Gesparte Hypozinsen sind auch eine Rendite

Geldblog

Konservative Anlage: Das Wohneigentum zu amortisieren, bringt unter dem Strich mehr ein, als sein Geld bei der Bank liegen zu lassen. Foto: iStock

Meine Frau und ich sind über 80-jährig und besitzen ein breit diversifiziertes Anlageportefeuille. Wir sind bei der Geldanlage vorsichtig und legen Wert auf ökologische Gesichtspunkte. Wir bewohnen eine Eigentumswohnung im Wert von 800’000 Franken, die mit einer Hypothek von 200’000 Franken belastet ist. Zu welcher Anlagestrategie raten Sie meiner Gattin, die kürzlich 100’000 Franken geerbt hat? Sie ist in der Geldanlage noch zurückhaltender als ich und würde das Geld am liebsten auf einem normalen Bankkonto liegen lassen. F. K.

Bei der anstehenden Anlage der zusätzlichen 100’000 Franken würde ich Ihnen auch zu einer konservativen Strategie raten, zumal Ihre Frau keine grossen Schwankungen wünscht. Allerdings würde ich das Geld nicht einfach auf dem Bankkonto liegen lassen.

Erstens bekommt sie auf dem Kapital praktisch null Zins und verliert nach Abzug aller Gebühren sogar noch Geld. Zweitens trägt sie das Konkursrisiko der Bank: Sollte diese in Schieflage geraten, sind nur maximal 100’000 Franken pro Kunde im Rahmen der gesetzlichen Einlagegarantie gesichert.

Da ich anhand Ihrer Angaben davon ausgehe, dass Ihre Frau noch weitere liquide Mittel bei der Hausbank hat, wäre in einem Konkursfall nur ein Teil der Gelder gesichert. Kapital, das indes in Wertschriften investiert ist, bleibt hingegen auch im Fall eines Bankkonkurses im Besitz der Kunden.

Auch renditemässig ergibt es mehr Sinn, die 100’000 Franken in Wertschriften anzulegen, als sie einfach auf dem Konto brach liegen zu lassen. Mittels Fonds lässt sich einfach eine gute Diversifikation erreichen und auch eine konservative Strategie umsetzen. Allerdings erwarte ich an den Finanzmärkten angesichts der vielen Unwägbarkeiten wie dem Handelsstreit zwischen den USA und China künftig eher stärkere Schwankungen als etwa im letzten Jahr. Mehr Rendite hat immer den Preis, dass man etwas mehr Schwankungen in Kauf nehmen muss.

Doch das ist das, was Ihre Gattin gerade nicht will. Ich frage mich daher, warum Sie mit dem Kapital nicht einfach einen Teil der noch laufenden Hypothek auf Ihrer Eigentumswohnung amortisieren. Jetzt bezahlen Sie der Bank Hypozinsen. Auch wenn diese momentan noch sehr tief sind, dürften diese in Zukunft tendenziell eher steigen.

Wenn Sie die 100’000 Franken für die Teilamortisation der Hypothek nutzen, können Sie sich die Bankzinsen sparen. Gleichzeitig ist das Kapital sicher in Ihrer Eigentumswohnung parkiert.

Die Frage ist, wie viel liquide Reserven Sie auf der Seite haben möchten. Eine neue Hypothek dürften Sie im Alter nach einer möglichen Teilamortisation nicht mehr bekommen.

Da Sie aber noch andere Mittel haben, wäre eine Teilamortisation der Hypothek aus meiner Sicht eine sichere Anlagemöglichkeit. Das Geld ist konservativ in Ihrer Eigentumswohnung parkiert, und Sie haben eine sichere Rendite in Form der Hypozinsen, welche Sie der Bank weniger bezahlen müssen.  

10 Kommentare zu «Gesparte Hypozinsen sind auch eine Rendite»

  • Peter Meyer sagt:

    mein herzliches Beileid an den Fragesteller.
    Mit 80 immer noch auf der Suche nach Rendite.
    Mit 80, möchte ich mich nicht mehr um so Fragen kümmern müssen.
    Mitnehmen kann man eh nichts…
    Ich empfehle öfters ins Restaurant zu gehen, viele Ausflüge zu machen und zu Hause sich eine Haushaltshilfe oder Spitex zu gönnen.
    Unterstützen sie jemanden mit dem Geld, der es brauchen kann. Sie scheinen ja nicht darauf angewiesen zu sein

    • Dietmar sagt:

      Ich finde solche Fragestellungen mit 80 tragisch. Mit 80 sind die Tage gezählt. Aber nein, man möchte noch mehr Rendite. Wofür?

