Clariant-Deal: Skepsis ist angebracht

Die Konzern-Chefs verkünden die Fusion: Hariolf Kottmann (l.) vom Schweizer Pharmaunternehmen Clariant und Peter Huntsman, Präsident und CEO des US-Pharmariesen Huntsman. Foto: Arnd Wiegmann/Reuters

Die Konzern-Chefs verkünden die Fusion: Hariolf Kottmann (l.) vom Schweizer Pharmaunternehmen Clariant und Peter Huntsman, Präsident und CEO des US-Pharmariesen Huntsman. Foto: Arnd Wiegmann/Reuters

Clariant hat mich überrascht – weniger damit, dass der Spezialchemiekonzern den weiteren Weg nicht allein gehen will, als vielmehr mit der Wahl des Fusionspartners Huntsman. Die US-Gesellschaft ist keine Perle und hat nur wenige Überschneidungen mit Clariant. Offenbar standen aber beide unter Zugzwang: Die Chemie wird von einer Konsolidierungswelle überrollt, und am Wunsch Clariants, nicht übernommen zu werden, war so kaum mehr festzuhalten. Eine grössere Übernahme war zu teuer, und Clariant ist auch mit einem eigenen Börsenwert von fast 7 Milliarden Franken zu schwach auf der Brust für ein grosses Ding. So blieb nur eine Fusion – mit naturgemäss limitierter Auswahl. An der Börse überwiegt die Skepsis. Auch ich bin nicht frei davon. Das gesagt, meine ich aber: HuntsmanClariant verdient eine Chance. Huntsman habe Potenzial, sagt Clariant-Chef Hariolf Kottmann in der «Finanz und Wirtschaft». Weiter sagt er, die jährlichen Synergien von 400 Millionen Dollar seien als ein Mindestwert zu sehen. Zudem ist Huntsman in diversen Geschäften rückwärtsintegriert, was ebenso ein Vorteil sein kann wie Breite in den Aktivitäten – selbst wenn das an der Börse nicht gerne gesehen wird. Abwarten

356 Milliarden Franken verwaltete Vermögen

Die verwalteten Vermögen der Privatbank Julius Bär haben nach den ersten vier Monaten des Jahres ein neues Rekordniveau erreicht: 356  Milliarden Franken. Mit einem Plus von 20 Milliarden gegenüber dem Jahresende wurden die Markterwartungen übertroffen. ­Geholfen hat die positive Entwicklung an den Börsen, aber auch das Wachstum des Netto-Neugelds, das gemessen an den verwalteten Vermögen annualisiert 5 Prozent erreicht. ­Damit liegen die Bären in der Mitte ihres selbst gesteckten Zielbereichs. Dieses Wachstum ist das Ergebnis der Strategie, im grossen Stil neue Kundenberater einzustellen. Inklusive Übernahmen erhöhte sich die Anzahl der Berater im ­vergangenen Jahr um 166. Auch dieses Jahr sollen 80 neue Kundenberater rekrutiert werden. Im Moment drücken die dadurch verursachten höheren Kosten noch etwas auf die Marge. Dieser Effekt dürfte aber nachlassen, wenn im Jahresverlauf weitere Gelder zur Bank fliessen. Die Valoren bieten ein Privatbankenengagement mit Wachstumspotenzial. Die Bewertung der Titel ist indes günstiger als diejenige der Konkurrentin Vontobel. Kaufen

Swantee will Schulden zurückzahlen

Sunrise, die ewige Nummer zwei im Schweizer Telecommarkt, lässt Worten Taten folgen und verkauft ihre 2239 Funkmasten an ein Konsortium. Dafür erhält sie 500 Millionen Franken bar auf die Hand. Sunrise veräussert dabei allerdings nur die Stahl- und Betonstruktur der Masten, die Antennentechnik für den Mobilfunk behält das Unternehmen. Mit dem Geld will der seit einem Jahr amtierende Chef Olaf Swantee vor allem Schulden zurückzahlen. Das verkürzt die Bilanz und verbessert die Bonität. Kurz: Sunrise steht danach finanziell solider da und will deshalb die Dividende um rund ein Fünftel auf 3.90 bis 4.10 Franken erhöhen. Das ergibt zu aktuellen Kursen eine Rendite von fast 5 Prozent, notabene steuerfrei. In einer Welt rekordtiefer Zinsen ist das sehr attraktiv, zumal die Aktien der Schweizer Telecom-Player Sunrise und Swisscom als eine Art Obligationen-Ersatz gelten. Weil der Schweizer Telecommarkt gesättigt ist, ist das Wachstum begrenzt – Kurssprünge in den Aktien sind daher nicht zu erwarten. Dennoch bergen für mich die Titel der Nummer zwei immer noch mehr Kurspotenzial als jene der ewigen Nummer eins. Ich ziehe sie deshalb vor. Dosiert Kaufen

In die Lücke stossen

Der Burgdorfer Medizinaltechniker Ypsomed, bekannt für seine Insulinstifte und -pumpen, will in den nächsten Jahren die Gunst der Stunde nutzen. Wichtige Wettbewerber wie Roche und Animas ziehen sich offenbar zurück – aus Märkten wie den Niederlanden, Tschechien oder den nordischen Ländern in Skandinavien. In diese Lücke will Ypsomed nun vorstossen und deutlich mehr Geld für die Markteroberung ausgeben als bisher geplant. Gleich in zehn weiteren Ländern ist im laufenden Geschäftsjahr, das im März 2018 endet, eine beschleunigte Markteinführung der Insulinpumpe YpsoPump geplant. Das geht freilich zulasten der Profitabilität. Wie das Management diese Woche mitteilte, werde der Betriebsgewinn im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 per Ende März wohl – wenn überhaupt – nur wenig steigen. Anleger reagierten diese Woche enttäuscht. Allein am Mittwoch verloren die Aktien 10 Prozent, und die Tendenz zur Kurserholung am Freitag war schwach. Die Investoren gingen bisher von einem kontinuierlichen Wachstum der Gewinne aus. Auf etwas längere Sicht ist dies allerdings noch immer möglich, vor allem, wenn Ypsomed in drei, vier Jahren auch erhebliche Marktanteile gewonnen haben sollte. Aber derzeit sind die Titel einfach zu hoch bewertet. Meiden