Aktien: Es kommt auf den Anlagehorizont an

Sparen für die Enkel: Bei Jüngeren lohnt es sich, langfristig zu planen. Foto: Getty

Sparen für die Enkel: Bei Jüngeren lohnt es sich, langfristig zu planen. Foto: Getty

 

Seit der Geburt meines Enkels vor 14 Jahren zahle ich monatlich einen Geldbetrag auf ein Konto ein und habe damit ETFs auf den SMI gekauft. In zwei Jahren möchte ich alles dem Enkel übergeben. Aufgrund der Börsenturbulenzen hat sich der Wert der ETF stark vermindert. Die Frage ist nun, ob ich die ETF verkaufen soll. Wird die Börse einen Teil der Verluste in den nächsten zwei Jahren aufholen? W.O.

Es wäre unseriös, wenn ich Ihnen eine konkrete Prognose auf diese Frage geben würde. Ich weiss schlicht nicht, ob der SMI die Verluste in den nächsten zwei Jahren aufholt und an seinen früheren Aufwärtstrend anknüpft. Derzeit gibt es im Markt so viele Unsicherheiten, dass fast alles möglich ist. Angefangen bei der Geldpolitik: In Europa sind die Zinsen noch stärker gesunken, und die Europäische Zentralbank (EZB) pumpt jeden Monat riesige Milliardensummen in das Finanzsystem in der Hoffnung, dass die Wirtschaft anspringt und die Inflation endlich steigt. Bis jetzt ist genau diese Strategie nicht aufgegangen. In den USA indes hat die Notenbank die Zinswende vollzogen. Allerdings ist nicht klar, wie robust die US-Wirtschaft wirklich ist.

Als Anleger müssen Sie sich fragen, was passiert, wenn die ultralockere Geldpolitik nicht greift. Ein Risiko ist die Deflation, welche die EZB mit ihren Finanzspritzen zu verhindern versucht – dass also die Güter und Dienstleistungen immer billiger werden, die Nachfrage in der Wirtschaft aber dennoch nicht zu-, sondern sogar abnimmt. Dann müsste man damit rechnen, dass der Crash auf Raten seit Jahresbeginn der Anfang eines Jahre dauernden Bärenmarktes gewesen wäre.

Grosse Gefahren für die Börsen beinhalten auch die aktuellen geopolitischen Risiken sowie ein möglicher Austritt von Grossbritannien aus der EU und die Präsidentschaftswahlen in den USA im November. Eine Trendwende an den Börsen wäre dann zu erwarten, wenn eine realistische Wahrscheinlichkeit für wieder steigende Unternehmensgewinne besteht. Doch da bin ich eher skeptisch: Da die Weltkonjunktur angesichts der Abschwächung in China und den grossen Schwellenländern wie Brasilien oder Russland an Dynamik verliert, dürfte es für die Unternehmen schwierig werden, die Gewinnqualität der letzten Jahre nur schon zu halten. Das Klima für Exportfirmen dürfte über den harten Franken hinaus frostiger werden. All dies spricht gegen eine rasche und anhaltende Erholung der Börsen.

Trotzdem rate ich Ihnen keineswegs, jetzt blind die Exchange Traded Funds auf den SMI für Ihren Enkel einfach zu verkaufen. Dann würden Sie allfällige Buchverluste realisieren. Viel wichtiger für Ihren Entscheid ist die Anlageperspektive Ihres Enkels: Da er jung ist, hat er einen langen Anlagehorizont. Da könnte es sinnvoll sein, dass Sie ihm in zwei Jahren nicht einfach das Geld auszahlen, sondern ihm die Wertschriften überlassen mit der Empfehlung, dass er diese langfristig behält. Vielleicht sogar als Basis für seine spätere Altersvorsorge. Wenn er dies tut, hat er eine gute Chance, dass die ETFs in zehn oder mehr Jahren deutlich mehr wert sind.

Kurz- und mittelfristig sehe ich für die Börsen erhebliche Turbulenzen und Risiken. Für junge Menschen wie Ihren Enkel sind Aktien und damit auch ETFs, wie Sie sie für ihn gekauft haben, aber trotzdem eine Anlageform, welche meines Erachtens auf lange Sicht die besten Renditechancen bietet.

 

Syngenta-Übernahmeangebot mit einigen Tücken

Ich habe 20 Aktien von Syngenta – gekauft bei 395 Franken – und nun eine Kaufofferte von Chemchina erhalten. Was geschieht, wenn die Übernahme nicht klappt? P.P.

Laut offiziellem Kaufangebot für Syngenta bietet Chemchina 465 US-Dollar in bar je Syngenta-Namenaktie. Zusätzlich verspricht das Angebot die Bezahlung von Dividenden an Inhaber von Syngenta-Aktien im Betrag von bis zu 16 Franken pro Anteilschein. Das Angebot liegt somit deutlich über dem aktuellen Börsenkurs.

Angesichts des attraktiven Preises würde ich das noch bis am 23. Mai 2016 laufende Übernahmeangebot annehmen. Auf den damit verbundenen Gewinn sollten Sie sich aber nicht zu früh freuen. Denn die Chinesen machen einige Vorbehalte: Sollte es bis zum Vollzug der Übernahme bis voraussichtlich Ende Jahr zu einer Gewinnverwässerung kommen, würde der offerierte Preis um den damit verbundenen Effekt vermindert. Vor allem aber ist die Übernahme an die Bedingung geknüpft, dass sie von allen wichtigen Wettbewerbshütern bewilligt wird, also auch vom wichtigen amerikanischen Committee on Foreign Investment (CFIUS), welches die Transaktion noch untersucht.

