Teure Frühpensionierung

Wer sichs leisten kann: Frühpensionierung erfordert eine detaillierte Budgetplanung. Foto: Getty

Wer sichs leisten kann: Frühpensionierung erfordert eine detaillierte Vorsorgeplanung. Foto: Getty

 

Ich träume davon, mich frühpensionieren zu lassen. Wie sehe ich, ob ich mir das leisten kann? W.B.

Eine Frühpensionierung ist kostspielig. Denn mit jedem Jahr, das Sie weniger arbeiten, fällt das Altersguthaben bei der Pensionskasse geringer aus, da Sie ja weniger in der 2. Säule ansparen. Für diese Zeit fehlt Ihnen auch der Zins und der Zinseszins. Zu Buche schlägt aber vor allem die Tatsache, dass die Pensionskasse in der Regel den Umwandlungssatz, mit dem Ihr angespartes Altersguthaben in eine Rente umgewandelt wird, bei einer Frühpensionierung deutlich kürzt. Mit jedem zusätzlichen Jahr, mit dem Sie ab dem frühest möglichen Pensionierungsalter von 58 Jahren früher in Rente gehen, wird der Umwandlungssatz um etwa 0,2 Prozent reduziert. Das geht ins Geld. Sollten Sie ebenfalls die AHV vor dem ordentlichen Pensionierungsalter beziehen, wird auch die AHV-Rente bis zu Ihrem Ableben gekürzt. Realistischerweise nehmen aber die Lebenshaltungskosten kaum ab. Viele möchten nach einer Frühpensionierung das Leben geniessen und vielleicht vermehrt reisen oder Freizeitbeschäftigungen intensiver pflegen. Doch dies kostet zusätzlich Geld.

Ich empfehle Ihnen, sich je nach Ihren Plänen ein detailliertes Budget für die Zeit nach der Frühpensionierung zu erstellen und sich von der AHV und Ihrer Pensionskasse die finanziellen Konsequenzen dieses Schrittes konkret aufzeigen zu lassen. Denn auf die Frage, ob man sich eine Frühpensionierung leisten kann oder nicht, gibt es keine generelle Antwort. Die Antwort hängt von den individuellen Voraussetzungen des Versicherten ab. In jedem Fall lohnt es sich, die Vermögens- und Vorsorgeplanung von einem Spezialisten Ihrer Bank oder Versicherung frühzeitig, möglichst bereits mit 50, im Hinblick auf Ihr Ziel analysieren zu lassen.

Anhand Ihrer persönlichen Daten lässt sich dann rasch abschätzen, ob eine Frühpensionierung realistisch ist und welche zusätzlichen freiwilligen Sparanstrengungen für Ihre Vorsorge nötig sind, damit eine Frühpensionierung nicht nur ein schöner Traum bleibt.

 

Wie man sich gegen Kursverluste absichern kann

Können Sie mir auf eine einfache Art erklären, wie man seine Aktien, unkompliziert und nicht über sieben Ecken, absichern kann? A.M.

Viele Privatanleger machen den Fehler, dass Sie ihre Aktien nicht schützen und bei sinkenden Märkten viel zu lange zuwarten und schliesslich auf beträchtlichen Buchverlusten sitzen. Nicht selten verkaufen sie dann doch, wenn die Kurse schon sehr tief sind und bleiben den Märkten längere Zeit fern. Damit verpassen sie auch den günstigen Wiedereinstiegspunkt.

Umgehen kann man dies einfach mit einer Buy-and-hold-Strategie: Dass man also Qualitätsaktien wie Nestlé, Swiss Re oder Roche kauft und diese während vieler Jahre unabhängig von den Schwankungen liegen lässt. Bei Topaktien kann diese Strategie gut aufgehen. Wer das Gleiche indes mit den Grossbankenaktien CS und UBS gemacht hat, ärgert sich selbst nach Jahren über riesige Buchverluste.

