Weniger Steuern dank Kapitalbezug

Kapitalbezug: Wer das Risiko nicht scheut, kann besser fahren. Foto: Fotalia

Kapitalbezug: Wer das Risiko nicht scheut, kann besser fahren. Foto: Fotalia

Mein Mann ist 61, und wir müssen uns bald entscheiden, ob wir eine Rente oder das Kapital aus der Pensionskasse beziehen. Was sind die Vorteile eines Kapitalbezugs? R.I.

Einer der Pluspunkte des Kapitalbezugs sind die Steuern: Sie zahlen weniger Steuern als bei der Rente. Allerdings gibt es je nach Kanton erhebliche Unterschiede. Sie müssen das bezogene Kapital dort versteuern, wo Sie wohnen. Darum lohnt es sich, vor einem Entscheid die Steuerfolgen zu prüfen. Sicher ist aber, dass das von der Pensionskasse bezogene Geld sowohl beim Bund als auch beim Kanton vom sonstigen Einkommen getrennt zu Vorzugskonditionen besteuert wird. Die Rente aus der Pensionskasse hingegen müssen Sie voll als Einkommen – also zusätzlich zur AHV-Rente und allfälligen Einnahmen aus Finanzanlagen – versteuern. Über die Jahre dürften Sie so mehr Steuern bezahlen, als wenn Sie das Kapital beziehen.

Doch die Steuern sind nur ein Aspekt von vielen. Der Kapitalbezug verschafft Ihnen im Vergleich zur Rente mehr Freiheit. Sie können bestimmen, was Sie mit dem Geld machen und sich allenfalls einen Traum erfüllen. Und Sie können selbst festlegen, wie Sie das Kapital investieren. Darin liegt allerdings auch die Gefahr: Wenn Sie Ihr Geld schlecht investieren, haben Sie es verloren oder haben weniger Rendite, als wenn Sie die Rentenvariante wählen. Ein weiterer Pluspunkt des Kapitalbezugs ist die Flexibilität punkto Erben: Wenn jemand kurz nach der Pensionierung stirbt, ist das Pensionskassengeld nicht einfach weg, sondern das nicht aufgebrauchte Kapital geht voll an die Erben. Bei der Rente wird zwar eine Hinterlassenenrente ausbezahlt. Bei einem frühen Tod dürfte aber je nach Familienumständen ein Teil des angesparten PK-Geldes an die Kasse gehen, dafür übernimmt diese das Langlebigkeitsrisiko.

Wenn Sie oder Ihr Mann sehr alt werden, was ich Ihnen wünsche, reicht vielleicht das bezogene Geld nicht. Die Rente hingegen bekommen Sie bis zum Lebensende. Eine Rente lohnt sich besonders für jene mit einer Chance auf Langlebigkeit. Vor allem bietet eine Rente eine hohe Sicherheit: Sie wissen, Sie bekommen jeden Monat bis ans Lebensende einen bestimmten Betrag und tragen nicht das Risiko, dass an der Börse etwas schiefgeht. Eine richtige oder falsche Antwort auf die Frage, ob man sich für die Rente oder das Kapital entscheiden soll, gibt es nicht. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, Rente und Kapital zu kombinieren.

Ich empfehle Ihnen und Ihrem Mann, frühzeitig mit einer Vorsorgeexpertin oder einem Vorsorgeexperten die verschiedenen Varianten im Detail zu prüfen. Dann haben Sie anhand Ihrer konkreten Zahlen die nötigen Grundlagen für diesen wichtigen Entscheid. Je nach Ihrem Lebensstandard und Ihren Lebensumständen erhalten die Vor- und Nachteile eines Kapitalbezugs im Licht der konkreten Zahlen für Sie persönlich ein stärkeres oder schwächeres Gewicht.

 

Anspruch auf Sozialhilfe erlischt

Eine Mutter ist über 80 Jahre alt und hat ein Vermögen von rund 100’000 Franken. Ihre einzige Tochter bezieht seit über zehn Jahre Sozialhilfe. Kann sie als Alleinerbin das Geld für sich behalten, oder muss sie das geerbte Geld bis zum Minimum der Sozialhilfe abliefern? M.D.

Sobald die einzige Tochter das Geld von ihrer Mutter erbt, verfügt sie wieder über ein Vermögen. Sie hat somit nicht mehr Anspruch auf Sozialhilfe. Diese ist nur gerechtfertigt, wenn die Tochter nicht mehr genügend Geld zur Verfügung hat, um ihre Existenz abzudecken. Immerhin gibt es aber einen Freibetrag, der kantonal unterschiedlich ist und den sie anrechnen kann. Den übrigen Teil des geerbten Vermögens muss sie dann nutzen und wäre erst wieder zur Sozialhilfe berechtigt, wenn der Betrag aufgebraucht wäre.

