«Schrübeli-Bossard» verdient Respekt

Bossard AG in Zug: Ist auch Zulieferer von Tesla. Foto: Bruno Arnold

«Schrübeli-Bossard» – in hiesigen Investorenkreisen weiss jeder, wer gemeint ist. Die Bezeichnung ist nicht böse gemeint, sondern eher ein Kosename, zumindest in meiner Einschätzung. Denn Bossard erwirtschaftet zwar immer noch mehr als die Hälfte des Umsatzes mit solchen Befestigungselementen. Allerdings hat sich das Zuger Unternehmen längst vom reinen Schraubenhandel gelöst. Sonst wäre Bossard nicht Zulieferer des US-Elektroautoherstellers Tesla geworden. Bossard bringt sich früh in Entwicklungsprojekte ein und berät Kunden wie Tesla auch in Logistikfragen. In Start-ups wie Faraday und Lucid Motors sind die Zuger ebenfalls engagiert. Beide sollen voraussichtlich im kommenden Jahr mit der Produktion beginnen und laut Bossard-Chef David Dean «spürbar zum Umsatz beitragen». Gelegentliche Produktionsverzögerungen bei den Herstellern sind für mich kein Grund, nervös zu werden. Elektromobilität wird ein wesentlicher Umsatz- und Gewinntreiber von Bossard werden. An der Börse ist die Botschaft angekommen: Die Aktien haben dieses Jahr 65 Prozent gewonnen. Der Leistungsausweis des Managements in den vergangenen zehn Jahren stimmt mich zuversichtlich. Kaufen

Im Sommer ausgelastet

Vom Schrübeli zum Bähnli: Mir geht das zu schnell mit der Jungfraubahn, also mit den Aktien, nicht mit dem Bähnli. Seit ich vor einem Monat empfohlen habe, die Titel dosiert zu kaufen, sind sie 10 Prozent gestiegen, seit Jahresbeginn fast 30 Prozent. Zugegeben, mit den Halbjahreszahlen hat die Jungfraubahn die Erwartungen klar übertroffen. 2017 werden zum zweiten Mal nach 2015 mehr als eine Million Touristen das Jungfraujoch besucht haben. Viel besser kann es aber nicht mehr werden. Denn die Bahn stösst an Grenzen. Während der Sommermonate ist sie regelmässig ausgelastet. Ganz anders in der Wintersaison: Nur wenige Besucher verlieren sich dann auf der höchsten Bahnstation Europas. Und auch beim Wintergeschäft kann das grösste Skigebiet im Berner Oberland nicht überzeugen. Es ist defizitär, und die Zubringer erfordern eine dringende Erneuerung. Das soll das Millionenprojekt V-Bahn richten. Wegen Einsprachen hat sich das Projekt aber verzögert. Darum heisst es für mich: Abwarten

Attraktive Rendite

Eben hat Total für 238 Millionen Euro einen Anteil am Sonnen-, Wind- und Wasserkraftproduzenten Eren gekauft. Was will ein Öl- und Gasmulti mit erneuerbaren Energien? Ganz einfach: Der französische Konzern ist der Ansicht, dass es die Staatengemeinschaft nach dem Abschluss des Klimaschutzabkommens von Paris Ende 2015 ernst meint mit der Reduktion von CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas entstehen. Total hat deshalb «die Ambition, der verantwortungsvolle Energie-Supermulti zu werden», wie Unternehmenschef Patrick Pouyanné sagt. Er will, dass der Energieoutput des Multis bis 2035 zu 20 Prozent aus CO2-armen Produkten wie Strom aus Sonne und Wind besteht. Im Strombereich hat Total einen Batteriehersteller und einen Energieversorger erworben. An einem Hersteller von Solarpanels besitzt der Multi eine Beteiligung. Die Aktien sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 im Branchenvergleich günstig bewertet und werfen eine attraktive Dividendenrendite von 5,2 Prozent ab. Kaufen

Aufgehellte Perspektiven

Ende Juli sind die Papiere von Ypsomed an einem Tag fast 30 Prozent eingebrochen. Der Markt war geschockt, weil Ypsomed einen Vertriebsvertrag mit der US-Gesellschaft Insulet ab Mitte 2018 verliert. Damals empfahl ich Ihnen, die Titel zu meiden, die Risiken waren zu hoch. Die Aktien haben sich seitdem etwas erholt, und die Lage sieht nun anders aus; in den Markt für Insulinpumpen ist Bewegung gekommen. Konkurrentin und J&J-Tochter Animas will sich aus Nordamerika zurückziehen. Inwieweit Ypsomed nun dort den Markteintritt der eigenen Insulinpumpe Ypso-Pump – geplant 2020/21 – beschleunigen kann, muss sich zeigen. Zwar hat Animas den Patienten empfohlen, zu Medtronic zu wechseln, und Ypso-Pump ist noch nicht zugelassen. Doch die mittelfristigen Perspektiven haben sich aufgehellt. Derweil hat Ypsomed in Europa drei weitere Töchter gegründet, auch das deutet auf Potenzial. Das Ziel, ab dem Geschäftsjahr 2019/20 einen Betriebsgewinn von 100 Millionen Franken zu schreiben, bleibt in Reichweite. Risikofähige Anleger können einen Einstieg erwägen. Dosiert kaufen

Rücktritt eines Chefs

Glück und Leid liegen eng beisammen: In der Nacht auf Freitag hat Samsung Electronics vorläufige Bilanz für das abgelaufene Quartal gezogen. Die Südkoreaner, die mit ihren Fernsehern und Smartphones einem weiten Publikum bekannt sind, haben erneut ein Rekordergebnis erwirtschaftet. Doch zugleich reichte Kwon Oh-hyun, einer der drei Chefs von Samsung, seinen Rücktritt ein. Er sprach von einer «beispiellosen Krise», in der sich der Hightechkonzern befinde. Samsung ist tief verstrickt in den Bestechungsskandal um die ehemalige südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye. Ein weiterer Manager des Leitungstriumvirats sitzt gerade in Haft, Lee Jae-yong, Erbe der Samsung-Dynastie. Der zurückgetretene Hyun sagte weiter, die Erfolge jetzt basierten auf vergangenen Investitionen – und es müssten nun junge Manager ran. Samsung-Papiere haben dieses Jahr 50 Prozent an Wert gewonnen. Die Worte von Hyun lassen die Alarmglocken läuten. Es kann gut sein, dass sich die Entwicklungen an der Spitze künftig stärker in den Papieren niederschlagen, sollte die Führungskrise nicht schnell gelöst werden. Meiden

1 Kommentar zu ««Schrübeli-Bossard» verdient Respekt»

  • strickler claus sagt:

    gruezi martin spieler.
    ich habe anfangs jahr 2016 ROCHE aktien gekauft. diese sind 2016 leicht gestiegen. plötzlich im 2017 sind diese im wert gefallen und in den letzten tagen
    gings etwa 8% bergab. ich frage mich warum, denn trotz der generika hype hat doch ROCHE bis heute gute betriebskennzahlen und in der produkteliste einige interessante, zufunftsorientierte artikel in der pipeline. ist da etwas, was ich nicht erkennen kann. ? wie soll ich mich verhalten ? verkaufen, halten oder gar zukaufen. der wertverlust der AK ist für mich zweitrangig. ich halte die ROCHE AK wegen der dividende.
    danke für ein feedback. claus c. strickler

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