Drei Prozent Zins gibts nicht gratis

Gategroup: Punkto Sicherheit nicht erste Wahl.

Gategroup: Hoher Zins, aber punkto Sicherheit nicht erste Wahl.

Ich bin ein konservativer Anleger und habe BVG und Säulen 3a in Fonds und ETFs angelegt. Aufgrund der hohen liquiden Mittel empfiehlt mein Bankberater den Kauf der Anleihe 3% Gategroup  28.2.2022 sowie eine Obligation der Glarner Kantonalbank. Was ist Ihre Meinung zu diesem Vorschlag? R. Z.

Wenn Sie in einer Anleihe der Gategroup investieren, sollten Sie sich bewusst sein, dass der Airline-Caterer von der chinesischen HNA-Gruppe übernommen wurde. Deshalb werden die Aktien der Gategroup künftig nicht mehr an der Schweizer Börse gehandelt. Nichtsdestotrotz hat die Gategroup mit der Ihnen von Ihrer Bank vorgeschlagenen Anleihe am Schweizer Kapitalmarkt 300 Millionen Franken mit einer Laufzeit bis ins Jahr 2022 zu einem Zinssatz von 3 Prozent aufgenommen. Damit soll unter anderem die Übernahme von Servair bezahlt werden.

Die Liberierung erfolgte per Ende Februar. Da die Nachfrage nach der Anleihe hoch war, wurde diese um zusätzliche 50 Millionen Franken aufgestockt. Dies hat mit dem erfreulichen Zins zu tun: 3 Prozent ist angesichts der weit tieferen Zinssätze von anderen Frankenobligationen recht hoch.

Gratis gibts diesen erhöhten Zins allerdings nicht: Punkto Sicherheit ist Gategroup nicht erste Wahl. Die Ratingagentur Moody’s stuft die Bonität des Flugzeuge-Caterers mit lediglich B1 ein, und Standard & Poor’s gibt ein Rating von B+. Die Bâloise, deren Anleihe Sie abstossen, hat immerhin ein S&P-Rating von A/stabil. Sie gehen mit der Gategroup-Obligation somit ein erhöhtes Risiko ein.

Deutlich sicherer als Gategroup ist die Glarner Kantonalbank, welche Ihnen ebenfalls von Ihrer Bank zum Kauf empfohlen wird. Diese wird von S&P und Moody’s zwar nicht eingestuft. Das Kreditresearch der Zürcher Kantonalbank wertet die Glarner Kantonalbank aber immerhin mit einem sehr guten AA+/stabil-Rating. Das Institut mit einer soliden operativen Basis gehört zu fast 70 Prozent dem Kanton Glarus, fokussiert sich auf die Geschäfte im Kanton und verfolgt eine konservative Risikopolitik.

Wenn Sie eine Anleihe der Glarner Kantonalbank erwerben, sind die Risiken, die Sie damit eingehen, gering, dafür ist der Zins, den Sie für Ihr Kapital bekommen, ebenfalls bescheiden und deutlich kleiner als jener bei Gategroup. Sie müssen sich selbst überlegen, ob Sie das erhöhte Risiko bei Gategroup tragen möchten und können. Abhängig ist dies von Ihrem übrigen Depot und der darin vorgenommenen Diversifikation. Wenn Sie Wert auf höchste Sicherheit legen, würde ich nicht in Gategroup investieren.

 

1 Kommentar zu «Drei Prozent Zins gibts nicht gratis»

  • Nick Schaefer sagt:

    Der Bkerater produziert ziemlichen Salat.
    Was üblich ist.
    .
    Spieler hat Recht mit den Einzelaussagen.
    Es fehlt die Portfoliosicht.
    Erinnern wir uns: „The only free lunch is diversification.“
    (Bis auf Transaktionsgebühren. Und aufgepasst vor falscher Diversifikation, Casino und Schnellboote gehören nicht ins Portfolio.)
    .
    IMHO die nächste Frage an den Bankberater wäre, ein Portfolio aus B und BB-Anleihen in CHF zusammenzustellen. Was leider schwerfällt, ist der CH Markt dafür doch eher klein. Und die Courtagen für Anleihen meist happig.
    .
    Doch es gibt mittlerweile Online-Banken welche auch Anleihen im Sortiment haben, und dies bei tiefen Gebühren.
    .
    Womit es mit einem risikooptimierten High-Yield Portfolio doch noch klappen könnte. Wo der einzelne Ausfall wenig tragisch ist.

Antwort auf Nick Schaefer Antwort abbrechen

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.