Zu viel Risiko für 7 Prozent Rendite?

Keine schlechte Idee: Le Bijou HRM ist eine Art Luxusvariante von Airbnb. Foto: pd

Die Firma Le Bijou HRM aus Zug bietet mir eine Obligation mit 7,125 Prozent Zins pro Jahr zum Kauf an. Ich bekomme sogar ein Spezialangebot von 9850 anstatt 10’000 Franken pro Bond. Was halten Sie von diesem Angebot? Ich will mir nicht die Finger verbrennen. M.B.

Hinter der Firma Le Bijou HRM mit Sitz in Zug steht ein Start-up, das einer zahlungskräftigen Kundschaft exklusive Wohnungen für eine oder mehrere Nächte anbietet. Die attraktiv eingerichteten Wohnungen befinden sich in erstklassigen Lagen. Zusätzlich können die Kunden einen Service nutzen, den man sonst nur in Fünfsternhotels bekommt.

Inspiriert wurden die Firmengründer von der international bekannten Wohnungsbuchungsplattform Airbnb aus Kalifornien. Anders als Airbnb fokussiert sich Le Bijou aber auf Luxuswohnungen inklusive Hotelservice. Ich finde die Idee dahinter spannend. Ob sie sich letztlich auch unternehmerisch als erfolgreich erweist, weiss ich nicht und ist alles andere als sicher.

Wenn Sie als Anleger in die Obligation der Jungfirma investieren, ist dies für Sie allerdings entscheidend. Die Anleihe wurde im Dezember 2016 lanciert, hat eine Laufzeit bis Ende 2022 und bietet tatsächlich einen Zins von 7,125 Prozent pro Jahr. Mit dem aufgenommenen Kapital will das Unternehmen expandieren.

Angesichts der nach wie vor historisch tiefen Zinsen in Schweizer Franken sind 7,125 Prozent ein stolzer Zins. Zum Vergleich: Mit sehr sicheren Bundesobligationen der Eidgenossenschaft mit 10 Jahren Laufzeit erhalten Sie null Zins oder legen sogar drauf. Natürlich gibt es diesen hohen Zins nicht gratis. Immer wenn man eine vergleichsweise hohe Rendite angeboten bekommt, sollte man besonders vorsichtig sein.

Die Sache hat in der Tat einen gravierenden Haken: Wie die Firma transparent ausweist, handelt es sich bei der Obligation um eine nachrangige Anleihe. Dies bedeutet, dass im Falle eines Konkurses des Anleihenherausgebers Ihre Forderungen als Besitzer der nachrangigen Anleihe hinter die aller übrigen Gläubiger zurücktreten. Im Klartext: Im schlimmsten Fall droht Ihnen der Totalausfall.

Nun geben auch andere Firmen am Schweizer Kapitalmarkt regelmässig nachrangige Anleihen heraus. Beispiele dafür sind die Raiffeisen-Gruppe, die CS oder die Zürcher Kantonalbank. Nur macht es für mich einen grossen Unterschied, ob hinter einer nachrangigen Anleihe eine bedeutende Bank steht oder eine kleine Start-up-Firma. Denn bei Jungfirmen ist das Risiko eines Totalausfalles dramatisch höher als bei einem bereits etablierten Grossunternehmen mit einem Top-Schuldner-Rating.

Sie schreiben mir, dass Sie die Anleihe der Le Bijou HRM sogar noch zu einem Spezialpreis – also mit einem Abschlag – erwerben könnten. Auch das ist verlockend. Sie müssen sich aber bewusst sein, dass Sie bei einem Investment sehr hohe Risiken eingehen.

Wenn die Firma Konkurs gehen würde, haben Sie als Inhaber einer nachrangigen Anleihe praktisch keine Rechte und müssen davon ausgehen, dass Sie sich tatsächlich Ihre Finger verbrennen würden und Ihren Einsatz abschreiben müssen.