Wie viel Geld brauchen wir für den Hauskauf?

Hauskauf: Träume sind schön, aber ohne Ersparnisse und genaue Kalkulation gehts nicht. Foto: Getty

Hauskauf: Träume sind schön, aber ohne Ersparnisse und genaue Kalkulation gehts nicht. Foto: Getty

Wir sind frisch verheiratet und planen eine Familie. Für diese möchten wir ein Zuhause erwerben und haben schon etwas dafür gespart. Wie viel eigenes Geld müssen wir bereithalten, damit uns die Bank einen Kredit gibt? S.B.

Damit Sie sich ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung kaufen können, benötigen Sie ein Fünftel Eigenkapital. Die Hälfte davon sollte aus Ihren freien Ersparnissen bestehen. Zusätzlich können Sie Geld aus Ihrer Pensionskasse beziehen oder das Pensionskassenkapital verpfänden. Allerdings müssen Sie insbesondere bei einem Vorbezug von Pensionskassengeld beachten, dass Ihnen dieses Geld später bei der Altersvorsorge fehlt. Darum sollten Sie jetzt schon einplanen, dass Sie das vorbezogene Geld später wieder einzahlen.

Als Eigenkapital angerechnet werden auch ein Erbvorbezug oder eine Schenkung – zum Beispiel von Ihren Eltern oder Schwiegereltern. Nicht zum Eigenkapital gezählt werden hingegen Darlehen von Eltern, die Sie zurückzahlen müssen. Denn damit wird ja einfach Ihre Schuld höher.

Neben dem benötigten Eigenkapital im Umfang von 20 Prozent müssen Sie in der Lage sein, eine allfällig gesprochene Hypothek auch wirklich tragen zu können. In der Finanzbranche spricht man dabei von der Tragbarkeit der Hypothek. Nicht nur beim Eigenkapital, auch bei der Tragbarkeit sind die Vorschriften in den letzten Jahren strenger geworden, was es oft jungen Familien wie Ihnen erschwert oder sogar verunmöglicht, Eigentum zu erwerben.

Konkret sollten die Ausgaben für das Haus, inklusive Nebenkosten und Amortisationen, ein Drittel Ihres Einkommens brutto nicht übersteigen. Leider dürfen Sie dabei nicht mit den aktuell nach wie vor sehr tiefen Hypothekarzinsen rechnen. Weil die Hyposätze später auch wieder ansteigen können, müssen Sie bei Ihrer Berechnung der Hauskosten einen kalkulatorischen Zinssatz von 5 Prozent auf der Hypothek einsetzen.

Das macht sehr viel aus: Bei einer Hypothek von 500’000 Franken kostet sie die Hypothek bei 1 Prozent nur 5000 Franken pro Jahr, bei 5 Prozent indes 25’000 Franken. Zusätzlich müssen Sie Nebenkosten von 1 Prozent budgetieren sowie eine mögliche Amortisation einer allfälligen zweiten Hypothek mitberücksichtigen. Damit wird der Haus- oder Wohnungskauf schon weit teurer, als er angesichts der aktuellen Marktzinsen derzeit erscheint.

Weiter einplanen sollten Sie, dass das Familieneinkommen in der Regel abnimmt, wenn Sie Kinder haben. Zum Beispiel weil die Frau eine Babypause macht oder einer der Partner oder beide zur Betreuung der Kinder ihr Arbeitspensum reduzieren. Gleichzeitig steigen aber im Zuge der Familienerweiterung die Fixkosten. Um abschätzen zu können, ob für Sie ein Hauskauf realistisch ist, sollten Sie ein Budget aufstellen. Zusätzlich zu den erwähnten Haus- und Zinskosten sollten Sie alle Ihre Fixkosten auflisten. Dazu zählen neben dem üblichen Lebensunterhalt auch allfällige Alimente sowie Autokosten und Reserven für Unvorhergesehenes.

Einen Haus- oder Wohnungserwerb würde ich nur dann in Erwägung ziehen, wenn Sie die damit entstehenden Kosten nicht zu stark belasten oder Ihnen sogar schlaflose Nächte bescheren und Ihnen auch noch freie Mittel bleiben, um Ferien oder andere Freizeitbeschäftigungen zu bezahlen. Wenn Sie zu eng budgetieren, rächt sich dies früher oder später. Auch wenn der Traum vom eigenen Haus gross ist, darf die finanzielle Belastung dafür nie Ihre Lebensqualität eintrüben.