schärferen Wettbewerb stellen. Foto: Urs Jaudas

Ihre Rivalen im Heimmarkt hält die Swisscom derzeit noch auf Distanz. Doch wenn es zu einem Schulterschluss der Konkurrenten kommt, wie seit Monaten gemunkelt wird, dann sieht es anders aus. Und auch in Italien muss sich der Telecomkonzern einem schärferen Wettbewerb stellen. Dort mischt der französische Branchennachbar Iliad seit Ende Mai den Mobilfunkmarkt mit einem Kampfpreis auf und kommt damit der Swisscom-Tochter Fastweb in die Quere. Künftig könnte Iliad nicht nur ein aggressives Angebot für mobile Telefonie machen, sondern sich zusätzlich auf Festnetzleitungen einmieten und auch Breitband-Internet offerieren. Mich stimmt das nachdenklich. Iliad hat den französischen Telecommarkt ab 2012 durchgerüttelt und von etab­lierten Anbietern Umsätze und Marktanteile erobert. Im ungünstigen Fall wird Swisscom von zwei Seiten in die Zange genommen. Ich bin vorsichtig, was die Aktien angeht. Abwarten

Stresstest bestanden

Der US-Stresstest der Banken zeigt: UBS und Credit Suisse stehen gut da. Mit ihrem Kapitalplan erfüllen ihre US-Töchter die Auflagen der US-Notenbank. Das geht aus dem jüngsten Banken-Stresstest der US-Notenbank Fed hervor. Ich interpretiere das so: Die Banken haben ihre Hausaufgaben gemacht und kommen auch als ­Investment wieder infrage. Im Gegensatz zur Deutschen Bank. Ihr US-Ableger ist als einziges Institut durchgefallen. Dieses heisse Eisen fasse ich nicht an. Anders sieht die Situation bei den hiesigen Instituten aus. Die UBS wirtschaftet solide, fokussiert auf das Private Banking und zahlt eine attraktive Dividende von über 4 Prozent. Zusammen mit dem Aktienrückkaufprogramm darf der Aktionär mit einer Rendite von gut 5 Prozent rechnen. Die UBS ist vermutlich immer noch die bessere Bank. Dafür sind ihre Aktien teurer bewertet als jene der Credit Suisse. Die zweite Schweizer Grossbank befindet sich im dritten Jahr ihrer Restrukturierung. Das Ende muss noch geschafft und die Erfolge müssen realisiert werden, aber der Ausblick ist gut. Ich erwarte, dass die Kosten in den ausstehenden Quartalen 2018 weiter zurückgehen. Damit ist die Credit Suisse weniger stark vom Markt abhängig und hat es selbst in der Hand, den Gewinn zu steigern. Zudem sorgt das für Fantasie unter den Anlegern. Meine Einschätzung ist deshalb klar: Bei UBS ­abwarten, Credit Suisse kaufen

Platzhirsch verliert Anteile

Der Abgang von Intel-Chef Brian Krzanich hat ein Schlaglicht auf die vielen Baustellen geworfen, an denen der Chiphersteller arbeiten muss: Die jüngste Chiptechnologie verzögert sich. Rivalen wie TSMC oder AMD liegen vorn, was die Miniaturisierung von Chips angeht, der Domäne von ­Intel. Sie werden dem Platzhirsch Anteile abknöpfen. Bei mobilen Geräten läuft Intel weiter unter «ferner liefen». Wenn es um Trendthemen wie künstliche Intelligenz oder autonome Autos geht, führen Wettbewerber wie AMD und Nvidia. Prestigeträchtige Kunden wie Apple wollen Intel-Chips austauschen. Da tut es nichts weiter zur Sache, dass Krzanich nicht wegen dieser Baustellen, sondern wegen der Beziehung zu einer Angestellten zurücktreten musste. Entscheidend wird die Frage sein, wer Intel künftig führt. Die Auswahl an geeigneten Kandidaten ist nicht sonderlich gross. Je schneller Intel einen Nachfolger findet, desto besser und desto weniger Angriffs­fläche wird den Rivalen gelassen. Seit Anfang Juni haben Intel-Papiere mehr als 10 Prozent an Wert verloren. Anleger mit Mut können vorsichtig kaufen. Dosiert kaufen

Umsatz von 100 Millionen

Ärgern Sie sich wie ich ebenfalls über teure Zahnarztbesuche und fürchten Wurzelbehandlungen? Dann sollten Sie sich den kleinen Dentalprodukthersteller Coltene anschauen. Der wächst gerade kräftig dank zweier Übernahmen und baut so seine Produktstruktur um. Coltene akquiriert die ­kanadische SciCan und die französische Micro-Mega. Die beiden kommen auf einen Umsatz von rund 100 Millionen Franken. Das entspricht fast 60 Prozent der bisherigen Einnahmen von Coltene, die auf dentale Verbrauchsmaterialien und Kleingeräte spezialisiert ist. SciCan bietet Desinfektionsgeräte für Zahnarztpraxen an, Micro-Mega stellt Feilen für die innere Zahnbehandlung her. Das Coltene-Management setzt darauf, dass die schärferen Hygienevorschriften in Zahnarztpraxen den Bedarf an Desinfektionsgeräten steigen lässt. Mit Micro-Mega wird die Endodontie zur zweitwichtigsten Produktgruppe von Coltene – wegen Feilen für die innere Zahnmedizin und Instrumenten für die Wurzelbehandlung. Die beiden Übernahme­ziele haben 2017 den Umsatz um mehr als 10 Prozent gesteigert. Um sich abzulenken, können Sie auf lange Sicht bei Zahnarztbe­suchen an Kursgewinne von Coltene denken. Dosiert kaufen

Netzwerk für Reiche und Schöne

Das erste Halbjahr ist gelaufen, und so mancher Anleger zieht Zwischenbilanz; auch Börsenchef Jos Dijsselhof tut es: «Die gute letztjährige Entwicklung der Neuzugänge an der Schweizer Börse wird dieses Jahr bereits im ersten Halbjahr übertroffen», freut er sich. Aus Sicht der Investoren überzeugt die Bilanz aber nicht. So mancher Neuling kam recht teuer an die Börse, sodass das weitere Kurspotenzial begrenzt ist. In etwa so wie befürchtet entwickelten sich die Titel von Asmallworld. Seit dem Höchst von 22 Franken Ende April geht es mit den Papieren des Betreibers dieses sozialen Netzwerks für Reiche und Schöne stetig abwärts. Sie kosten nun rund 6 Franken. Anzeichen für eine Trend­wende sind nicht auszumachen, ebenso fehlen weiterhin die Gründe, die Aktien zu haben. Meiden

 

1 Kommentar zu «Über Swisscom braut sich was zusammen»

  • Anton Schneider sagt:

    Ich bin für die Grossbanken skeptisch, da das Geschäftsmodell sich auf die Trägheit der Kunden stützt. Kein rational denkender und kostensensitiver Normalsterblicher unter mehreren Millionen Franken Vermögen, würde seine Geld bei den Grossbanken deponieren und deren teure 0815-Dienstleistungen beanspruchen. Die Geldmaschine „Hypotheken“ funktioniert, weil dieser Markt von der Politik und den Lobbyisten erfolgreich zu Lasten der Schuldner bewirtschaftet wird. Der Heimmarkt CH liefert für die Grossen die fetten Gewinne und stellt die hundert Millionen Bonus für Konzernleitung und VR zur Verfügung. Etwas neues aus der CH-Finanzbranche? Nein. Solange diese 1-1.5% an „Vermögensverwaltung“-Kosten belasten können, müssen die Banken nichts ändern.

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