US-Techaktien stehen Korrekturen bevor

Auch für Apple & Co. wachsen die Bäume nicht in den Himmel: Sobald das Wachstum fehlt, werden die Techaktien abgestraft. Foto: Shutterstock

Ein Teil meines Depots besteht aus US-Techfirmen mit Google, Apple, Netflix, Amazon usw. Der fallende US Dollar frisst zusehends die Rendite auf. Ich spiele mit dem Gedanken, die Gewinne jetzt mitzunehmen. Ich habe mal gelesen, dass es keine gute Idee ist, langfristig Anlagen in Dollar zu halten. Was ist Ihre Meinung dazu? R.K.

Mit Ihren US-Techaktien tragen Sie ein doppeltes Risiko, verfügen aber auch über doppelte Chancen.

Die von Ihnen erwähnte Aussage, dass es keine gute Idee sei, langfristig Anlagen in Dollar zu halten, würde ich so nicht unterstützen. Wenn Sie etwa Aktien der Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway der US-Investorenlegende Warren Buffett in den letzten zwanzig oder dreissig Jahren gehalten hätten, wären Sie selbst unter Berücksichtigung der Dollarentwicklung mehr als nur happy. Das Gleiche können jene sagen, die seit zehn Jahren Aktien von Apple halten.

Wer in US-Wertpapiere investiert, muss sich zwei Überlegungen machen: Was erwarte ich von den Unternehmen, in die ich investiere, und was passiert beim Dollar? Die von Ihnen gehaltenen sogenannten Fang-Aktien, also die Techunternehmen Facebook, Amazon, Netflix und Google, sind massgeblich für die zahlreichen Rekorde an den US-Börsen mitverantwortlich.

Dass allerdings auch bei den Techstars die Bäume nicht ganz in den Himmel wachsen, zeigen die neusten Zahlen von Facebook. Zwar erreichte der Umsatz im letzten Quartal einen Höchstwert, und auch der Gewinn legte um rund ein Fünftel zu. Doch bei den wichtigen Nutzerzahlen hat Facebook enttäuscht. Da weist Facebook das schwächste Wachstum seit drei Jahren aus.

Das Beispiel Facebook zeigt die Problematik der Techtitel: Die Unternehmen florieren, aber die Erwartungen der Anleger sind extrem hoch – bisweilen wahrscheinlich übertrieben hoch. Gleichzeitig lassen sich die teuren Aktienkurse nur rechtfertigen, wenn die Techfirmen auch künftig ein hohes Wachstumstempo erreichen. Über kurz oder lang kann da die Rechnung nicht mehr aufgehen.

Sobald sich irgendwann abzeichnet, dass die hohen Wachstumsraten nicht mehr geschafft werden können, werden die Techaktien abgestraft, obwohl die Techriesen auch dann noch gute Ergebnisse erzielen.

Ich mache den Vergleich mit China: Das Reich der Mitte wächst nach wie vor noch stärker als die USA oder Europa. Dennoch waren viele Investoren enttäuscht, als sich nach dem langen Boom die Wachstumsraten etwas abschwächten. Wenn Top-Firmen wie Apple und die Google-Mutterfirma Alphabet zusammen eine höhere Börsenkapitalisierung erreichen als etwa alle im Deutschen Aktienindex enthaltenen Unternehmen wie Siemens, SAP, Bayer, BASF, Allianz oder BMW und Daimler zusammen, stellt sich für mich die Frage, wie rational die Bewertung von Apple und Google tatsächlich noch ist.

Meines Erachtens sind die Bewertungen der US-Techaktien zu hoch und eine heftige Korrektur nur eine Frage der Zeit.

Wesentlich komplexer stufe ich die Frage nach dem Dollar ein. Hier habe ich den Eindruck, dass die Märkte nach unten übertrieben haben. Dennoch gibt es durchaus ein wichtiges Argument, das für einen tendenziell schwachen Dollar spricht: Die Regierung Trump hat wenig Interesse an einer Erstarkung der US-Währung. Dank dem schwachen Dollar werden US-Produkte international konkurrenzfähiger. Das hilft dem US-Export und hält die amerikanische Wirtschaft auf Touren. Selbst wenn sich der Dollar etwas erholt, würde es mich erstaunen, wenn er in nächster Zeit über einen Franken steigen würde.

