Bank kündigt Rentnern die Hypothek

Die Bank will, dass Renter ihre Hypothek mehr amortisieren. Aber woher das Geld nehmen? Foto: Getty Images

Die Bank will, dass Rentner ihre Hypothek mehr amortisieren. Aber woher das Geld nehmen? Foto: Getty Images

Meine Frau und ich besitzen seit über 25 Jahren ein kleines Einfamilienhaus. Jetzt, da wir pensioniert sind, kommt plötzlich die Bank und will, dass wir mehr amortisieren. Das ist doch unfair. Wir haben nicht viel Geld. Warum macht die Bank das? B. H.

Ich verstehe, dass Sie sich über Ihre Bank ärgern. Da bezahlt man während Jahren brav den Hypozins, und ausgerechnet nach der Pensionierung, wenn die Einkünfte abgenommen haben, klopft die Bank an und will eine Teilrückzahlung der Hypothek. Leider geht es nicht nur Ihnen, sondern vielen Rentnerinnen und Rentnern oder Leuten, die kurz vor der Pensionierung stehen, derzeit so.

Persönlich finde ich dieses Vorgehen der Banken störend und nicht gerade vertrauensfördernd. Allerdings hat das Verhalten einen regulatorischen Hintergrund. Die Banken sind heute aufgrund der verschärften Regulation gezwungen, die Tragbarkeit von Hypotheken strenger zu prüfen. Das trifft besonders Pensionierte. Weil sie nach der Pensionierung weniger Einkommen haben als während des Erwerbslebens, stufen die Banken die Tragbarkeit einer Hypothek oft nicht mehr als genügend ein. Darum rate ich, Hypotheken in Hinblick auf das Alter möglichst zu reduzieren oder sogar wenn möglich ganz abzubauen.

Generell gilt heute die Faustregel: Die Kosten für die Hypothek und das Einfamilienhaus oder die Eigentumswohnung dürfen nicht mehr als ein Drittel Ihrer regelmässigen Einkünfte aus der AHV, PK-Rente usw. betragen. Nur dann stufen die Banken die Hypothek als genügend tragbar ein. Doch Vorsicht: Die Banken verwenden für ihre Berechnung nicht etwa die aktuell rekordtiefen Hypozinsen, sondern theoretische Zinsen von fünf Prozent plus Nebenkosten – also sechs Prozent. Dabei beziehen sie sich auf die Richtlinien der Bankiervereinigung.

Das führt zum Widerspruch, dass jemand real die Hypothek problemlos bezahlen könnte, die Tragbarkeit von der Bank aber negativ eingestuft wird. Dahinter steht auch der enorme Druck der Schweizerischen Nationalbank auf die Banken, bei der Hypothekenvergabe vorsichtiger zu sein. Damit will die SNB einen weiteren Anstieg der Immobilienpreise und einen Immobiliencrash sowie hohe Kreditausfälle bei den Banken verhindern. Das klingt zwar löblich, ist aber widersprüchlich: denn ausgerechnet die Nationalbank ist es, welche mit ihren Tiefzinsen und Negativzinsen die Basis dafür schafft, dass Immobilien weiterhin attraktiv sind und die Preise darum weiter ansteigen werden.

Kaum Rendite auf dem Geld

2010 habe ich Anteile vom ZKB-Fonds Zinsertrag Nachhaltig (Valoren 3’929’945) gekauft. In letzter Zeit dümpelt dieser Fonds pro Anteil bei 950 Franken herum. Ertragsausschüttungen und Börsenverlust halten sich etwa die Waage. Wird sich dieser Fonds erholen, oder ist trotz der positiven Ausschüttung ein Verkauf ratsam? K. R.

Die Kursentwicklung Ihres Fonds ist tatsächlich nicht berauschend. Das hat in erster Linie aber damit zu tun, dass der Fonds in Anleihen von erstklassigen Schuldnern investiert. Diese müssen die vom Fondsmanagement definierten Kriterien für eine nachhaltige Unternehmensführung erfüllen. Zusätzlich zur Nachhaltigkeit müssen die Schuldner also ein gutes Kreditrating aufweisen.

Etwas mehr als ein Fünftel der im Fonds enthaltenen Schuldner verfügt über ein sehr gutes AAA-Rating, 30 Prozent ein AA-Rating, 22 Prozent ein A-Rating und 26 Prozent ein immer noch genügendes BBB-Rating. Zu den grössten Positionen des Fonds zählen Anleihen der Stadt Zürich, der Stadt Bern, des Kantons Freiburg oder der Allianz. Das Ausfallrisiko bei Schuldnern im A-Rating-Bereich ist sehr gering. Doch das hat seinen Preis. In Zeiten rekordtiefer Zinsen, wie wir sie derzeit erleben, erhält man auf Obligationen von erstklassigen Schuldnern, wie sie in Ihrem Nachhaltigkeitsfonds enthalten sind, kaum noch Zins.

