Fussballaktien sind kein Volltreffer

Erfolgreich: Juventus Turin feiert im Mai 2017 seinen 33. italienischen Meistertitel. Foto: Valerio Pennicino/Getty Images

Erfolgreich: Juventus Turin feiert im Mai 2017 seinen 33. italienischen Meistertitel. Foto: Valerio Pennicino/Getty Images

Mein zwölfjähriger Sohn ist ein grosser Fussballfan. Jetzt hatte ich die Idee, ihm auf den Geburtstag ein paar Aktien von Fussballclubs zu schenken. So kann er auch Geld verdienen. Welche Titel empfehlen Sie zum Anlegen? S. O.

Ihre Idee wirkt auf den ersten Blick sympathisch und clever. Tatsächlich hat sich der Fussball auf internationaler Ebene längst zu einem Milliardengeschäft entwickelt, wie auch die enormen Gewinne zeigen, welche der Weltfussballverband (Fifa) erwirtschaftet. Auch auf dem Transfermarkt geht es oft um beträchtliche Millionensummen, und durch Sponsoren-, TV- und Merchandising-Einnahmen kommt in manchen Clubs einiges zusammen.

Da ist es naheliegend, dass man sich als Fussballfan etwas von diesem Millionensegen abschneiden möchte, indem man in Fussballaktien investiert. Ich bin sicher, dass sich Ihr Sohn freuen würde, wenn er mittels Aktien Mitbesitzer an einem seiner Lieblingsclubs würde. Doch vergessen Sie die Idee, dass Ihr Sohn mit Fussballaktien wirklich reich wird. In unguter Erinnerung haben einige Schweizer Fans die Aktien des Zürcher Grasshopper-Clubs, welche in der grossen Börseneuphorie im Jahr 2000 an die Schweizer Börse kamen, aber ein eigentlicher Flop waren und deshalb nur wenige Jahre später bereits wieder von der Börse verschwanden.

Wesentlich erfolgreicher sind allerdings einige internationale Clubs. In Deutschland können Sie beispielsweise die Aktien von Borussia Dortmund erwerben. In den letzten zwölf Monaten brachten es die Papiere auf ein eindrückliches Plus von über 50 Prozent und entwickelten sich somit besser als die meisten Schweizer Börsenschwergewichte. Das wäre durchaus ein Titel, den man ins Auge fassen könnte und der eine Chance verspricht, dass man damit auch künftig Geld verdient. Freude gemacht hat den Aktionären in den letzten zwölf Monaten auch die Aktie von Juventus Turin, die noch stärker zugelegt hat als Borussia Dortmund.

Wenn Ihr Sohn den italienischen Fussball liebt, wäre das eine Möglichkeit. Schöne Wertsteigerungen erlebt haben zeitweise auch verschiedene Fussballaktien aus der Türkei, doch diese erachte ich aufgrund der schwierigen Handelbarkeit und der politischen Lage in der Türkei nicht als sinnvoll.

Eher eine Überlegung wert wären stattdessen die Titel von Manchester United, falls Ihr Sohn einen Bezug zum britischen Fussball hat. Deren Titel werden seit rund fünf Jahren an der New Yorker Börse gehandelt. Lassen Sie sich von der kurzfristigen Entwicklung dieser Titel aber nicht blenden. Obwohl auch der Stoxx-Europe-Football-Index in den letzten zwölf Monaten einen zweistelligen Zuwachs verzeichnet, eignen sich meines Erachtens Fussballaktien nicht in erster Linie fürs Geldanlegen, da viele der Clubs längst nicht immer nach streng ökonomischen Grundsätzen geführt werden und zudem der sportliche Erfolg der einzelnen Clubs nur sehr schwer voraussehbar ist. Im Langzeitvergleich von 15 Jahren notiert der Stoxx-Europe-Football-Index gar über 30 Prozent im Minus.

Fussballaktien sind aus meiner Sicht Liebhaberwerte. Falls Sie möchten, dass Ihr Sohn auf längere Sicht Geld verdient, würde ich eher Anteile an einem breit diversifizierten Aktienfonds oder Indexfonds auf einen Aktienmarkt erwerben. Kaufen Sie Fussballaktien nicht mit dem Ziel, dass Ihr Sohn damit über die Jahre hinweg wirklich Geld verdient, sondern einzig mit dem Ziel, ihm damit eine Freude zu machen, und schreiben Sie den investierten Betrag gleich ab. Vielleicht verdient er dann mit den Papieren seines Lieblingsclubs im besten Fall doch noch etwas Geld. Doch selbst dann dürften es Buchgewinne bleiben. Denn die Aktien seines Lieblingsclubs dürfte ein echter Fussballfan kaum jemals wieder verkaufen.

1 Kommentar zu «Fussballaktien sind kein Volltreffer»

  • Josef Marti sagt:

    Grosse Profisportvereine bestehen personell praktisch ausschliesslich aus Spitzenboni Bezügern (Durchschnittssalär pro Nase > 1 Mio), wie soll da etwas für den Aktionär rausschauen?

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