Genau darin liegt die Problematik des Übernahmeangebotes. US-Senatoren hatten in einem Schreiben an die CFIUS Bedenken zum Ausdruck gebracht, eine stärkere ausländische Kontrolle über wichtige Teile der US-Nahrungsmittelproduktion könnten die nationale Versorgungssicherheit gefährden, womit die Syngenta-Übernahme durch Chemchina kritisiert wurde. Syngenta selbst sieht diese Bedenken als unbegründet. Ob die CFIUS für die Übernahme schliesslich grünes Licht gibt, ist offen. Sollten diese und weitere Wettbewerbsbehörden die Transaktion ablehnen, wird es für Chemchina schwierig. Dann besteht ein erhebliches Risiko, dass die Übernahme nicht zustande kommt. Syngenta bliebe damit eigenständig und weiterhin an der Schweizer Börse kotiert. Sie als Anleger müssten aber damit rechnen, dass der Syngenta-Aktienkurs taucht. Damit wäre zwar das Rennen um eine Syngenta-Übernahme wieder offen. Ich befürchte aber, dass sich der Kurs nicht mehr so schnell erholen würde.

 

Keineswegs günstig

Von unserem Bankberater wurde uns die Investition in den CS Strategy Fund Conservative CHF empfohlen. Da wir eher vorsichtig anlegen, wurde ein Fund ausgewählt, der mit rund 75 Prozent – gemäss Berater mündelsicheren – Anleihen versehen ist. Auch scheinen uns die Managementgebühren mit 0,65 Prozent in einem akzeptablen Rahmen. Können Sie uns punkto Einstiegszeitpunkt eine Empfehlung geben? A.K.

Der CS Strategy Fund Conservative CHF hat zum Ziel, dank Investments in Anleihen und Dividendenpapieren eine regelmässige Ausschüttung zu ermöglichen. Derzeit ist das Kapital zu rund drei Vierteln in Obligationen von privaten und öffentlich-rechtlichen Schuldnern und zu rund 20 Prozent in Aktien angelegt. Bei den Aktien sind die grössten Positionen die Schweizer Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé, welche eine ansprechende Dividende abwerfen. Es kommen sowohl indirekte Anlagen über andere Fonds als auch Direktanlagen zum Einsatz. Währungsrisiken tragen Sie nicht, da die Investments ausschliesslich in Schweizer Franken erfolgen.

Punkto Sicherheit sollten Sie allerdings nicht von falschen Annahmen ausgehen: Auch wenn Ihr Bankberater betont, dass bei den Anleihen der Fokus auf Schuldner mit sehr gutem Rating gelegt wird, bedeutet dies keineswegs, dass Sie mit dem Fonds keine Verluste einfahren können. Die aktuelle Kursentwicklung seit Jahresbeginn zeigt Ihnen, dass die Marktturbulenzen auch an diesem Fonds – trotz der konservativen Strategie – nicht spurlos vorübergegangen sind, denn die Wertentwicklung ist negativ. Nur schon der Aktienanteil von einem Fünftel sorgt für Schwankungen. Auch bei den Anleihen kann es zu Rückschlägen kommen. Der hohe Obligationenanteil gibt dem Fonds zwar eine recht gute Stabilität. Da die Zinsen aber extrem tief sind, müssen Sie sich aber nach Abzug aller Gebühren mit einer bescheidenen Rendite zufriedengeben.

An sich ist ein solcher Fonds eher in Phasen mit deutlich höheren Zinsen interessant. Derzeit ist es wegen der rekordtiefen Zinsen schwierig, mit sehr sicheren Frankenanleihen nur schon eine Rendite zu erreichen, welche wenigstens höher als alle Gebühren ist. Darum sind Frankenanleihen mit Top-Rating renditemässig uninteressant. Falls die Zinsen irgendwann dann doch auch in Europa und bei uns steigen, müsste bei diesem Fonds zudem mit Kursrückschlägen bei den Anleihen gerechnet werden. Zudem stelle ich fest, dass man Ihnen punkto Gebühren nur die halbe Wahrheit gesagt hat. Wenn Sie nämlich alle Gebühren berücksichtigen, sind diese beim CS Strategy Fund Conservative CHF deutlich höher, als Sie annehmen. Mit einer Total Expense Ratio TER von 1,48 Prozent ist der Fonds wie die meisten vergleichbaren Strategiefonds keineswegs günstig. Zusätzlich wird ein Ausgabeaufschlag von 5 Prozent verrechnet.

 

 

 

 

 

1 Kommentar zu «Aktien: Es kommt auf den Anlagehorizont an»

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Nicht nur der Anlagehorizont spielt eine grosse Rolle, noch eine grössere Rolle spielt beim Kauf einer Aktie oder eines Fonds der Kaufzeitpunkt. Mit den meisten Aktien, die ich vor 15..17 Jahren gekauft habe, bin ich immer noch tief im Verlust. Hätte ich aber die gleichen Aktien vor 6 Jahren gekauft, hätte ich damit viel Gewinn gemacht. Im Nachhinein weiss man es dann immer besser, genau so wie unsere täglichen Analysten-Kommentare. Die meisten Analysten liegen übrigens am Ende immer falsch. Auch der Faktor Glück ist ein wichtiger Bestandteil, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu machen.

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