Auf Aktien setzen und dennoch gut schlafen kann man, indem man sich nach unten absichert. Einfach möglich ist dies über sogenannte Stop-Loss-Aufträge. Hier legen Sie eine Kursgrenze fest, welche Ihre Titel nach Ihrer Einschätzung nicht unterschreiten dürfen. Wenn diese Kurslimite erreicht wird, wird die entsprechende Aktie automatisch verkauft. Sinnvollerweise sollte man die Kursgrenze nicht zu eng ans aktuelle Kursniveau setzen, da Sie sonst primär hohe Handelsgebühren für die Bank generieren, weil ihre Titel schon bei geringen Schwankungen verkauft werden und Sie die Papiere neu erwerben müssen, weil vielleicht doch kein richtiger Crash stattgefunden hat. Je nach Ihrer Risikofähigkeit würde ich die Kursgrenze rund 10 bis 15 Prozent unter dem jeweiligen Kursniveau definieren. Damit erreichen Sie keinen vollständigen Schutz, verfügen aber über ein wirksames Auffangnetz, falls die Kurse ins Bodenlose tauchen.

Eine andere Möglichkeit der Absicherung erreichen Sie mit Verkaufsoptionen. Ihre Schweizer Aktien können Sie beispielsweise schützen, indem Sie eine Verkaufsoption – also eine sogenannte  Short-Position – im Swiss Market Index eingehen. Wenn die Kurse tauchen, erleiden Sie zwar Buchverluste auf Ihren Aktien, gleichzeitig erreichen Sie über Ihre Verkaufsoption aber einen Buchgewinn, der die Verluste auf den Aktien idealerweise ausgleicht. Konkret können Sie beispielsweise Put-Warrants auf den SMI oder den SLI oder auf Ihre einzelnen Aktien kaufen. Diese Verkaufsoptionen geben Ihnen das Recht, aber nicht die Pflicht, ein daran gekoppeltes Wertpapier innerhalb einer definierten Zeitspanne zu einem festgelegten Kurs zu verkaufen. Sobald der Markt oder die an die Put-Option gebundene Aktie sinkt, erreichen Sie auf der Verkaufsoption eine Wertsteigerung. Wenn es mit Ihren Aktien aber munter aufwärtsgeht, sinkt der Wert der Put-Option und Sie verlieren das darin investierte Geld für die Absicherung, sofern sie diese nicht früher verkaufen. Der Betrag ist dann faktisch eine Versicherungsprämie, die Sie abschreiben müssen.

Es gibt noch weitere Produkte, mit denen Sie sich nach einem ähnlichen Muster absichern können. Etwas komplexer ist hingegen die Wahl des passenden Produktes. Hier rate ich Ihnen, sich von Ihrer Bank anhand Ihres Depots konkret beraten zu lassen, damit Sie zu vernünftigen Kosten eine wirksame Absicherung erreichen. Wenn Sie Verkaufsoptionen oder andere strukturierte Produkte zur Absicherung nutzen, müssen Sie diese regelmässig überwachen und erneuern, was je nach Depot aufwendig sein kann. Kostenlos ist die Absicherung jedenfalls nicht zu haben.

 

Einlagenschutz auf der Bank: Ein Restrisiko bleibt

In Ihrer Kolumne in der «SonntagsZeitung» mit dem Titel «Deutlich mehr Zins als die Konkurrenz» erwähnen Sie, dass die Einlagensicherung von 100’000 Franken pro Kunde und Bank keinen absoluten Schutz bietet. Wie hoch schätzen Sie denn das Risiko eines Totalverlustes ein? Demnach sind die Tausender unter der Matratze doch noch sicherer? M.C.

Der garantierte Einlagenschutz von 100’000 Franken pro Kunde bei den Banken in der Schweiz geht sehr weit. Das Risiko eines Totalverlustes und dass man seine Einlagen im Rahmen der garantierten Summe verliert, stufe ich als sehr gering ein. Meines Erachtens ist das Risiko, dass Ihnen das Geld von Einbrechern gestohlen wird, wenn Sie es zu Hause unter die Matratze legen, weit grösser. Zudem wäre das Geld auch weg, wenn es bei Ihnen zu Hause zu einem Brand käme. Sie sind also gleich mehreren Risiken ausgesetzt, wenn Sie die Tausendernoten unter die Matratze legen. Versichert wäre dieses Bargeld in hohen Summen daheim nicht. Daher ist es auf jeden Fall sinnvoller, wenn Sie das Kapital auf der Bank deponieren.

