Hohe Liquidität ist ein Vorteil

Swatch Group: Die Namenaktien gelten als weniger liquid. Foto: Getty

Swatch Group: Die Namenaktien gelten als weniger liquid. Foto: Getty

Ich interessiere mich für die Aktien der Swatch Group. Was ziehen Sie persönlich vor: Namen- oder Inhaberaktien? D.L.

Nicht nur bei der Swatch Group gibt es zwei Arten von Aktien. Die Namenaktien lauten auf den Namen des Eigentümers. Bei Inhaberaktien hingegen ist der Inhaber der Aktie nicht bekannt. Trotzdem kann er seine Rechte geltend machen. Bei Inhaberaktien ist dem Unternehmen also nicht bekannt, wer seine Aktien besitzt. Die Bank hingegen kennt den Inhaber und kann für ihn die Dividende entgegennehmen, ebenso die Berechtigung für die GV. Sie bleiben als Aktionär somit anonym.

Als Besitzer von Namenaktien werden Sie indes im Aktienregister der Firma eingetragen. Die Gesellschaft weiss, wer wie viel Aktien besitzt. Je nach Unternehmen bestehen auch vinkulierte Namenaktien, mit denen der Verkauf und der Eintrag ins Aktienregister eingeschränkt werden kann. So können sich Firmen gegen unerwünschte Übernahmen schützen. Gemäss neuem Gesetz müssen Käufer von Inhaberaktien dem Unternehmen innert Monatsfrist Name und Adresse melden. Für börsenkotierte Gesellschaften gilt dieses Gesetz, welches seit einem Jahr in Kraft ist, aber nicht. Hier gelten die Meldepflichten gemäss Börsengesetz.

Die Swatch Group zählt zu den Schweizer Börsenfirmen, die ebenfalls zwei Aktienkategorien führen. Gemäss dem höheren Nominalwert der Inhaberaktie müsste die Namenaktie mit tieferem Nominalwert im Verhältnis weniger kosten. Nicht selten werden Inhaberpapiere aber mit einem Aufschlag gehandelt. Die Inhaberaktien der Swatch Group sind im Swiss Market Index enthalten. Die Namenaktien gelten indes als weniger liquid. Viele Pensionskassen oder Versicherungen dürfen gemäss ihren Reglementen nur in Titel investieren, welche in einem Index enthalten sind. Davon profitiert der Inhabertitel. Dafür geraten diese Papiere auch schneller und stärker unter Druck, wenn sich die Anleger von einer Aktie trennen.

Derzeit ist es so, dass sich die Inhaberaktie der Swatch Group wieder etwas besser entwickelt als die Namentitel. Das kann aber wieder auseinandergehen. Wegen der höheren Liquidität würde ich die Inhaberpapiere der Swatch Group vorziehen.

 

Reinen Tisch machen

Ich bin seit fünf Jahren Kunde bei einer Grossbank und habe das Gefühl, dass diese viel zu teuer ist und mir Wertschriften verkauft, die ich nicht recht verstehe und die vor allem ihr nützen. Ich habe nicht den Eindruck, dass man zu meinen Gunsten arbeitet. Ich möchte in Zukunft selber handeln und habe ein Konto bei der Swissquote eröffnet. Was soll ich mit dem Depot machen? M.S.

An sich könnten Sie sich die Wertschriften problemlos in ein Depot Ihrer neuen Bank transferieren lassen. Da Sie aber ein recht umfangreiches Depot mit vielen Positionen haben, dürfte Sie dies ziemlich teuer kommen. Ich schätze, dass Sie bei Ihrer bisherigen Bank mit Transferkosten von über 1000 Franken rechnen müssen. Da stellt sich die Frage, ob sich dies wirklich lohnt, zumal ich auch einige Positionen hinterfragen würde. Ich empfehle Ihnen, von Ihrer Hausbank konkret offerieren zu lassen, was der Transfer genau kostet – allenfalls könnten Sie nur die noch länger laufenden Obligationen transferieren. Dann können Sie entscheiden.

Leider erheben viele Banken horrende Gebühren für den Depotwechsel. Damit versuchen sie die Kunden an sich zu binden und von einem Wechsel abzuschrecken. Guter Wettbewerb sieht anders aus. Und falls die Kunden dann trotzdem gehen, streichen sie das letzte Mal eine schöne Summe für eine bescheidene Dienstleistung ein. Diese Unsitte, den Kunden goldene Fesseln anzulegen, ist häufig auch bei Hypotheken feststellbar. Auch da werden Kunden, die wechseln, oft noch zur Kasse gebeten. Man kann auch sagen: Es wird nochmals abkassiert.

