Börsenwetter: Positive Vorzeichen mehren sich

Turbulenzen: Obwohl die Kursschwankungen zunehmen werden, sind die Aussichten für die Börsen intakt. Foto: pd

Infolge Pensionierung beziehe ich in einem halben Jahr 500’000 Franken meines Pensionskassenkapitals. Ist es sinnvoll, dieses Kapital in Aktien anzulegen, oder ist das jetzige Kursniveau immer noch so hoch, dass in absehbarer Zeit mit weiteren Kursverlusten zu rechnen ist? A.S.

Aktien versprechen trotz der Korrekturen und nervenaufreibenden Turbulenzen auch in diesem Jahr höhere Renditen als die meisten anderen Anlageklassen. Die Voraussetzungen für Aktien sind weiter interessant: Sowohl in Europa als auch in den USA und in Asien deuten die konjunkturellen Vorzeichen nach oben. Die Wirtschaft wächst gleichzeitig in allen drei Weltregionen auf guten Touren, und auch die Weltkonjunktur als Ganzes entwickelt sich positiv.

Gleichzeitig ist das Geld nach wie vor günstig – die Zinsen sind tief, obwohl die USA bereits mehrere Zinserhöhungen vollzogen und weitere angekündigt haben. Doch selbst in den USA können Kreditnehmer Kapital immer noch zu historisch recht tiefen Bedingungen aufnehmen. Und die Teuerung ist sowohl in Europa als auch in den USA weiterhin gering.

Für die Unternehmen bedeutet dies alles eine erfreuliche Voraussetzung, sodass weiter mit einer wachsenden Gewinnentwicklung gerechnet werden darf. In der Schweiz profitieren die exportorientierten Firmen zusätzlich von der Abschwächung des Frankens.

Trotz all dieser positiven Aspekte muss ich Sie vor zu hohen Erwartungen warnen: Die Voraussetzungen für die Aktienmärkte sind in der Tat weiter gut, aber leider sind die Bewertungen auch nach den Korrekturen nicht günstig. Der Grund sind gestiegene Erwartungen an die Unternehmen. Da braucht es wenig, dass es vermehrt zu Enttäuschungen kommen kann.

Anzeichen für eine aufziehende Rezession bestehen nicht, doch kann ein unerwartetes geopolitisches Ereignis wie eine allfällige Eskalation des Nordkorea-Konflikts dennoch plötzlich eine stärkere Korrektur auslösen. Persönlich rechne ich definitiv nicht mehr mit einem solch positiven Aktienjahr wie 2017. Zudem würde ich mich auf mehrere, weitere Korrekturen einstellen.

Über die eigentliche Einschätzung des Börsenumfelds hinaus müssen Sie sich Gedanken machen, wie lange Sie Ihr Geld investieren möchten und welche Bedürfnisse Sie mit dem Kapital abdecken müssen. Daraus leitet sich nachher Ihre Risikofähigkeit ab. Möchten Sie von der Rendite des Kapitals einen Teil Ihres Lebensunterhalts im Pensionsalter bestreiten? Oder denken Sie an einen späteren Vermögensverzehr? Wie präsentiert sich Ihr übriges finanzielles Umfeld, und welche Verpflichtungen haben Sie? In Aktien investieren sollten Sie nur, wenn Sie das Geld mit einem Anlagehorizont von wenigstens acht Jahren anlegen können. Wenn Sie an einer attraktiven Rendite interessiert sind, könnten Sie auf Aktien mit einer hohen Dividendenrendite wie Zurich, Swiss Life, Swiss Re, Novartis, Nestlé, Roche oder Swisscom fokussieren. Sie müssten einfach in der Lage sein, die zu erwartenden stärkeren Kursschwankungen zu ertragen.

Zwar ist auch die Dividende nie garantiert. Bei den erwähnten Schweizer Blue Chips haben Sie aber eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Dividende einigermassen gesichert ist. Da es sich um Ihr Altersgeld handelt, würde ich nicht das ganze Kapital nur in Aktien investieren, sondern stärker auf verschiedene Anlageklassen diversifizieren. Wenn Sie sich Klarheit darüber verschafft haben, welche Risiken Sie eingehen können und wollen, können Sie entscheiden, wie hoch Ihr Aktienanteil aussehen soll. Je nach Ihren Bedürfnissen kann dieser höher oder tiefer liegen.

Falls Sie das Geld vorderhand nicht benötigen, sind Sie eher in der Lage, mehr Risiken zu tragen. Wenn Sie aber auf das Geld angewiesen sind, würde ich Ihnen eher zu einer vorsichtigen Strategie raten, da Sie an den Börsen jederzeit mit weiteren Korrekturen rechnen müssen.