Börsenindex: Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Wird unter Anlegern häufig verwechselt: Preisindex und Performanceindex sind nicht dasselbe. Foto: pd

Sie erwähnten in der «SonntagsZeitung» den SPI Select Dividend 20 Index. Ich habe dazu folgende Fragen: Was ist der Unterschied zwischen den beiden Indizes mit dem Namen SDIVI PR und dem SDIVIC TR? Welche der beiden sind ausschüttend oder eben nicht? M.W. 

Der SPI Select Dividend 20 Index besteht aus 20 Aktien mit der höchsten Dividende, einer stabilen Dividendenentwicklung in der Vergangenheit und einer soliden Rentabilität im Vergleich zu allen Aktien innerhalb des Swiss Performance Index.

Die Gewichtung jedes Titels basiert auf der Marktkapitalisierung auf Basis des Streubesitzes – also der Summe der Aktien, die dem Börsenhandel zur Verfügung stehen, sowie der normalisierten Dividendenrendite, die bei der jährlichen Indexrevision berechnet wird. So die offizielle Definition der Schweizer Börsenbetreiberin Six Group. Zudem wird jeder Titel vierteljährlich mit 15 Prozent begrenzt.

Allfällige Veränderungen im Index aufgrund der obigen Kriterien erfolgen jeweils im März eines Jahres. Die Zusammensetzung der beiden Indizes mit den technisch klingenden Namen SDIVI PR und SDIVIC TR ist gleich. Der Unterschied besteht aber darin, dass der SDIVIC einen Total-Return-Index darstellt und der SDIVI einen Preisindex.

Das muss ich genauer erklären: Das Kürzel PR steht in diesem Kontext für Price Return. Für Sie als Anleger bedeutet dies, dass beim SDIVI als Preisindex bei dessen Berechnung nur die Kurse der im Index enthaltenen Aktien zugrunde gelegt werden. Die Erträge aus den Dividendenzahlungen oder sonstige Erträge und Kapitalveränderungen werden in diesem nicht berücksichtigt. Also diese für die Anleger wichtigen Einnahmen sind nicht einberechnet.

Ein typischer Preisindex, den Sie kennen, ist der Swiss Market Index. Da die Erträge wie Dividenden nicht berücksichtigt sind, ist ein solcher wertmässig tiefer als der direkt vergleichbare Performanceindex. Denn der Performanceindex berücksichtigt bei der Berechnung auch alle Erträge wie Dividenden der enthaltenen Aktien.

Typische Performanceindizes sind in der Schweiz der SPI oder in Deutschland der Deutsche Aktienindex. Diese Indizes sind allerdings nur die Basis für andere Finanzvehikel, welche dann an den Index gekoppelt werden.

Daher sollten Sie als Anleger nicht den Fehler machen, den aus Radio und Fernsehen bekannten Swiss Market Index mit dem etwas weniger bekannten Swiss Performance Index blind zu vergleichen. Sonst bekommen Sie ein Zerrbild, das nur die halbe Wahrheit wiedergibt, weil Sie Äpfel mit Birnen vergleichen. 

3 Kommentare zu «Börsenindex: Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen»

  • Peter Aletsch sagt:

    Dieser Fehler ist sogar einer bekannteren Fondsgesellschaft unterlaufen, wodurch das Abschneiden ihrer Fonds zu gut ausfiel. Nach meiner Meldung umstandslos korrigiert. Man sollte überhaupt nur noch Performance – Indizes veröffentlichen,und Marktindizes nur noch in Spezialfaellen wie Berechnung von Derivaten benutzen.

  • Andi sagt:

    Und was kaufe ich den jetzt am besten als privat Anleger?

  • Guido sagt:

    Machen Sie aber auch nicht den Fehler und unterscheiden zwischen Äpfel und Birnen, weil wenn es bumst gibt es in fast jedem Fall einen grossen wertlosen Kompot. 🙂

    Kaufen würde ich als Risiko freudiger Zocker nett gehebelte Puts mit genug Laufzeit und Tesla ordentlich ausshorten.

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