Achten Sie auf das Kleingedruckte!

In den Verträgen vieler Banken finden sich Bestimmungen, die im Krisenfall für den Kunden zum Fiasko werden können. Worauf Sie achten müssen.

Kaum jemand liest bei Depoteröffnungen alle Zusatzbestimmungen: Wer Risiken ausschliessen will, sollte dies jedoch tun. Foto: Getty Images

Man muss wissen, dass Banken mit Aktien in den Depots sogenanntes «Security Lending» betreiben. Sie leihen diese Aktien gegen eine entsprechende Vergütung an Dritte aus. Sollte man den Depositären nicht wieder einmal in Erinnerung rufen, dass wenn ihre Bank Konkurs anmeldet, diese ausgeliehenen Aktien für den Depositär praktisch verloren sind – weil diese Aktien eben in diesem Moment gar nicht mehr im Besitz der Bank sind? U.M.

Ja, ich teile Ihre Meinung. Noch besser ist es aus meiner Sicht, wenn man als Kunde seiner Bank das Security Lending gar nicht erlaubt. Man sollte sein Einverständnis dafür nicht gegeben, obwohl die Bank den Kunden dafür eine kleine Einnahme verspricht. Meines Erachtens macht man ein schlechtes Geschäft, wenn man sich auf das Security Lending einlässt. Die Zusatzrendite, die man damit erwirtschaftet, ist im Verhältnis zum erhöhten Risiko, das man trägt, bescheiden.

Oft ist es sogar so, dass die meisten Leute nicht einmal wissen, dass Sie ein zusätzliches Risiko aufgrund des Security Lending in Kauf nehmen. Denn viele Institute haben die Wertpapierausleihe in den vielen Vertrags- und Geschäftsbestimmungen, die man bei Depot- und Kontoeröffnung unterschreibt, versteckt. Mit der Unterschrift erteilt man sein Einverständnis. Kaum jemand liest all die vielen Verträge und Zusatzbestimmungen. Insbesondere im Kleingedruckten finden sich einige Bestimmungen, die im Krisenfall für den Kunden sehr nachteilig sein oder sogar zum Fiasko werden können.

Beispiele dafür sind das von Ihnen erwähnte Security Lending oder der Verzicht auf das Verrechnungsrecht, wenn man bei einer Bank sowohl Konten führt und Geld deponiert hat als auch Kredite wie eine Hypothek offen hat. Viele Institute lassen ihre Kunden unterschreiben, dass sie darauf verzichten, dass das Guthaben mit dem Kredit verrechnet werden kann.

Die Coronakrise hat viele Anleger gegenüber Risiken sensibilisiert. Das alleine genügt aber nicht.

Im Konkursfall kann es so passieren, dass man liquide Guthaben auf dem Konto, die den Maximalbetrag der gesetzlichen Einlagensicherung von 100’000 Franken pro Kunde übersteigen, verliert, aber weiter auf dem vollen Kredit der Bank sitzt und diesen weiter verzinsen und abzahlen muss.

Beim Security Lending bekommt der Kunde als Lender immerhin eine Gebühr. Wenn die Wertschriften aber nicht wie vereinbart fristgerecht zurückgegeben werden und die Bank, welche die Papiere geborgt beziehungsweise weitergegeben hat, zusammenbricht, hat man ein gravierendes Problem. Da nützt es wenig, dass grundsätzlich gilt, dass Wertschriften bei einer Bankpleite im Besitz der Kunden verbleiben. Denn das Problem ist, dass die Kunden, wie Sie richtig hinweisen, zum Zeitpunkt des Bankkonkurses vielleicht gar nicht im Besitz der Wertpapiere sind, sondern die Titel an die Bank ausgeliehen wurden.

In der Praxis ist es tatsächlich so wie Sie es antönen: Die im Rahmen des Security Lending ausgeliehene Wertschriften sind bei einer Bankpleite faktisch verloren. Zwar kann man dann im Konkursverfahren seinen Anspruch gegenüber der Bank anmelden. Viel zu holen ist in dieser Konstellation allerdings kaum mehr wie man aus dem Fall der Lehman-Pleite während der letzten Finanzkrise weiss.

Die Coronakrise hat viele Anleger gegenüber Risiken sensibilisiert. Das alleine genügt aber nicht. Man sollte auch weniger offensichtliche Risiken wie das Security Lending reduzieren oder möglichst ganz ausschliessen.