Je nach Umständen kann die Gemeinde für ihre Sozialhilfe aus der Vergangenheit auch ihren Aufwand geltend machen. Es gibt nämlich einen Rückerstattungsanspruch für die Gemeinden, wenn jemand Sozialhilfe in Anspruch nimmt und dann wieder zu Vermögen kommt. Die finanzielle Leistungsfähigkeit der Tochter verändert sich durch eine Erbschaft wie beschrieben massgeblich. Durch die Erbschaft gelangt die Tochter rechtlich gesehen wieder in finanziell günstige Verhältnisse. Somit besteht gemäss gängiger Rechtsprechung, die auch vom Bundesgericht gestützt wurde, ein Anspruch auf Rückerstattung seitens der Gemeinde. Diesen muss die Gemeinde aber gegenüber der aufgrund der Erbschaft wieder zu Geld gekommenen Sozialhilfeempfängerin geltend machen. Allenfalls melden sich dann auch noch andere Gläubiger.

Welcher Weg sinnvoll ist, muss die Gemeinde anhand der konkreten Umstände prüfen. Es kann jedenfalls nicht sein, dass jemand sein Erbe behalten darf und gleichzeitig Sozialhilfe bekommt.

 

 

Genügend Eigenkapital bereitstellen

Ich habe 100’000 Franken Cash. Bei der 3. Säule wird der Maximalbetrag eingezahlt, beim BVG habe ich keine grössere Deckungslücke. Ein Hauskauf ist ein Thema. Gerne würde ich insgesamt 20’000 Franken in ETF-Fonds investieren. Dabei hätte ich mir gedacht, je einen Viertel in einen SMI-ETF, Dividendenrendite-ETF, Immobilien-ETF und in einen Rohstoff/Gold-ETF zu investieren. Wie beurteilen Sie dies, und wie verhält es sich mit der Anrechnung der ETFs bei einem Hauskauf? C.R.

Die Idee, 20’000 Franken in kostengünstige Exchange Traded Funds (ETF) zu investieren, finde ich sinnvoll, zumal Sie noch jünger sind und einen langen Anlagehorizont haben. Da Sie nur einen Fünftel Ihres Kapitals anlegen, halten sich Ihre Risiken, die Sie damit eingehen, in Grenzen. Allerdings müssen Sie sich bewusst sein, dass Sie bei den ETFs mit stärkeren Kursschwankungen rechnen müssen. Dafür haben Sie deutlich höhere Renditechancen, als wenn Sie das Geld einfach auf dem Konto liegenlassen oder in sehr sichere Franken-Anleihen investieren.

Nachteilig ist die Anlage allerdings in Hinblick auf einen möglichen Erwerb von Wohneigentum: Zwar können Sie Ihre Wertschriften verkaufen, sobald Sie ein konkretes Kaufobjekt im Auge haben. Doch kann es sein, dass Ihre ETFs gerade in einem Tief sind und Sie nicht mehr den vollen Preis, den Sie investiert hatten, lösen können. Möglich wäre auch eine Verpfändung Ihrer Wertschriften für den Immobilienkauf. Die meisten Banken würden dazu Hand bieten. Doch auch das hat einen Haken: Die Bank wird nicht den vollen in die Wertschriften angelegten Betrag von 20’000 Franken anrechnen, sondern nur einen Teil davon, da sie selbst keine Risiken damit eingehen will. Dazu kommt, dass der Zins, den Sie für die Verpfändung und den damit verbundenen Kredit bezahlen, unter Umständen höher ist als der Hypozins. Immerhin könnten Sie allenfalls noch Kapital aus Ihrer 3. Säule für den Erwerb von Wohneigentum nutzen.

So sehr ich Ihre Investitionspläne aus Renditeüberlegungen für sinnvoll einstufe, müssen Sie sich gut überlegen, ob Sie dann noch genügend Eigenkapital zur Verfügung haben, um eine Immobilie zu kaufen. Je nach Kaufpreis dürfte es bei Ihrem derzeitigen Kapitalbestand ohne Nutzung der 3. Säule eher eng werden.

2 Kommentare zu «Weniger Steuern dank Kapitalbezug»

  • Fritz Rammstein sagt:

    Man muss schon ziemlich dumm sein wenn man heute bei der PK nicht das Kapital bezieht. Grund 1: Der Umwandlungssatz der PK`s wird jährlich um ca. 1% reduziert – so wird das gesamte PK Guthaben reduziert und der Rest für Verwaltungskosten draufgehen. Grund 2: In 10 Jahren kann mit dem Kapitalbezug in der Regel ca. CHF 50 000.- bis 80 000.- gespart werden – weil die Renten viel höher besteuert werden. Grund 3: Sollte das Geld bis zum 100 Altersjahr nicht reichen müssten dafür sowieso die Staatsinstitutionen aufkommen – ab einem gewissen Alter befiehlt der Staat in welches Pflegeheim man gehen muss. Ab dieser Zeit können auch Millionäre ihre Kosten nicht mehr selber tragen weil der Staat die Kosten steuert.

  • oli s. sagt:

    Die Gefahr von weniger Rendite bei Vermögen selber anlegen, kann aber auch das Gegenteil von Risikon sein. Nämlich die Chance einen besseren Ertrag als die PK zu erzielen. Diese zahlen die Rendite ja auch nur durch einen Mix von Anlagen in Obligationen (Grossteil) und Aktien aus. Dieser war in der Vergangenheit ja nicht berauschend. Wenn man diese Strategie mit ETF auch abbildet ist das Risiko nicht grösser als wenn das Geld die Pensionskasse anlegt.

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