Für Gewinnmitnahmen bei Ihren Techaktien spricht aus meiner Sicht weniger der Dollar als vielmehr die irrational anmutenden Bewertungen der Techbörsenstars.

7 Kommentare zu «US-Techaktien stehen Korrekturen bevor»

  • Jacques sagt:

    „US-Techaktien stehen Korrekturen bevor“; Das war auch an der Zeit. Sie sind ja fast beängstigend hoch gestiegen …

  • Phyllis Goldmann sagt:

    allein schon aus etische und moralische gründen sollte niemanden aktien von facebook, amazon, google oder apple halten… die snb hält zb 52% der fb-aktien, das war ja eine schöne verlust dieser woche……der dollar wird seine stellung als leitwährung und petrolwährung verlieren, die künstlich durch sämtliche nationalbanken aufgeblasene aktienmarkt wird platzen, die börse statisch stagnieren, investiere in physisches gold, aber vorallem silber (zur zeit beide niederige kursen, mitte juni/juli hohe profitmarge) palladium.halten futuru´s in lithium, kupfer und allumium.

    • Thomas Hartl sagt:

      52% der Facebook-Aktien erscheinen mir unglaubwürdig. Das wären über 200 Mrd Dollar. Ein solches Klumpenrisiko würde die SNB nie eingehen. Ich schätzen diese Investition um den Faktor 100 kleiner.

      • Phyllis Goldmann sagt:

        @Harti, anstelle zu zweifeln an die richtigkeit meine aussage, schlage ich vor sie machen ihren hausaufgabe,mit behauptungen im raum stellen ernten sie nur misachtung und verdienen dabei keinen franken……

  • horst sagt:

    eigentlich sehe ich es wir meine Vorredner, mir sind die Notierungen und die Entwickung nicht geheuer und ich empfinde sie als falsch (kurzfristig). Wir waren ja schonmal an solchen Punkten. Diese Firmen bauen auf Hoffnung und bestimmen die Berichterstattung und der Erschaffung von immer neuen Trends – und plötzlich glaubt jeder an die „Digitalisierung“ als neuen Heilsbringern. Jede Technologie oder Entwicklug gehört gehört und begutachtet – aber eben nicht nur als reiner Selbstzweck oder als reines Marketing. Die Entwicklung muss sich am Ende rechnen.
    Was ich aber bei solchen Meldungen denke: immer das Gegenteil tun von dem, was solche „Experten“ schreiben: „bullish“ wenn der Experte „bearish“ tönt und eben „bearish“, wenn der Experte von grossen Chancen am Aktienmarkt schreibt

  • ROLAND BONT sagt:

    lange zeit historisch tiefe vola hat die anleger in einer wohlfühlblase schweben lassen. diese ist geplatzt. vola gehört zum markt. kaufen sie die nächsten 1-3 tage vor allem us-werte und japan-aktien. das steht in derkursstimmt auf.ch. vom grossen marktbild her stehen wir in der vertikalen abschlussphase des bullenmarktes, welcher am performanceträchtigsten ist. dieser erläuft rund 4-6 monate und hat anfang 2018 gestartet. sehr ausgeprägt ist der us-markt und japan. dies sind auch meien favoriten. europa leidet unter dem starken eur und bleibt wohl eher ein underperformer. goldminen im tiefschlaf, braucht zeit und geduld, aber auch diese werden später aufgewacht. nach dem ende eine aktienhausse folgte in der vergangenheit eine rohstoffhausse. und das steht uns jetzt bevor.

  • ROLAND BONT sagt:

    genau auch meine meinung. und weiter: vergessen sie die einlagensicherung, auch in der schweiz. wir sind keine geschützte insel, höchstens eine insel der gutgläubigen. gerade aktuell will die ezb still und heimlich die einlagensicherung von eur 100.000 in der eurozone stark z.l. dem bankkkunden abändern und die limite sogar aufheben. vielmehr will sie ein ablaufplan festlegen, wie bei einem bankrun vorgegangen werden soll. denken sie an zypern. die euro-banken sind auch heute nicht sicher. junk-kredite von 850 mrd. sind in schieflage. gelesen in derkursstimmt auf .ch. 2018 wird kritisch werden, wenn die zinsen stärker an- steigen. draghi ist der mann, der bishe.r den kollaps verschieben konnte

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