Doch man sollte nicht naiv sein. Bankpleiten und -zusammenbrüche gibt es auch bei uns. Vielen in schlechter Erinnerung ist der Konkurs der damaligen Spar- und Leihkasse Thun im Jahre 1991. Damals hat die Bank mehr oder weniger von einem Tag auf den anderen die Türen dichtgemacht, und Hunderte von Kunden versuchten verzweifelt, an ihr Geld zu kommen. Da damals nur Einlagen bis zu 30’000 Franken gesetzlich garantiert waren, verloren etliche Kunden erhebliche Summen. Inzwischen wurde der Einlegerschutz zwar auf 100’000 Franken deutlich erhöht, absolut ist dieser Schutz aber keineswegs. Seit rund zehn Jahren ist die Esisuisse beauftragt, die im Bankengesetz reglementierte Einlagengarantie hierzulande zu gewährleisten. Sollte eine Bank zusammenbrechen, überweisen alle Mitglieder der Esisuisse innert fünf Tagen die geforderten Beträge im Umfang von insgesamt bis zu 6 Milliarden Franken, damit den Kunden der in Schieflage geratenen Bank die im Rahmen des Konkursprivilegs garantierten Beträge von maximal 100’000 Franken ausbezahlt werden können.

Der Betrag von 6 Milliarden ist auf der einen Seite viel. Sollten aber plötzlich mehrere Banken zusammenbrechen, würde es wohl schwierig werden, alle Einlagen wie gesetzlich vorgegeben innert weniger Tage auszuzahlen. Im Klartext: Der Einlagenschutz in der Schweiz ist hoch, aber nie hundertprozentig. Ein kleines Restrisiko bleibt. Dieses können Sie aber in Kauf nehmen. Erst recht, wenn Sie auch bei den Bankbeziehungen diversifizieren und Ihre liquiden Mittel bei hohen Beträgen von über 100’000 Franken auf mehrere Banken verteilen oder aber in Wertschriften investieren. Denn diese bleiben auch im Konkursfall einer Bank immer im Besitz der Kunden.

 

 

 

 

9 Kommentare zu «Teure Frühpensionierung»

  • graf beat sagt:

    Könnte man sein verlorenes Vermögen unter Fr. 100’000.– auch mit Hypothekarschulden bei der gleichen Bank verrechnen, wenn denn der Gläubigerschutz versagen würde?

    • P. Jenni sagt:

      Um eine Verrechnung (Gläubigerschutz: Vermögen und Hypothek bei der gleichen Bank) sicherzustellen, muss die Bank bereit sein, die „Sicherungsvereinbarung“, die Sie im Zusammenhang mit Ihrer Hypothek unterschrieben haben, entsprechend anzupassen. Ich würde Ihnen empfehlen, dies mit Ihrem Kundenberater zu besprechen. Sehr oft haben die Banken sich bei der Unterzeichnung der Hypothek auch das Recht beschafft, meistens ohne „Wissen“ (sprich Realisierung) des Unterzeichners, die Hypothek auch an Dritte weitergeben zu können.

  • Rolf Rothacher sagt:

    Stopp-Loss-Aufträge funktionieren nicht, wenn die Börse „ins Bodenlose“ stürzt, weil dann die Handelssysteme rasch überlasten oder der Handel gleich ganz eingestellt wird und auf neuem, tieferen Niveau später weitergeführt wird.
    Wer also Angst vor einem Börsencrash hat, muss auf Put-Optionen (irgendeiner Art) setzen.
    Die beiden wichtigsten Aktien-Anlage-Tipps fehlen jedoch: Als Privatanleger sollte man Aktien nur mit dem Teils seines Vermögens kaufen, den man die nächsten 10 Jahre mit Sicherheit nicht antasten muss. Und man sollte nie auf Lombard-Kredite setzen und so sein Anlagevolumen künstlich mit Schulden erhöhen, auch wenn sie von gewissen Banken einem noch so schmackhaft gemacht werden.

