Brexit: Schweizer Aktien übergewichten

Torn Union flag blowing in the wind in North Devon against blue sky.

Nach dem Brexit-Entscheid: In turbulenten Marktphasen schneiden defensive Schweizer Bluechips gut ab. Foto: Getty Images

 

Inmitten der Brexit-Reaktions­woche sind für Schweizer Aktien Tag für Tag positive Nachrichten eingetroffen. Zuerst hob die grösste Bank der Welt, die britische HSBC, ihre Einschätzung für den Schweizer Aktienmarkt von Unter- um gleich zwei Stufen auf Übergewichten an. Nicht genug, rät doch auch die Deutsche Bank ihrer Klientel, den SMI überzugewichten, weil die hervorragenden Qualitäten der defensiven Schweizer Bluechips einmalig sind. Kein Wunder: Defensive Substanz­werte schneiden in turbulenten Marktphasen erfahrungsgemäss besser ab als der Markt. Nun ist es an der Zeit, die vor einer Woche empfohlenen SMI-Absicherungen wieder abzubauen. Zunehmende Skepsis breitet sich dagegen für europäische Aktien aus. Der mit zyklischen Industriewerten bespickte deutsche Leitindex DAX zeigt in wirtschaftlichen Stagnations- und Schwächephasen in der Regel eine negative Performance. SMI-Absicherungen verkaufen

Umzugskosten befürchtet

Die möglichen Brexit-Folgen bestimmten die Kursverläufe meh­rerer betroffener Unternehmen. Adecco geriet an gewissen Tagen überdurchschnittlich unter Druck, weil in Grossbritannien der Markt für Stellenvermittlungen seit Jahresbeginn schrumpft. Bei den Grossbanken Credit Suisse und UBS werden Umzugskosten aus London in die Eurozone befürchtet. Die Bankensoftware-Produzentin Temenos könnte ebenfalls vom Brexit tangiert werden. Goldman Sachs und die Barclays Bank stuften die Temenos-Titel vergangene Woche herab. Empfindlich getroffen werden die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch. Sie ­haben etwa 10 Prozent ihrer Uhren- und Schmuckbestände in London. Diese müssen nun den Kunden wegen der Pfundschwäche preiswerter als im übrigen Europa angeboten werden. Brexit-­Exponierte vorderhand meiden

Zahlreiche Dividendenerhöungen

Brexit-Gewinner sind in erster Linie die defensiven Substanzwerte, namentlich Nestlé, die Telecomfirmen, die Pharma- und Versicherungsriesen. Portfoliomanager fokussieren gerne auf Unternehmenswerte mit Fantasie für eine Dividendenanhebung. Die besten Aussichten für eine Dividendenerhöhung weisen Nestlé, Roche, Actelion, Sunrise, Swiss Life und Swiss Re auf. In derartigen Zeiten sind auch Engagements in Swisscom als sichere Dividendenzahlerin und in Zurich als Renditehit keine zu riskante Angelegenheit. Nestlé, Roche, Actelion, Sunrise, Swiss Life und Swiss Re alsBrexit-Gewinner übergewichten

Medikament gegen Lungenhochdruck

Actelion zeigte sich an mehreren Handelstagen von ihrer starken Seite, trafen doch Anlagekäufe aus dem Aus- und Inland ein. Am Markt kursieren sich verdichtende Gerüchte aus verschiedenen Quellen, dass dem neuen Hoffnungsträger, dem Lungenbluthochdruck-Medikament Uptravi, ein starker Verkaufsstart gelungen sei. Mit den nun anlaufenden Verkäufen in Deutschland und bald der ganzen EU seien die nächsten positiven News programmiert. Halten

Spekulationskäufe

Die Basilea-Aktien haben im Juni 15 Prozent an Wert verloren. Hinter der starken Korrektur stecken einer oder mehrere Fonds, wie ich aus Basel höre. Die Ampeln für die Basilea-Aktie werden für Anlagekäufer wieder auf Grün gehen, wenn das innovative Unternehmen einen starken internationalen Vertriebspartner findet. Weil in den kommenden Wochen und Monaten positive Medikamententests erwartet werden, bieten sich die Titel für Spekulationskäufe an. Ein Kauf für Risikofreudige

Wertberichtigungen

Novartis geriet am Dienstag auffallend unter Druck, nachdem Gerüchte über ausserordentliche Abschreibungen aufkamen. Laut den aus London stammenden Spekulationen muss Novartis auf den von GlaxoSmithKline übernommenen Unternehmensteilen Wertberichtigungen vornehmen. Weil der Konzern bereits einen Berg an Goodwill vor sich herschiebt, erträgt der Aktienkurs keine schlechte Abschreibungsnachricht mehr. Vorderhand lassen sich die Spekulationen allerdings nicht erhärten, weshalb sich die Titel laut Portfoliomanagern parallel zum Gesamtmarkt entwickeln werden. Halten

Ausgebügelte Kursdelle

Dem Vermögensverwalter GAM gelang in der zweiten Wochen­hälfte vorübergehend der Sprung über die 10-Franken-Kursmarke. Als Hauptgrund der Kurserholung nennen Händler die Erwartung, dass GAM eine unveränderte Dividende von 65 Rappen ausschütten werde. Das entspricht einer ­Dividendenrendite von gut 6 Prozent. Institutionelle Anleger sammelten die GAM-Titel in der letzten Handelswoche und bügelten die gröbste Kursdelle aus. Applaus löste die Übernahme der britischen Cantab Capital aus. GAM erhält dadurch Zugang zu Anlagesystemen, die auf spezielle Kundenbedürfnisse zugeschnitten sind. Das ergibt einen neuen Wachstumstreiber. Marktbeobachter erwarten eine Rückkehr von GAM in die Gewinnzone in der zweiten Jahreshälfte. Kaufen

Tiefgesteckte Wachstumsziele

Aryzta erreichte vergangene Woche bei 33.81 Franken ein neues Jahrestief. Am Markt kursierten Gerüchte, dass das Unternehmen wegen einer angeblich bevorstehenden Wertberichtigung einen neuen Ergebnisrückschlag erleiden könnte. Die UBS und Baader-Helvea halten weiter an ihren zuversichtlichen Erwartungen fest. Meiner Ansicht nach eignen sich die Aryzta-Aktien jedoch kaum für Privatanleger, weil die Firma ihre bereits tiefgesteckten Wachstumsziele verfehlt. Meiden