    • Martin Leu sagt:

      Wer einen gesunden Lebensstil pflegt, eine gute genetische Veranlagung mitbekommen hat und abgesehen von harmloseren Altersbresten mit 80 noch einigermassen gesund ist, hat heute eine gute Chance, 95 Jahre alt zu werden. Das Langlebigkeitsrisiko ist nicht zu unterschätzen und es kann auch mit über 80 durchaus Sinn machen, die Finanzplanung längerfristig auszurichten. Nicht zuletzt geht es auch darum, allfällige Pflegekosten zumind. teilweise selbst finanzieren zu können und damit unser Sozialsystem nicht noch zusätzlich zu belasten. Diese Einstellung scheint leider nicht allzu verbreitet zu sein. Lieber rechtzeitig alles ausgeben und dann vom Steuerzahler leben. Die Kommentatoren Meyer und Dietmar gehen offfenbar davon aus, man wäre mit 80 bereits zwingend mit einem Bein im Grab.

    • Christoph Bögli sagt:

      @Mayer/Dietmar: Wo steht, dass die Fragesteller nach Rendite suchen? Ich lese jedenfalls das Gegenteil, die beiden streben primär nach Sicherheit. Und das ist verständlich, immerhin möchte kaum jemand mit 80 mit abgesägten Hosenbeinen dastehen und in die Mittelosigkeit schlittern wenn man erfreulicherweise eine gute Ausgangslage hat. Dazu gehört auch, dass man solange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben möchte und nicht plötzlich gezwungen wird, diese zu verkaufen, weil man sich verkalkuliert hat. Das Anliegen scheint mir also verständlich.
      PS: Wie Martin Leute richtig anmerkt ist 80 heute keineswegs das Ende der Fahnenstange. Da die beiden anscheinend noch fit sind, wäre darum kurzsichtig, einfach alles zu verjubeln als hätte man nur noch ein paar Wochen zum Leben.

      • Kurt Seiler sagt:

        Die haben ein Haus für 800k und sonst noch Vermögen.
        …. und immer noch Angst vor Verarmung.
        Und das mit 80.
        Das ist dermassen bizarr – ich glaub das ist ein Fake.

  • Alain Surlemur sagt:

    Den Rat mit den Anlagefonds würde ich so nicht unterschreiben. Zuerst bezahlt man die Ausgabekommission und nach Abzug der jährlichen Verwaltungsspesen ist mit denen nicht wirklich viel zu verdienen. Eine Alternative wären ETF über einen Discountbroker zu kaufen.

  • Werner Wenger sagt:

    Oft frage ich mich, ob Herr Spiller diese Fragen selber konstruiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zitierte Paar diese Frage nicht mit ihrem vertrauten Bankberater löst! Ein weitereGrund: oft ist die angebotene Lösung sehr oberflächlich. Ein schelmisches Gedankenspiel: Lebt Herr Spiller vom Zeilenhonorar?

    • Christoph Bögli sagt:

      Letzteres kann ich nicht beurteilen, aber bei ersterem überrascht es mich also nicht, wenn Leute wie die (hypothetischen?) Fragesteller nicht einfach der Bank vertrauen. Gerade dass diese offenbar zurückhaltend und risikoscheu sind punkto Geld, ist ein guter Indikator, dass diese wohl auch ziemlich skeptisch gegenüber Banken sind. Und das ist durchaus berechtigt. Gerade als alte und relativ wohlhabende Person, also einem vermeintlich „leichten Opfer“, würde ich mich auch nicht irgendeinem ach so flotten Bankberater ausliefern..

  • dalessio fabbio sagt:

    es ist merkwürdig da es sich immer auf eine tiefe hypothekarzins verlocken kann.
    niemand denkt and die höhere Steuerabgabe die natürlicherweise die Folge sein werden. Wer am letzen lacht ist immer nur der Steueramt.
    mit freundlichen Grüßen

    • tillA sagt:

      Die Zunahme bei der Steuer ist allerdings geringer als die Ersparnis beim Zins. Beim Abzahlen lacht der Hypotheknehmer und das Steueramt, beim Beibehalten der Hypothek die Bank.

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