Zum Vergleich: Die Rendite der Bundesobligationen mit 10 Jahren Laufzeit bewegt sich gar im Minusbereich. Die tiefen Zinsen haben zur Folge, dass Sie auch in Zukunft von Ihrem Fonds keine starke Erholung und auch keine deutlich höhere Rendite erwarten dürfen. Sie müssen sich fragen, ob Sie Abstriche bei der Sicherheit machen möchten. Dann könnten Sie in einen Nachhaltigkeitsfonds mit einem Aktienanteil wechseln, der mehr Rendite verspricht.

Wenn Ihnen aber neben der Nachhaltigkeit auch die sehr hohe Schuldnerqualität wichtig ist, müssen Sie sich wohl noch einige Zeit mit geringen Renditen zufriedengeben. Solange Sie mit der Ausschüttung aus dem Fonds noch mehr lösen, als Sie auf dem Sparkonto an Zins erhalten, würde ich den Fonds behalten. Wenn dies nach Gebühren aber nicht der Fall ist, können Sie das Geld ebenso gut einfach auf Ihr Sparkonto legen. Bei der ZKB kommen Sie in den Genuss einer Staatsgarantie. Ihr Geld ist somit sehr sicher parkiert.

Kein Grund, das Geld in Deutschland zu parkieren

Wir haben schon längere Zeit Euros in Deutschland bei der Commerzbank platziert. Es sind dies: A116S6 / LU 1079726920 Kons. AEO (rund 43’000 Euro) und A0M 16S / LU0321021155 Balance AEO (rund 45’000 Euro). Das Geld wurde in der Schweiz immer versteuert. Wie beurteilen Sie die Commerzbank und die beiden Anlagen? Sollten wir das Geld lieber in die Schweiz transferieren? L. R.

Die beiden Fonds, welche Sie bei der Commerzbank in Deutschland im Depot haben, sind zwei Portfoliofonds, die von einer Tochter der Allianz Asset Management verwaltet werden. Es sind klassische Mischfonds, welche das Kapital breit diversifiziert in die verschiedenen Anlageklassen investieren.

Negativ aufgefallen sind mir bei diesen Finanzvehikeln vor allem die Kosten. Unter der Kostenkennziffer Total Expense Ratio TER weisen die beiden Fonds hohe Gebühren von rund 2 Prozent und 2,5 Prozent aus. Im Klartext: Ihr Fonds muss mindestens schon zwei Prozent Rendite erwirtschaften, damit Sie mit dieser Anlage, abgesehen von den Ausschüttungen, nicht Geld verlieren. Das ist mit konservativen Anlagen im derzeitigen Tiefzinsumfeld gar nicht so einfach.

Aus meiner Sicht sind diese Fonds teuer, und ich persönlich würde auf weit günstigere, passiv verwaltete Exchange Traded Funds umsteigen, die je nach Art weniger als die Hälfte der Gebühren verlangen. In eine andere Richtung als das reine Anlagerisiko zielt Ihre Frage betreffend der Zukunft und Sicherheit der Commerzbank, welche schon seit einiger Zeit immer wieder für negative Schlagzeilen sorgt.

Grundsätzlich gilt, dass Bankeinlagen innerhalb der Europäischen Union bis zu 100’000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich geschützt sind. Dazu kommt, dass Ihre Einlagen nicht auf dem Sparkonto der Bank liegen, sondern in Fonds angelegt sind. Wertpapiere bleiben bei einem Bankkonkurs im Besitz der Kunden. Ihr Geld wäre selbst bei einem Bankenzusammenbruch somit nicht gefährdet.

Ich verstehe dennoch Ihre Verunsicherung. Denn die Commerzbank geht wie auch die Deutsche Bank durch eine gewaltige Umstrukturierung. Das Institut unterzieht sich einer rigorosen Schrumpfkur und hatte bekannt gegeben, 9600 seiner 45’000 Vollzeitstellen bis 2020 zu streichen. Immerhin sollen gleichzeitig 2300 neue Jobs in anderen Bereichen der Bank geschaffen werden. Angesichts des massiven Umbruchs in der Branche würde es mich auch nicht überraschen, wenn sich die Commerzbank dereinst mit einer Konkurrentin aus Europa zusammenschliessen würde.

Wie viele andere Banken in Europa auch leidet die Commerzbank unter den aktuellen Tiefzinsen, den stark gestiegenen regulatorischen Anforderungen sowie der Zurückhaltung der Kunden. Damit konfrontiert sind auch die Schweizer Banken. Gesamthaft präsentieren sich diese aber weit robuster als die grossen deutschen Institute. Einen offensichtlichen Pluspunkt, das Geld in Deutschland zu lassen, sehe ich nicht. Vor diesem Hintergrund würde ich das Geld in die Schweiz transferieren und es einem soliden Schweizer Institut anvertrauen. Da Sie das Geld versteuert haben, sind auch die Steuern kein Hinderungsgrund.