Alpiq-Anleihen verursachen Bauchweh

Wasserkraft: Speichersee Zervreila im oberen Valsertal. Foto: Key

Wasserkraft: Speichersee Zervreila im oberen Valsertal. Foto: Key

 

Ich (70) bin ein Kleinanleger und habe in meinem Wertschriftenportfolio die Obligation 2.25% Alpiq Holding AG mit Laufzeit  2011 – 20.09.2021. Was raten Sie mir: Halten oder verkaufen? A.I.

Ich kann Ihre Sorge gut verstehen. Der Kurs Ihrer Alpiq-Anleihe ist in den letzten Monaten stark zurückgegangen und notiert unter 100 Prozent. Noch schlimmer präsentiert sich der Kurs der Alpiq-Aktien, welcher seit Ende März richtiggehend eingebrochen ist. Der Grund für die heftigen Kursreaktionen liegt im Umstand, dass Alpiq in Finanznöte geraten ist und momentan dafür kämpft, die Kapitalmarktfähigkeit zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich das Unternehmen entschlossen, einen beträchtlichen Teil seiner Wasserkraftanlagen zu veräussern. Ironie des Schicksals: An sich ist die Wasserkraft eine ökologische und solide Energiequelle. Weil die Strompreise an den europäischen Grosshandelsmärkten tief gefallen sind, sind ausgerechnet die Wasserkraftanlagen für die Betreiber nicht mehr rentabel. Im Zuge der massiven Subventionierung von Solar- und Windstrom etwa in Deutschland ist Wasserkraft aus der Schweiz momentan zu wenig marktfähig.

Negative Wirkung zeigt im Falle der Alpiq zusätzlich der starke Franken. Die Notierungen an den Grosshandelsmärkten in Europa erfolgen in Euro, was die Erträge der in Franken buchenden Alpiq belastet. Unter dem Strich verliert Alpiq mit der Wasserkraft derzeit 150 bis 200 Millionen Franken pro Jahr. Wenn das Loch, welches diese Verluste verursachen, nicht bald gestopft werden kann, droht im allerschlimmsten Falle der Zusammenbruch des Unternehmens. Alpiq braucht in erster Linie Kapital, um die Schulden zu reduzieren. Sollte dies nicht gelingen, könnte der Stromkonzern das Investment-Grade-Rating verlieren. Dann würden Ihre Anleihen noch tiefer sinken. Trotz Wertberichtigungen und Rückstellungen im letzten Jahr im Umfang von fast 900 Millionen Franken besteht keine Garantie, dass es nicht zu weiteren Wertberichtigungen kommt. Denn die Preise zeigen weiter nach unten. Vor diesem Hintergrund ist Alpiq daran, bis zu 49 Prozent des Wasserkraftportfolios zu verkaufen.

Neben ausländischen Investoren sind mehrere Branchenvertreter an Teilen der Wasserkraftanlagen interessiert. Auch externe Grossanleger wie Pensionskassen oder Versicherer, welche unter einem Anlagenotstand leiden, könnten einsteigen. Persönlich stufe ich die Chancen, dass der Teilverkauf gelingt, als intakt ein. Eine Garantie haben Sie aber nicht. Sie können abwarten und darauf spekulieren, dass die Sanierung gelingt, was durchaus wahrscheinlich ist. Dann müssten Sie die Anleihe behalten. Immerhin sind Ihre Risiken deutlich geringer als jene der Aktionäre. Falls Sie aber trotzdem schlaflose Nächte haben und Wert auf höchste Sicherheit legen, müsste ich Ihnen zu einem Verkauf raten.

 

Nachhaltig bietet keine Garantie vor Verlusten

Meine Bank hat mir den BLKB Next Generation Strategy Fonds Yield empfohlen. Auf was muss ich dabei besonders achten? M.T.

Unter dem Label BLKB Next Generation Strategy hat die Basellandschaftliche Kantonalbank im April gleich zwei Fonds neu lanciert. Beide werden von der Fondsgesellschaft Swisscanto gemäss Nachhaltigkeitskriterien geführt. Dies bedeutet, dass die Anlagevehikel in Wertschriften investieren, welche strenge Vorgaben im Bereich Ökologie, Soziales/Ethik und Corporate-Governance erfüllen müssen. Damit entspricht die Bank der stärkeren Nachfrage für sogenannte nachhaltige Anlagen. Immer mehr Investoren ist es nicht egal, was mit ihrem Sparbatzen passiert. Sie wollen ihr Kapital gemäss Nachhaltigkeitskriterien anlegen und so einer nachhaltigen Wirtschaft zum Durchbruch verhelfen. Damit verbunden ist auch die Erwartung, dass sich Nachhaltigkeit langfristig auch für die Anleger ausbezahlt, indem weniger Schäden verursacht und Folgekosten möglichst ausgeschlossen werden.

Der eine Fonds Yield investiert das Kapital zu 10 Prozent in liquide Mittel, 70 Prozent in Obligationen und 20 Prozent in Aktien. Damit soll einerseits ein regelmässiges Einkommen sowie ein Kapitalwachstum erreicht werden. Der zweite Fonds Balanced setzt stärker auf Kapitalwachstum, weshalb der Aktienanteil mit 40 Prozent höher ist. 50 Prozent fliessen in Anleihen, 10 Prozent in Liquidität. Dieser Fonds setzt einen längeren Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren voraus. Beide Vehikel bieten eine breite Diversifikation.

