Schweizer Firmen stehen auf der Übernahmeliste

Könnte gemäss Goldman Sachs übernommen werden: Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli. Martin Rütschi/Keystone

 

Wenn ein Unternehmen ein anderes übernehmen oder sich selber verkaufen will, zieht es nicht selten Goldman Sachs hinzu. Nun legen die Aktienstrategen der wohl mächtigsten Investmentbank der Welt eine überarbeitete Version einer mehr als hundert Firmen­namen umfassenden Liste wahr­schein­licher Übernahmeziele in Europa vor. Den Sprung auf die Liste schafft erstmals auch die Basler Clariant. Allerdings ist der Spezialitätenchemiehersteller nicht der einzige Vertreter aus der Schweiz: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 bis 50 Prozent ­sehen die Experten Lindt & Sprüngli in die Hände eines finanzkräftigen Käufers fallen, mit einer Wahrscheinlichkeit von immerhin noch 15 bis 30 Prozent auch Temenos, Sunrise Communications, Sonova, DKSH, Panalpina und Bâloise. Die meisten dieser Unternehmen stehen bei Goldman Sachs übrigens schon eine ganze Weile auf der Liste. Das zeigt wiederum: Aktionäre warten manchmal Jahre, manchmal sogar vergeblich auf ein lukratives Übernahmean­gebot. Aktie von ­Sunrise, DKSH und Bâloise auch ohne Übernahmefantasien attraktiv

Schlüsselmarkt USA

Über Wochen hinweg wurde bei Temenos auf einen Grossauftrag aus den USA spekuliert. Den Stein ins Rollen brachte ursprünglich der Leiter der Aktienanalyse bei der Bank Vontobel, indem er in einer Unternehmensstudie entsprechende Andeutungen machte. Am frühen Mittwochmorgen bestätigten sich diese Spekula­tionen nun: Die amerikanische Commerce Bank hat sich für die Kernbankenlösung der Bankensoftwareschmiede aus Genf entschieden. Bei Temenos wird die hohe strategische Bedeutung des Auftrags unterstrichen und auf die eigenen Ambitionen im Schlüsselmarkt USA verwiesen. Weitere Grossaufträge könnten folgen. Für ein neues Rekordhoch reichte es der Aktie dennoch nicht. Gewinnmitnahmen vereitelten ein solches. In Anbetracht der stolzen Bewertung kann man den Anlegern ihre Verkaufsbereitschaft nicht übel nehmen. Erste Gewinne mitnehmen

Eine Trumpfkarte im Ärmel

Schon seit Tagen liefern sich Haussiers und Baissiers in der ABB-­Aktie einen erbitterten Schlag­abtausch. Für Wasser auf die Mühlen der Haussiers sorgt Morgan Stanley. Der für die amerikanische Investmentbank tätige Analyst empfiehlt die Aktie seit Montag mit einem Kursziel von 24.20 Franken zum Kauf. Dem hält sein Berufskollege von Jefferies seit Dienstag mit einem Kursziel von gerade mal 18 Franken entgegen und spricht damit den Baissiers aus der Seele. Beide Lager führen einleuchtende Argumente ins Feld. Mit dem Nachholbedarf an Investitionen ins Stromnetz haben die Haussiers jedoch noch eine Trumpfkarte im Ärmel. Aktie in Schwächen kaufen

Belebung des Geschäfts

Kurz vor dem Wochenende konnte sich die Aktie von AMS zum ­ersten Mal seit Tagen wieder in Szene setzen. Für die nötigen ­Kursimpulse sorgte Jabil Circuit. Ebenfalls ein Zulieferer des Kultunternehmens Apple, legte das amerikanische Halbleiterunternehmen auf Freitag einen über den Analystenerwartungen liegenden Zahlenkranz vor. Noch muss sich allerdings zeigen, ob auch AMS im Weihnachtsquartal überzeugen konnte. Dass sich ein Geschäftsleitungsmitglied nur wenige Wochen vor Quartalsende von eigenen Aktien im Gegenwert von 3 Millionen Franken trennte, zeugt jedenfalls nicht gerade von Zuversicht. Das überrascht, gibt es doch schon seit Wochen Anhaltspunkte für eine Belebung bei der Geschäftsentwicklung des Sensorenher­stellers. Mutige kaufen bei unter 30 Franken

Substanzinvestor mit guter Nase

Wer Mitte Februar gegen den Strom schwamm und bei LafargeHolcim einstieg, wurde fürstlich für seinen Mut belohnt. Knapp 60 Prozent trennen die Aktie des Ostschweizer Zementkonzerns mittlerweile von ihren Mehrjahrestiefst­kursen von damals. Eine gute Nase bewies seinerzeit der bekannte Substanzinvestor Harris Associates. Während des Stimmungstiefs verdoppelte er sein Aktien­paket auf 6,4 Prozent. Seit August bewegt sich der amerikanische Vermögensverwalter wieder unter dem meldepflichtigen Schwellenwert von 5 Prozent. Aufhorchen lässt nun eine Unternehmensstudie aus dem Hause Merrill Lynch. Darin begründet der Autor die Abkehr von der bisherigen Kaufempfehlung damit, dass sich ein Grossaktionär bei LafargeHolcim zurückziehen könnte. Das rückt nun Harris Associates ins Scheinwerferlicht, wird der Substanzinvestor gerüchteweise doch in Verbindung mit einer Beteiligungsreduktion gebracht. Aktie weiterhin meiden

Absicherung von Eurobeständen

Am Donnerstagmorgen lud die Schweizerische Nationalbank (SNB) zur letzten geldpolitischen Lagebeurteilung in diesem Jahr nach Bern. Dort liess sie die Medienvertreter wissen, dass sie ihre Geldpolitik an einem breiten Währungsuniversum und nicht nur am Euro ausrichte. Prompt liess diese Aussage den Kurs der europäischen Einheitswährung zum Franken in die Nähe der bisherigen Dezembertiefststände abtauchen. Auf­fällig ist hier: Immer mehr Banken raten ihrer Kundschaft zur Ab­sicherung von Eurobeständen. Obwohl eine solche teuer ist, ist im Hinblick auf die in Frankreich oder den Niederlanden anstehenden Wahlen durchaus Vorsicht angebracht und eine rasche Beruhigung an den Devisenmärkten wie nach dem Brexit oder dem Verfassungsreferendum in Italien keine Selbstverständlichkeit. Eurobestände absichern