Das bestärkt gerade unzufriedene Kunden wie Sie in der Wahrnehmung, dass bei einigen Instituten nicht der Kunde im Mittelpunkt steht, sondern die Rendite der Bank. Diesen Eindruck verstärkt auch der Trend zu Dienstleistungspaketen, die happige Jahresgebühren für die Kundschaft zur Folge haben – oft auch für Dienstleistungen, die man nicht zwingend braucht. Da Sie das Glück haben, dass Ihre Gesamtdepotbilanz positiv ist und Sie unter dem Strich einen Gewinn einfahren, würde ich wohl reinen Tisch machen und alle Positionen – mit Ausnahme allenfalls der Anleihen, falls deren Transfer nicht zu teuer ist – verkaufen. Dies hat den Vorteil, dass Sie die Gewinne mitnehmen und das Depot neu aufstellen können. Dafür spricht auch, dass Sie mehrere Produkte im Depot haben, die gebührenmässig unattraktiv für Sie sind.

Wenn Sie das Depot neu aufstellen, würde ich neben einer breiten Diversifikation auch darauf achten, dass Sie vor allem Produkte mit tiefen Gebühren wählen, insbesondere kostengünstige Exchange Traded Funds, wie sie auch institutionelle Grossanleger oft nutzen. Denn die Kosten schmälern Ihre Rendite. In Zeiten extrem tiefer Zinsen macht dies viel aus.

Wer mit seiner Bank unzufrieden ist, sollte meines Erachtens das Institut wechseln. Bevor Sie aber reinen Tisch machen, noch ein Tipp: Einige Banken sind bereit, bei Neukunden die Transferkosten für ein Depot zu übernehmen. Die neue Bank profitiert ja auch, wenn sie einen Kunden mit einem breiten Depot gewinnt. Ich rate Ihnen daher, auch mit Ihrer neuen Bank Rücksprache zu nehmen und sie zu fragen, ob sie bereit ist, die Transferkosten zu übernehmen, falls Sie das Depot zu ihr zügeln.

 

Wer eine höhere Rendite will, kommt an Aktien kaum vorbei

Ich suche eine Anlagemöglichkeit für eine Laufzeit von vier Jahren für 50’000 bis 70’000 Franken. Mittleres Risiko. Die Raiffeisenbank empfiehlt mir den Raiffeisen Pension Invest Futura Yield oder den Raiffeisen Swiss Obli Fund oder Anleihen als direkte Anlage. Was raten Sie? H.B.

Obligationen in Schweizer Franken halte ich derzeit für wenig attraktiv. Die Renditen sind mickrig – erst recht nach Gebühren und Steuern. Je nach Obligation kann es sogar vorkommen, dass man Geld verliert. Auch die meisten reinen Obligationen-Fonds, welche sich auf sichere Frankenanleihen und den Geldmarkt fokussieren, sind meines Erachtens aus den gleichen Gründen uninteressant.

Eine Alternative bieten Fonds, wie der Ihnen von Ihrer Bank vorgeschlagene Raiffeisen Pension Invest Futura Yield. Dieser investiert weltweit in Aktien-, Obligationen- und Geldmarktanlagen. Rund 65 Prozent des Kapitals fliessen in Anleihen, rund 21 Prozent in Aktien. Dank des Aktienanteils wird eine höhere Rendite erreicht. Allerdings wird ein Teil der Rendite durch die Gebühren – die Gesamtkosten dieses Fonds betragen 1,1 Prozent – weggefressen. Mit einem Anlagehorizont von vier Jahren haben Sie bei diesem Fonds, der eine breite Diversifikation ermöglicht, eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Kapital nicht nur erhalten, sondern auch etwas steigern können, zumal sich die Risiken in Grenzen halten.

Zusätzlich zu weiteren vergleichbaren Fonds könnten Sie einen Teil des Geldes auch selbst in dividendenstarke Aktien wie Swiss Re, Zürich, Swisscom oder Nestlé investieren und den Rest stockkonservativ einfach sicher auf dem Konto parkieren. Diese Liquidität auf dem Konto wäre der Obligationenersatz und eine Absicherung für den Fall, dass die Börsen stark tauchen. Anstelle der Einzeltitel könnten Sie auch einen Fonds oder kostengünstige Exchange Traded Funds wählen, die auf Dividendentitel setzen. Wie hoch der Aktienanteil wäre, hängt von Ihrer Risikofähigkeit ab.

Damit Sie später nicht plötzlich auf hohen Verlusten sitzen, würde ich nur maximal die Hälfte des Betrages in erstklassige Dividendenaktien oder entsprechende Fonds investieren und den Rest sicher deponieren. So haben Sie die Gewähr, dass Sie selbst im schlimmsten Krisenfall nicht alles verlieren. Falls Sie aber das Risiko von Buchverlusten nicht eingehen möchten, müsste ich Ihnen empfehlen, auf Aktien und damit auch auf eine höhere Rendite zu verzichten.