Nur begrenzter Schutz für Spargelder

Bankenzusammenbruch: 100'000 Franken Einlage pro Kunde sind geschützt. Foto: Key

Bankenzusammenbruch: 100’000 Franken Einlage pro Kunde sind geschützt. Foto: Key

Wir haben bei einer Bank drei Anlagekonten. Eines auf meine Frau, das zweite gemeinsam und noch ein drittes auf meinen Namen. Meine Frage: Sind alle mit je 100’000 Franken abgesichert? H. A. G.

Nein. Kommt es zu einem Bankenzusammenbruch, sind nur Einlagen von maximal 100’000 Franken pro Kunde geschützt. Der Einlagenschutz gilt somit nicht pro Konto, wie Sie wahrscheinlich annehmen. Sie und Ihre Frau geniessen einen Schutz von je 100’000 Franken. Geschützt wären für beide somit höchstens 200’000 Franken.

Anders wäre es, wenn eines der Konten ein Vorsorgekonto – etwa der 3. Säule – wäre. Hier kommen Sie zusätzlich zum üblichen gesetzlichen Einlagenschutz in den Genuss eines Konkursprivilegs im Fall einer Bankpleite. Dies bedeutet zwar keine absolute Garantie, dass Sie auch dieses Geld zurückbekommen. Das Konkursprivileg sorgt aber dafür, dass Sie grosse Chancen haben, wieder an Ihr Geld zu gelangen.

Allerdings ist auch da eine Grenze eingebaut: Das zusätzliche Konkursprivileg auf Vorsorgegelder bei Banken ist ebenfalls auf maximal 100’000 Franken je Kunde begrenzt. Ausserdem sollten Sie sich bewusst sein, dass es beim Einlagenschutz eine Systemobergrenze bei sechs Milliarden Franken gibt. Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, dass dies sehr viel Geld ist. Wenn Sie sich aber vor Augen halten, wie viel Einlagen in der Schweiz bestehen, relativiert sich diese Ziffer. Sollten in einer Finanzkrise nicht nur eine Bank, sondern gleich mehrere Institute in Schieflage geraten, würde die Systemobergrenze für den Einlagenschutz möglicherweise nicht ausreichen, um alle Forderungen zu decken.

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Horrorszenario in der Praxis eintrifft und gleich mehrere Banken in der Schweiz pleitegehen, ist gering. Dennoch kann selbst dieses Extremszenario nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Als Sparer haben Sie drei Möglichkeiten: Entweder Sie nehmen das Restrisiko bewusst in Kauf, oder aber Sie parkieren jeweils maximal nur 100’000 Franken an liquiden Mitteln pro Kunde bei einer einzelnen Bank. Sie müssten also auch bei der Bankbeziehung diversifizieren. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass Sie für die verbleibenden, nicht geschützten 100’000 Franken bei Ihrer bisherigen Bank Wertschriften wie Fonds, Aktien oder Obligationen kaufen. Dann sind Sie ebenfalls geschützt, da Wertschriften selbst bei einem Bankenzusammenbruch im Besitz der Kunden verbleiben. Allerdings tragen Sie dann das mit den Wertschriften verbundene Anlagerisiko.

Auch so müssten Sie mit einem Restrisiko leben oder eben: Diversifizieren Sie bei den Bankbeziehungen. Dann gehen Sie die wohl geringsten Risiken ein.

6 Kommentare zu «Nur begrenzter Schutz für Spargelder»

  • Emille Styvensandt sagt:

    Wer sein „Vermögen“ [Prinzipiell ist alles unter 9 Stellig Peanuts] bei einem „Bank“ unterbringt macht den Bock zum Gärtner. Offshore und in Holdings Much Better!!

  • Hans-Peter sagt:

    Kaum zu glauben auf was wir gebetsmühlenartig belehrt werden und eingetrichtert bekommen. Kaum mehr bleibt das „Fränkli“ AHV-BVG-Bankenguthaben-Wertpapiere; Alles wertlos wenn die Krise notabene der Krieg kommt? Meinen sie das? Haben wir so viel Angst vor der Krise und vor dem Krieg? Dann müssen wir was dagegen machen und nicht in ein kapitalistisches Dauer-Jammern verfallen. Ich bin es müde dauernd vorgerechnet zu bekommen was ich nicht haben werde. Wenn das Szenario dann nicht eintrifft ist`s ja gut und vergessen. Trift es aber ein! UBS… Dann hat MANN es uns ja schon immer gesagt. Wenn das der Fall ist müssen aber jetzt die Fäuste auf den Tisch von Links bis Rechts und Lösungen sind gefragt!

  • Stefan Meier sagt:

    Bei den Kantonalbanken z.B. ZKB ist doch das gesamte Sparguthaben unlimitiert durch Staatsgarantie geschützt, oder etwa nicht?

  • M. Vetterli sagt:

    Wenn Sie das erwähnte Restrisiko eingehen wollen müssen sie natürlich einen Aufpreis einfordern. Risiko muss belohnt werden. Um die Banken vermehrt dem Wettbewerb auszusetzen ist dieses Vorgehen der Geldgeber dringlich.
    Sie können natürlich auch bei einer Staatsbank ihre nichtprivilegierten Gelder platzieren.
    Das Verlustrisiko trägt nun die Allgemeinheit. Dies scheint mir allerdings keine heroische Anlagepolitik zu sein.
    Nachdem die implizite Staatsgarantie zu systemrelevanten Banken seit Bestehen der Möglichkeit einer Bail-in-Sanierung eigentlich aufgehoben ist, sollte auch die explizite Staatsgarantie zum Verschwinden gebracht werden.
    Die Haftung der Bürger für die Guthaben bei den staatl.Banken, über das vorhandene Eigenkapital hinaus, ist einfach nicht richtig und verzerrt den
    W.

    • Josef Marti sagt:

      Nicht nur Staatsgarantie sondern auch die Zentralbanken müssten abgeschafft werden wenn Sie wirklich Wettbewerb bei den Banken wollen, alles andere ändert nichts daran dass Banken nichts anderes als Monopolstatthalter sind die ihre EK Wunschrendite bequem einpreisen können. Nur kleine unbedeutende Banken werden vom Staat resp. Zentralbank im Notfall fallen gelassen.

      • M. Vetterli sagt:

        Das ges. Bail-in ist eine Realität. Gesetz wurde erstellt, damit der Staat bei straucheln von systemrelevanten Banken nicht mehr intervenieren muss. Nicht der Staat muss bei Schieflage einer tbtf-Bank nun einschreiten, sondern die Fremdkapitalgeber mit nichtprivilegierten Einlagen werden durch Wandlung von Teilen ihrer Einlagen in Aktien zu den neuen Eigentümern.

        Indem die (implizite) Staatsgarantie auf die neu risikotragenden Fremdkapitalgeber übertragen wurde könnte der Markt nun Spielen. Durch das Nichtwissen der Geldgeber mit Positionen über der 100’000-Marke können die Risikoprämien weiterhin eingespart werden. Kunden mit nichtprivilegierten Einlagen haben ein Anrecht auf diese Prämie. Die quasi Nichtkommunikation dieses Sachverhalts, an die betr. Bankkunden ist schwer verständl

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