Schweizer Aktienmarkt droht eine breite Korrektur

boerse_ZH_bildnachweis_pdBörse Zürich: Bis Ende August wird eine Nachfrageflaute am Aktienmarkt erwartet.

 

Portfoliomanager erwarten am Schweizer Aktienmarkt und speziell im SMI eine bis Ende August anhaltende Nachfrageflaute. Grossanleger verabschieden sich weiter aus Europa. Wie die Erfahrung zeigt, sind die vergangene Woche zutage getretenen schwachen Reaktionen auf positive Unternehmenszahlen wie jene von Novartis und Roche ein negatives Zeichen. Bei positiven Nachrichten verkaufte Dividendenwerte zeigen nämlich verbreitete Zweifel an der Bewertung der Aktienmärkte auf. Das weist auf eine bevorstehende breite Marktkorrektur hin. Ich rate Anlegern, in zyklischen Industriewerten wie ABB, Adecco, LafargeHolcim und Richemont, die Gewinne zu realisieren und die Positionen abzubauen. In defensiven Substanzwerten wie Nestlé, Novartis und Roche würde ich an den Positionen festhalten. Zyklische SMI-Titel verkaufen

Befürchtete Kapitalerhöhung

Galenica geriet nach Bekanntgabe der 1,5 Milliarden Dollar teuren Übernahme der US-Biotechfirma Relypsa erheblich unter Druck. Die Aktie sank um 11 Prozent. Port­foliomanager kritisierten das Berner Pharmaunternehmen , weil Aktionäre statt der bereits vor zwei Jahren angekündigten Aufspaltung nun möglicherweise eine Kapitalerhöhung serviert bekommen. Die Übernahme ergibt zwar strategisch Sinn. Doch erfolgte sie offenbar unter dem befürchteten Motto «Wachstum um jeden Preis». Das erschreckte die Kapitalmärkte. Galenica kann zwar dank der Unterstützung ihrer Grossaktionäre den Kauf bewältigen. Die verstimmten Publikumsaktionäre könnten jedoch das Handtuch werfen und ihre Titel verkaufen, sollte die Gesellschaft eine Kapitalerhöhung lancieren. Meiden

Bewährte Struktur

Ab Wochenmitte war eine steigende Kaufbereitschaft für die Aktien derCredit Suisse zu verzeichnen. Damit wurde die in den letzten Monaten stark gesunkene Börsenbewertung etwas korrigiert. Die Aktienkäufer berufen sich auf die US-Ratingagentur Standard & Poor’s, die am Mittwoch in einem Bericht festhielt, die Credit Suisse weise keineswegs eine Kapital­lücke auf. Selbst im schwierigsten Marktumfeld werde sich die Struktur der Credit Suisse bewähren, weshalb sie auf längere Sicht kein frisches Kapital benötigen werde. Trotzdem bin ich vorsichtig. Die Bank muss zuerst verbesserte Jahresaussichten bekannt geben, bevor ich zugreifen würde. Meiden

Erholungspotenzial

Das Gleiche gilt für UBS und Julius Bär, die ebenfalls kommende Woche ihre Aktionäre mit den Halbjahreszahlen beglücken. Meiner Meinung nach sind die enttäuschenden Geschäftsentwicklungen 2016 in diesen zwei Blue Chips längst eingepreist. Sie weisen nach den positiven Reaktionen auf die US-Bankenzahlen geringeres Abwärts- als überraschendes Erholungspotenzial auf. Ich rate zum Zuwarten mit einem Kauf der Aktien der beiden Banken, bis die in Aussicht gestellten Dividenden­erhöhungen bestätigt werden. Meiden

Sorgen sind angebracht

ABB überraschte im Halbjahres­bericht mit steigenden Margen zwar positiv. Der sinkende Auftragseingang in Kernbereichen löste am Markt jedoch Sorgen aus. Aus den ABB-Zahlen kann abgelesen werden, dass sich das Wachstum in Europa abflacht. Bestätigen dies die nächsten Einkaufsmanager­indizes aus Europa, sind die Sorgen mehr als angebracht. Die Brexit-Entscheidung hat bereits dazu geführt, dass deutsche Autohersteller in Grossbritannien Investitionen aufschieben. Davon ist auch ABB betroffen, namentlich im Robotikbereich. Unter diesen Vorzeichen schätze ich die ABB-Namenaktie als fair bewertet ein. Ich würde erzielte Gewinne mitnehmen. Verkaufen

Lage verschlechtert sich

Die letzten News von Apple sind schlecht für AMS (die frühere ­Austria Microsystems). Die Apple-Watch-Verkäufe sind im zweiten Quartal um 55 Prozent eingebrochen. Das verschlechtert die Lage für die österreichische Firma, die an der Schweizer Börse kotiert ist. Sie soll ein wichtiger Zulieferer für die Apple-Watch sein. Die Gesellschaft wird morgen Montag nach Börsenschluss ihren Quartalsbericht publizieren. Ich empfehle, die Gewinne zu realisieren. Verkaufen

Risiko noch zu hoch

Die um 40 bis 50 Prozent unterbewertete Aktie des Industriekonzerns Oerlikon ist gemäss renommierten Banken und Brokern auf Konjunkturimpulse angewiesen. Sie wird vorderhand nicht gekauft, weil keine wirklichen Wachstumsimpulse erkennbar sind. Oerlikon wird am 2. August seine Halbjahreszahlen ausweisen. Falls diese ein verstärktes Wachstum mit einer steigenden Margenentwicklung ­signalisieren, kann sich die Lage schlagartig zum Guten wenden. Für Käufe ist das Risiko momentan aber noch zu gross, solange keine konkreten Wachstumsfakten eingetroffen sind. Zahlen abwarten

Schlankes Geschäftsmodell 

Die Aktien des Vermögensverwalters GAM erholten sich vergangene Woche dank aufkommender Trendwendeerwartungen. Die wegen der starken Kursschwäche mehr verhassten als geschätzten Bankaktien präsentieren sich nüchtern wie ein Übernahmekandidat. Die Gesellschaft weist ein schlankes Geschäftsmodell ohne die Kostenblöcke personalintensiver Bankbetriebe auf. Deshalb könnte eine Übernahme mit geringen Ent­lassungen bewältigt werden. Gelingt es dem Unternehmen, das Steuer in der zweiten Jahreshälfte herumzureissen, werden sich die Titel überdurchschnittlich erholen können. Halten