Besser auf Fonds oder aufs Sparkonto setzen?

Wer sein 3.-Säule-Geld in Fonds investiert, braucht einen langen Anlagehorizont – die Geduld zahlt sich meistens aus.

Gelassenheit zahlt sich meist aus: Wer Fonds kurzfristig abstösst, erfährt reale Verluste. Foto: iStock

Ich besitze seit Juni 2019 eine Wertschriften-Lösung CSA Mixta BVG und werde dieses Jahr 58 Jahre alt. Jetzt stelle ich mir die Frage, ob ich aufgrund des Coronavirus diesen Fonds verkaufen und nur noch ein normales 3a-Sparkonto halten soll. Was meinen Sie? E.S.

Die von Ihnen im Rahmen der steuerbegünstigten Säule 3a gehaltene Fondslösung CSA Mixta BVG investiert weltweit breit diversifiziert in Aktien, fest und variabel verzinsliche Werte sowie in indirekte Immobilienanlagen. Der Aktienanteil bewegt sich jeweils zwischen 25 und 45 Prozent des Nettovermögens.

Damit wird schnell klar, dass auch Ihr in der 3.-Säule-Fondslösung angelegtes Geld starken Schwankungen ausgesetzt ist und Sie nach den Turbulenzen an den Finanzmärkten und den starken Kursrückschlägen bei den Aktien wegen der Corona-Krise, dem Ölpreis-Crash und den Rezessionsängsten Buchverluste erlitten haben. Das kann auf den ersten Blick verunsichern, was ich gut verstehe, zumal man sich gerade bei seinem Vorsorgegeld Stabilität und Sicherheit wünscht.

Wenn man sein 3.-Säule-Kapital in Vorsorgefonds investiert, ist es wichtig, dass man einen langen Anlagehorizont hat. Denn mit Wertschriften ist man immer einem Anlagerisiko ausgesetzt. Bei Aktien sind die Schwankungen besonders stark, dafür bieten diese auch im aktuellen Tiefzinsumfeld hohe Renditechancen. Temporäre Kurstaucher sind allerdings nicht entscheidend. Auf die Langfristrendite kommt es an.

Auf einen Zeithorizont von sechs Jahren ausgerichtet haben Sie eine gute Wahrscheinlichkeit, dass sich die Märkte wieder erholen.

In Ihrem Fall stellt sich die Frage, ob Sie Ihr 3a-Säule-Konto, über das Sie die Fonds halten, erst mit der Pensionierung beim ordentlichen Rentenalter von 64 für Frauen beziehen möchten oder früher oder sogar später, weil Sie nach der Pensionierung allenfalls noch weiterarbeiten. Das alles entscheidet, welchen Anlagehorizont Sie haben.

Wenn Sie das Konto mit 64 beziehen, hätten Sie immerhin noch über sechs Jahre. Dann würde ich den Fonds trotz Buchverlusten jetzt nicht einfach blind verkaufen, sondern der gewählten Strategie treu bleiben. Zwar gehe ich davon aus, dass die Finanzmärkte wegen der vielen Unsicherheitsfaktoren auch künftig turbulent bleiben. Auf einen Zeithorizont von sechs Jahren ausgerichtet haben Sie aber eine gute Wahrscheinlichkeit, dass sich die Märkte wieder erholen. Eine Garantie dafür haben Sie allerdings nicht.

Wenn Sie jetzt Ihre Vorsorgefonds sofort abstossen, werden aus den Buchverlusten reale Verluste und es besteht keine Chance mehr für eine Erholung. Dafür gehen Sie nicht das Risiko ein, dass die Kurse noch tiefer sinken, was immer auch möglich ist.

Wenn Sie das Geld einfach aufs 3.-Säule-Konto legen, haben Sie kaum Zins, sind dafür aber keinen Kursschwankungen ausgesetzt. In einer heftigen Korrektur gleich zu verkaufen, erweist sich bei Wertschriften meist als schlechte Lösung. Darum rate ich im Grundsatz davon ab.

Überlegen würde ich mir allerdings, ob Sie wirklich für sich die optimalste Anlagelösung gewählt haben. Ihre Fondslösung CSA Mixta BVG weist mit einer Gesamtkostenkennziffer Total Expense Ratio TER von 1,3 Prozent hohe Gebühren aus.

Wenn Sie in eine digitale 3.-Säule-Fondslösung wechseln, wie Sie etwa die ZKB mit ihrer App Frankly oder auch andere Banken und Fintechfirmen anbieten, würden Sie etwa die Hälfte der Gebühren zahlen. Diese Gebühren gehen von Ihrer Rendite weg und schmälern über mehrere Jahre hinweg aufgrund des Zinseszinseffektes Ihre Gesamtrendite erheblich.

Ich persönlich würde trotz der Unsicherheitsfaktoren wie der Corona-Krise auch in der Säule 3a weiter in Vorsorgefonds investieren, dabei aber eine günstige 3.-Säule-Lösung nutzen.

6 Kommentare zu «Besser auf Fonds oder aufs Sparkonto setzen?»

  • Panja Flöte sagt:

    Es ist ein typischer Anfängerfehler, nach dem Kurstaucher alle Wertschriften zu verkaufen. Dadurch entstehen hohe Verluste, die nicht mehr hereingespielt werden können.

    Erfolgreiche Anleger verkaufen nicht in Krisensituationen, sondern sie kaufen nach. Natürlich ist zusätzlich eine breite Diversifikation nötig, sonst kann der Buy-and-Hold-Ansatz in die Hose gehen.

    Der 3a-Fonds der CS ist tatsächlich sehr teuer. Da gibt es weit bessere Lösungen (Vermögenszentrum, VIAC, Frankly).

  • Joe Amberg sagt:

    Die Kurse erholen sich? Sie bewegen sich fast auf Rekordniveau! Trotz Wirtschaftsaussichten die alles andere als gut sind. Würden die Notenbanken ihre Geldschwemme endlich einstellen, wäre eine Korrektur von 30% und mehr unausweichlich!

    • Götte Ernst sagt:

      Ihre Bemerkungen treffen den Nagel zu 100% auf den Kopf.
      Herrn Spieler fordere ich auf, dazu Stellung zu nehmen.

    • TJ sagt:

      Schauen Sie bitte die Bluechips im DAX und SMI an. Siemens zb hat sich zwar wieder um 60% erhohlt aber ist immer noch nicht beim Punkt angelangt wo sie im Januar waren.
      Sehr viele solide Unternehmen haben viel zu viel Wert unter den Panikverkäufen unbegründet verloren.
      Da finde ich den ausdruck „Rekordstände“ nicht unbedingt richtig, sieht man von der Börse ind der USA mal ab.

      Gruss

  • Chris sagt:

    TER 1.3% in einer 3 Säule ist unter den heutigen Markzuständen m.E. nicht vertretbar.
    Leider ist der Konsumentenschutz in der Schweiz, dank FIDLEG, eher schwach verglichen mit MiFiD in der EU.
    Aber das ist ja leider politisch so gewollt.

  • Felix Burger sagt:

    Erst im Alter von 57 Jahren in Fonds zu investieren finde ich keine wirklich gute Idee. Dies sollte in jüngeren Jahren geschehen.

Kommentar

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