Anlagetipps fürs Vorsorgegeld

Ob es sich lohnt, in Vorsorgefonds zu investieren, hängt vom Anlagehorizont ab. Mit den Jahren steigen die Chancen.

Doppelte Diversifikation: Eine Mischform von Bargeld und Fonds lässt Sie gelassen in die Zukunft blicken. Foto: iStock

Ich habe einiges für die 3. Säule gespart und auch zwei Konti. Sie empfehlen immer wieder, man solle das 3.-Säule-Geld in Fonds investieren. Ich bin 47, habe aber alles nur auf den Konten. Lohnt es sich für mich, wenn ich noch Fonds kaufe? A.K.

Ja. Als Mann werden Sie ordentlich mit 65 Jahren pensioniert. Bis dann müssen Sie Ihr Säule-3a-Kapital bezogen haben, ausser Sie würden noch weiter arbeiten: Dann dürften Sie das 3a-Konto bis 70 behalten und weiter einzahlen.

Ich gehe nun aber davon aus, dass Sie sich spätestens mit 65 pensionieren lassen. Das würde bedeuten, dass Ihnen ab heute noch 18 Jahre bis zur ordentlichen Pensionierung bleiben. Dieser Aspekt ist für die Anlage von Vorsorgegeldern entscheidend.

Wenn Sie kurz vor der Pensionierung stehen würden, wäre es aus meiner Sicht riskant, wenn Sie ausgerechnet jetzt noch Vorsorgefonds erwerben würden. Denn die Börsen können nach dem langen Aufwärtstrend der letzten Jahre jederzeit korrigieren und sich auch mal während einiger Zeit negativ entwickeln, wie wir dies im Zuge der Finanzkrise vor zwölf Jahren erlebten.

Ob es sich für Sie lohnt, in Fonds zu investieren, hängt somit vom Anlagehorizont ab. Bei fast zwanzig Jahren haben Sie eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass für Sie die Rechnung aufgeht und Sie dank Vorsorgefonds deutlich mehr Rendite pro Jahr erwirtschaften, als wenn Sie das Geld einfach wie bis anhin auf dem Konto liegen lassen. Auf dem Vorsorgekonto kriegen Sie kaum mehr Zins.

Die Teuerung hat aber zur Folge, dass der Wert Ihres Geldes auf dem Konto stetig leicht an Wert verliert. Das sehen Sie direkt nicht, da der ausgewiesene Kontostand nicht zurückgeht. Aber wegen der Teuerung nimmt die Kaufkraft Ihres Geldes langfristig ab. Wegen der Corona-Krise und des Ölpreis-Crashs hatten wir im Mai wieder eine Negativteuerung. Doch das war eine Sondersituation, die sich langsam wieder ausgleicht.

Wichtig ist, dass Sie sich von den Kursschwankungen nicht irritieren lassen.

Gegensteuer geben gegen die Teuerung können Sie, indem Sie eine höhere Rendite auf dem Geld erwirtschaften als die Teuerung. Möglich ist das dank Vorsorgefonds. Je nach gewählter Anlagestrategie mit einem kleineren oder höheren Aktienanteil müssen Sie mit stärkeren Kursschwankungen rechnen. Bei einem hohen Aktienanteil haben Sie höhere Renditechancen, tragen aber auch ein erhöhtes Anlagerisiko und das Risiko von sehr starken Kursschwankungen, wie wir es während des Corona-Crashs gesehen hatten.

Da Sie ein konservativer Anleger sind, würde ich es mit dem Aktienanteil trotz der höheren Renditechancen nicht übertreiben. Selbst mit einem Aktienanteil von 25 oder 45 Prozent haben Sie eine grosse Chance, dass Sie beim Bezug des Vorsorgegeldes mehr auf der hohen Kante haben, als wenn Sie das Geld nur auf dem Konto liegen lassen.

In Ihrem Fall würde ich eine Mischform wählen. Einen Teil des Geldes können Sie wie bis anhin konservativ auf dem Konto liegen lassen und den Rest in Vorsorgefonds mit tiefen Gebühren investieren. So erreichen Sie eine doppelte Diversifikation: Falls die Börsen abstürzen, haben Sie nicht gleich alles angelegt, gleichzeitig haben Sie aber die Chance, mit einem Teil des Geldes am langfristigen Aufwärtstrend der Finanzmärkte zu partizipieren.

Wichtig ist allerdings, dass Sie wirklich langfristig investieren und dabei bleiben und sich auch von den Kursschwankungen, die Sie mit den Fonds erleben werden, nicht irritieren lassen.

Falls Sie mit Kursschwankungen gar nicht umgehen können und deswegen sogar schlaflose Nächte hätten, was ich durchaus verstehen kann, müssten Sie wohl auf Fonds verzichten. Allerdings bedeutet dies, dass Sie vor der Pensionierung weniger Geld auf der hohen Kante haben und auch die Teuerung langfristig am Wert Ihres Sparbatzens nagt.

5 Kommentare zu «Anlagetipps fürs Vorsorgegeld»

  • Panja Flöte sagt:

    Ich kann die Angebote von VIAC und Frankly (ZKB) als 3a-Fonds-Sparlösungen sehr empfehlen (günstige und passive Index-Produkte). Als 47-jähriger würde ich den Aktienanteil so hoch wie möglich schrauben und eine globale Anlagelösung wählen (ich habe „Global 100“ und „Extreme 95 Index“ gewählt). Ab 5 Jahren vor der geplanten Auszahlung kann man den Aktienanteil etwas runterschrauben (das geht ganz einfach in der VIAC- und Frankly-App).

    • Paul Kellenberger sagt:

      Ob es für langfristiges Anlegen wirklich ein App wie das VIAC- oder Frankly-App braucht, bezweifle ich.
      Da gibt auch gute Lösungen mit EFT‘s mit unterschiedlichen Aktienanteilen vom VZ Vermögenszentrum. Diese bieten zudem gute und kostenlose workshops an rund ums Thema Geld anlegen.

  • German sagt:

    Habe mit BVG 3 Fonds von Swisscanto gute Erfahrungen gemacht.

  • Alexander M. sagt:

    Ich habe mich für Descartes Vorsorge entschieden. Bei dieser Plattform habe ich digital ein Säule3a Wertpapierkonto abgeschlossen. Was mich überzeugte: Ich kann 100% in Aktien gehen, den Anteil aber auch jederzeit reduzieren. Zudem haben sie nicht einfach „nur“ ETF. Denn ETF ist letztlich nur der Marktdurchschnitt. Ich bin seit Dezember investiert und konnte den Coronaverlust besser abfedern, als der Gesamtmarkt. Mir gefällt auch der einfache, schlichte Auftritt.

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