Ob für Sie als Anlegerin die Rechnung bei diesen Fonds aufgeht, kann ich trotz der sinnvollen Nachhaltigkeitsstrategie nicht voraussagen. Auch die bisherige Kursentwicklung ist zu wenig aussagekräftig, da die Fonds erst vor wenigen Wochen gestartet wurden. Bevor Sie Fondsanteile kaufen, rate ich Ihnen, Ihre Bank zu fragen, wie hoch denn die Gebühren sind, welche für die Fondsführung verrechnet werden. Die meisten vergleichbaren Strategiefonds verlangen nämlich Gebühren von über 1 Prozent, was letztlich von Ihrer Rendite abgeht.

Ich würde weiter Auskunft verlangen, welches denn die grössten Positionen sind, in welche der Fonds investiert. Sind es Einzelaktien oder andere Fonds, welche zusätzliche Gebühren verursachen? Darüber hinaus sollten Sie sich selbst fragen, wie viel Risiken Sie persönlich eingehen wollen und können. Obwohl beide Vehikel eine breite Diversifikation garantieren, müssen Sie einen langen Anlagehorizont von mehreren Jahren haben und Kursschwankungen in Kauf nehmen. Denn auch Nachhaltigkeit bietet keine Garantie vor Buchverlusten.

 

Am Tropf der tiefen Zinsen

Durch Erbschaft bin ich Eigentümer einer Parzelle Bauland geworden. Meine Idee ist, einen grösseren Teil der Parzelle zu verkaufen und mit dem Erlös auf einem kleineren Stück ein Mehrfamilienhaus mit sechs Mietwohnungen zu bauen. Was meinen Sie, ist es eine gute Idee, eine Anlageimmobilie zu erstellen, oder würden Sie mir ein indirektes Immobilienengagement mittels Fonds oder kotierten Immobilienunternehmen empfehlen? C.G.

An sich halte ich Immobilien für eine attraktive und solide Anlage. Dies, obwohl das Kapital langfristig gebunden ist, man aufgrund des hohen Eigenkapitalbedarfs oft ein Klumpenrisiko eingeht und das Vermögen zu wenig diversifiziert ist. Trotzdem: Wer in den letzten 20 Jahren auf diese Anlageklasse gesetzt hat, ist trotz zum Teil heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten gut gefahren und hat sein Kapital nicht nur sicher, sondern auch wertvermehrend angelegt. Für Immobilien sprechen auch die extrem tiefen Zinsen: Man kann sich zu sehr günstigen Konditionen fremdfinanzieren. Doch da liegt derzeit auch das grösste Risiko dieser Anlageklasse. Weil im Zuge der tiefen Zinsen eine Vielzahl von Leuten in Liegenschaften investiert haben – sei es für den Eigengebrauch oder als Renditeobjekte – sind die Preise in den letzten Jahren kräftig gestiegen. Gerade auch institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen haben auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten die Preise für Renditeliegenschaften an guten Lagen in die Höhe getrieben.

Zusätzlich zu den Zinsen hat phasenweise die Zuwanderung den Aufwärtstrend bei den Immobilienpreisen verstärkt. Wie nachhaltig die noch immer hohen Preise wirklich sind, ist fraglich. Zwar rechne ich nicht mit einem Crash bei den Schweizer Immobilien, wie wir dies anfangs der 90er-Jahre hierzulande erlebt haben. Solange die Zinsen tief bleiben, dürfte die Nachfrage nach Liegenschaften hoch sein. Die Immobilien hängen faktisch am Tropf der tiefen Zinsen. Gleichzeitig würde ich aber nicht mehr darauf spekulieren, dass Sie mit dieser Anlageklasse ein hohes Kapital- und Renditewachstum erreichen. Das Gleiche lässt sich auch für indirekte Immobilienanlagen wie Fonds oder Immobilienaktien sagen. Bei Letzteren profitieren Sie aber immerhin von erfreulichen Dividendenrenditen.

Dennoch warne ich generell vor übertriebenen Erwartungen bei Immobilienanlagen. In Ihrem Fall ist die Situation allerdings eine andere. Sie besitzen bereits das, was bei einer Immobilie das Teuerste ist: den Boden. Daher würde ich Ihnen trotz der Vorbehalte wegen der gestiegenen Preise nicht grundsätzlich von Ihrem Vorhaben abraten. Da Sie das nötige Bauland besitzen, können Sie anders rechnen, als wenn Sie zuerst eine Parzelle erwerben müssten. Natürlich müssen Sie für Ihre Berechnungen trotzdem einen realistischen Marktpreis für das eigene Bauvorhaben einsetzen, sonst machen Sie sich etwas vor.

Trotzdem empfehle ich Ihnen, mit einem Architekten eine Grobstudie für ein mögliches Mehrfamilienhaus zu erstellen. Anhand der Kostenschätzungen und Mietannahmen können Sie abschätzen, ob für Sie die Rechnung aufgeht. Zusätzlich würde ich das Projekt von einem Immobilienexperten – zum Beispiel dem Hauseigentümerverband – sowie von Finanzierungsspezialisten Ihrer Bank gegenchecken lassen. So erhalten Sie mehrere unabhängige Meinungen und können sich aufgrund der konkreten Berechnungen selbst ein realistisches Urteil bilden.

 

 

 

1 Kommentar zu «Alpiq-Anleihen verursachen Bauchweh»

  • Peter sagt:

    das ist zwar schon ein halbes Jahr her seither. Dem Fragenden A.I. kann man nur raten, die Alpiq 2 1/4 % zu halten bis Verfall. Alpiq geht in den nächsten fünf Jahren nicht Konkurs (oder worstcase kommt es auch nicht draufan, weil es sowieso dunkel wird im Land CH). Der Kurs der Obligation und noch weniger der Kurs der Aktie spielen eine Rolle, da der Coupon feste 2.25% abzüglich Einkommenssteuer und die Rückzahlung feste 100% sind. Ein vorzeitiges Rückkaufprogramm wäre anzunehmen, aber nur auf Basis 100% oder mehr und ausstehende Coupons.

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