  • Eron Thiersen sagt:

    Teuer wird es vor allem für die Allgmeinheit die jährlich über die Steuergelder Frühpensionierungen der Verwaltungsangestellten von Bund und Kantone finanziert.
    Obwohl Bund und Kantone als Arbeitgeber Vorbildfunktionen wahrnehmen sollten, geschieht dies nicht. In Zeiten von Überalterung, dringend notwendigen Verschiebungen des Renteneintrittalters nach hinten muss Schluss sein mit Privilegien und notorischen Unterdeckungen von Pensionskassen der öffentlich rechtlichen Arbeitgebern. Privilegien wie Frühpensionierungen müssen weg, die Angestellten müssen länger arbeiten, sie müssen die Unterdeckung ihrer Kassen selber tragen … das alleine entlastet die Steuerzahler in den nächsten Jahren um Miliarden!

    • Robert F. Reichmuth sagt:

      Sie sind auf der richtigen Spur, Egon Thiersen – sämtliche ALARMGLOCKEN schrillen auf höchstmöglicher Stufe in Sachen „Frühpensionierungen von STAATSANGESTELLTEN“ – das gibt ein gemeines Erwachen für die „Allgemeinheit“!

    • Karl Sauter sagt:

      Danke für den sehr gescheiten wahren Kommentar.
      Leider wird dies wahrgenommen.

  • P. Jenni sagt:

    Sehr oft wird bei einer Frühpensionierung vergessen, dass man bis zum Erreichen des offiziellen AHV Alters (64 Frauen/65 Männer) weiterhin AHV Beiträge zahlen muss. Berechnet werden diese AHV-Beiträge auf der Basis einer Formel, die das Vermögen und das Renteneinkommen bis zur Erreichung des 64., respektive 65. Geburtstages berücksichtigt. Je nach persönlicher Situation kann das dann sehr schnell einige tausend (oder substantiell mehr) Franken pro Jahr betragen. Das einzig Positive daran ist, dass man diese „AHV Beiträge für Nichterwerbstätige“ steuermässig abziehen kann. In vielen Fallen genügt es auch nicht, wenn man noch einen Teilzeitjob hat, mit dem man den minimalen AHV Beitrag von CHF 400 p.a. erreicht. Dazu gibt es strenge Bedingungen seitens der AHV (betr. Arbeitsdauer, etc.).

  • Manuel sagt:

    Schwierig wird die Simulierung einer Frühpensionierung, wenn Unsicherheit besteht betreffend der zukünftigen Entwicklung des Umwandlungssatzes, nicht? Zum Beispiel wenn man nicht weiss, wie der Umwandlungssatz im überobligatorischen Teil einer Pensionskasse sich in den Jahren bis zur Pensionierung entwickelt. So könnte es sein, dass sich der Verlust am Umwandlungssatz von 0.2 p.a. durch die Frühpensionierung mehr als ausgleicht durch eine Kürzung des allgemeinen Umwandlungssatzes bei der Pensionierung selbst. Oder rechne ich da falsch?

  • Dieter Neth sagt:

    Von wegen Zins und Zinseszins! Das war einmal! Heutzutage kann die Pensionskasse kaum noch eine Rendite erwirtschaften. Deswegen plädiere ich für ihre Abschaffung und das Auszahlen einer Rente, welche einen fixen Prozentsatz des GNP ausmachen kann. Wenn die Wirtschaft gut läuft, mehr Rente, wenn nicht, halt etwas weniger, wie für die Aktiven auch. Andernfalls werden viele Babyboomer mal im Ausland leben müssen, etwa in Eritrea. Soll günstig sein, gutes Klima. Oder sonstwo, wo man die magere Pension mit ein wenig informeller Arbeit aufbessern kann und keine Auslagen fürs Wohnen hat.

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