Die riskante Dominanz der Google-Mutter

Will auch im Geschäft mit Unternehmenskunden stark werden: Internetgigant Google. Foto: Getty Images

Will auch im Geschäft mit Unternehmenskunden stark werden: Internetgigant Google. Foto: Getty Images

Kein Tag ohne Internet, kein Tag ohne Google. Der Internetriese ist allgegenwärtig. Die Suchmaschine allein verarbeitet rund 60’000 Suchanfragen pro Sekunde, über 70’000 Youtube-Videos werden in dieser Zeit angeschaut. Sie führen zu unzähligen Klicks, an denen der Konzern verdient, hauptsächlich durch Werbeverlinkung. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Geht es nach dem Schweizer Google-Chefingenieur Urs Hölzle, wird der Internetgigant auch im Geschäft mit Unternehmenskunden mächtig zulegen, mit Angeboten aus der Datencloud, wie er im Gespräch mit der «Finanz und Wirtschaft» ausführte. Damit soll dereinst mehr Geld verdient werden als mit Werbung. Es gibt wenig Anlass, Hölzle nicht zu glauben. Google hat im Suchgeschäft wie in der Mobiltelefonie mit Android gezeigt, dass es Standards global durchsetzen kann. Wachstum und Profitabilität scheinen dem Mutterkonzern Alphabet dank Google also gesichert. Doch mit der Dominanz steigen die regulatorischen Risiken. Zuletzt verpasste die Europäische Union dem US-Konzern eine Busse in der Höhe von 2,4 Milliarden Euro wegen Wettbewerbsverletzung. Das schmerzt auch einen Megakonzern wie Alphabet. Es dürfte nicht der letzte Konflikt mit den Behörden gewesen sein. Abwarten

Zusatzinvestitionen von 700 Millionen Franken

Kommende Woche will Vifor Pharma ein Update zur Strategie abgeben. Das Potenzial des Spezialitäten-Pharma-Unternehmens ist kontrovers. Vor allem das Medikament Veltassa gegen zu viel Kalium im Blut wird kritisch beäugt. Es wurde 2016 durch die Akquisition der US-Biotech-Gesellschaft Relypsa für rund 1,5 Milliarden Dollar erworben und muss nun mit Zusatzinvestitionen von 700 Millionen Franken, verteilt über die nächsten drei Jahre, fit getrimmt werden. Das Geld für die Übernahme und fürs Marketing stammt zum Grossteil aus dem Verkauf der Apothekensparte Santé im April dieses Jahres. Einzelne Analysten bezweifeln, dass Veltassa das Geld wert ist. Dafür erwarten sie von den anderen Medikamenten, dem Eisenmangel-Präparat Ferinject und dem Phosphatbinder Velphoro, praktisch einstimmig starkes Wachstum. Das stützt das Gewinnwachstum. Die Titel sind daher trotz aller Bedenken zu Veltassa eine Wachstumsstory. Um davon als Aktionär zu profitieren, ist allerdings ein mittelfristiger Horizont notwendig. Dosiert kaufen

Backwerk passt zu Valora

Am Montag kündigte die Detailhandelsgruppe Valora an, für 190 Millionen Euro das bekannte deutsche Franchisenetzwerk Backwerk zu kaufen. In dessen über 340 Filialen werden Gebäck, Snacks, Salate, oder Kaffee verkauft. Die Übernahme macht Sinn, Backwerk passt zu Valora, und die wird das Filialnetz kräftig ausbauen. Die Börse hat den Deal bejubelt, nach Ankündigung haben die Aktien bis zu 14 Prozent zugelegt. Die Analysten begrüssen ihn, die Bank Vontobel hob das Kursziel für die Aktien von 330 auf 380 Franken an. So viel Überschwänglichkeit macht mich etwas vorsichtig. Zum Glück hat Valora mit Tobias Knechtle einen starken Finanzchef, der den vorwärtsdrängenden Unternehmenslenker Michael Mueller daran erinnern kann, dass Expansion auch finanziert werden muss. Knechtle hat eine Verschuldungsgrenze definiert: Die sehe ich auch als Ansage nach innen, an den Chef. Um vernünftig finanziert zu bleiben, greift Valora jetzt zur einer Kapitalerhöhung, die den Gewinn je Aktie verwässern wird. Bis zu dieser Transaktion lautet mein Rat: Abwarten

Überdurchschnittliches Risiko

Die hohen Bewertungen bleiben heisses Thema an den Aktienbörsen. Doch solange das Geld so billig ist und der Anlagenotstand anhält, schlägt sich das nicht im Verhalten der Kunden nieder. Ich kann aber nur warnen, irgendwann kann sich das rächen. Der Sanitärtechniker Geberit ist in dieser Hinsicht ein besonderer Problemfall. Denn keine Frage: Nach allen erdenklichen Qualitätskriterien liegt Geberit an der Spitze. Aber: Im historischen Vergleich sind die Aktien fast dreimal so hoch bewertet wir vor knapp zehn Jahren. Studien zeigen, dass die Bewertungen immer zu ihrem längerfristigen Durchschnitt zurückkehren, sei es von unten oder von oben. Die Frage ist nur wann, und wie deutlich die Bewertung vom Schnitt entfernt ist. Würden Geberit jetzt auf den Durchschnitt zurückfallen, wäre das fast eine Halbierung des Aktienkurses. So schlimm muss es nicht kommen, aber das Risiko ist überdurchschnittlich hoch. Mit den Halbjahreszahlen vor einem Monat konnte Geberit die Erwartungen nicht vollends erfüllen, prompt verloren die Aktien im Tagesverlauf bis zu 8 Prozent. Davon haben sie sich noch nicht erholt. Das ist eine Warnung. Meiden

Grösse ist Trumpf

Compagnie Financière Tradition ist ein Schweizer Unternehmen, das nur wenige auf dem Radar haben. Dabei ist CFT der weltweit drittgrösste Vermittler zwischen Käufern und Verkäufern von nicht börsengehandelten Finanzprodukten. Laut CFT-Chef Patrick Combes gehen jährlich Aktien, Anleihen, Währungen, Rohstoffe und strukturierte Produkte im Volumen zwischen 1 und 2 Billionen Franken über die CFT-Plattform. Das Geschäft ist den Marktvolatilitäten ausgesetzt und erzielt niedrige Margen. Grösse ist also Trumpf: Combes sieht die Branche in der «finalen Stufe der Konsolidierung» und will mitmischen. «Wir fokussieren auf Wachstum und Expansion.» Genügend flüssige Mittel sind für eine Einkaufstour vorhanden, dabei sollen die Aktionäre aber nicht zu kurz kommen. Die Titel von CFT sind mit einer Rendite von 5 Prozent eine der Dividendenperlen des Schweizer Marktes, und das soll laut Combes auch so bleiben. Kaufen

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