Ab wann gilt Traden als gewerbsmässig?

Wer intensiv mit Wertschriften handelt, riskiert, vom Steueramt als gewerbsmässiger Händler eingestuft zu werden.

Hobby oder Beruf? Wer regelmässig Derivate handelt, sollte die steuerlichen Konsequenzen prüfen. Foto: iStock

Wenn ich als privater, professioneller Wertschriftenhändler tätig sein möchte, soll ich das als Privater machen oder soll ich dazu eine GmbH gründen? T.F.

Wenn Sie für Ihr Vorhaben eine GmbH gründen, was durchaus möglich ist, hätte das für Sie den Pluspunkt, dass mögliche Verluste auf Ihren Wertschriftengeschäften vom Gewinn der Gesellschaft in Abzug gebracht werden dürften. Gleichzeitig müssten Sie als professioneller Wertschriftenhändler jedoch sämtliche Gewinne auf Ihren Anlagen über Ihre Firma versteuern – ebenso die Dividenden.

Als Privatanleger, der von den Steuerbehörden nicht als professioneller Wertschriftenhändler eingestuft wird, was ich immer noch für die beste Lösung halte, können Sie allfällige Verluste zwar nicht abziehen. Dafür aber sind Kursgewinne steuerfrei. Dividenden und Zinsen indes müssen wie üblich versteuert werden.

Wie hart die Steuerämter bei der Anwendung der Kriterien in der Praxis tatsächlich sind, kann ich nicht sagen.

Wenn man lieber verhindern will, dass man als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler eingestuft wird, sollte man die Wertschriften, die man abstösst, jeweils wenigstens während eines halben Jahres gehalten haben. Weiter sollte das gesamte Volumen aller Transaktionen pro Jahr nur maximal das Fünffache des Wertschriften- und Guthabenbestands zum Anfang der Steuerperiode ausmachen und Ihre Börsengeschäfte sollten nicht fremdfinanziert sein. Weiter dürfen Ihre Kapitalgewinne pro Jahr die Hälfte Ihres Reineinkommens nicht übersteigen und Derivate sollten lediglich als Absicherung für Ihr Portfolio genutzt werden.

Wie hart die Steuerämter bei der Anwendung der Kriterien in der Praxis tatsächlich sind, kann ich nicht sagen. Wenn Sie indes zumindest einige der Kriterien zur möglichen Einstufung als gewerbsmässiger Wertschriftenhändler erfüllen, also zum Beispiel täglich intensiv mit Derivaten handeln und dazu auch Fremdkapital nutzen, wäre das für mich ein Alarmsignal und ich würde die steuerlichen Konsequenzen der Tradingaktivitäten genau prüfen.

Die Gründung einer GmbH bringt aus meiner Sicht nicht wirklich die Lösung. Allerdings kann ich Ihnen Ihre Frage nicht abschliessend beantworten und empfehle Ihnen, die genauen steuerlichen Folgen direkt mit den Steuerbehörden Ihres Wohnkantons oder mit einem Treuhänder beziehungsweise einem auf die Versteuerung von Firmen spezialisierten Steuerexperten im Detail abzuklären. Ansonsten laufen Sie Gefahr, dass Sie später seitens der Steuerbehörden mit unangenehmen Überraschungen konfrontiert werden.

Auch würde ich genau abklären, ob es sich für Sie wirklich lohnt, wenn Sie professionell, also im steuerlichen Sinne gewerbsmässig traden oder ob Sie unter Abwägung aller eingegangen Risiken und möglichen Steuerfolgen unter dem Strich allenfalls besser fahren, wenn Sie nur gelegentlich traden und streng darauf achten, dass Sie die Kriterien zur Einstufung als gewerbsmässiger Händler sicher nicht erfüllen.

13 Kommentare zu «Ab wann gilt Traden als gewerbsmässig?»

  • Anh Toàn sagt:

    1. Haben Ihre AHV-Zahlungen Steuercharakter, also bekommen Sie gleich viel Rente, wenn sie noch mehr einzahlen (müssen)? Bei Selbständigkeit ist der gesamte Gewinn AHV-Pflichtig, bei GmbH entscheiden Sie, wie viel Lohn Sie sich geben und Sozialabgaben zahlen.

    2. Mit GmbH zahlen man einen Teil der Steuern in der GmbH, jedes Jahr auf den Gewinn, den zweiten Teil aber erst, wenn die Gewinne aus der GmbH ins Privatvermögen fliessen: Den zweiten Teil kann man konstant lassen, Mittelwert zwischen stark schwankenden Gewinnen und sogar auch Verlusten, und so evtl Progression bei Steuern mildern.

    Wenn AHV Steuer ist, also mehr zahlen nicht mehr Rente bringt, kann sich GmbH lohnen. Sonst sicher nicht..

    • Anh Toàn sagt:

      Falls man bisher nicht als gewerbsmässiger Händler eingestuft wurde und ein Verlustjahr hat, versucht man den Verlust als aus selbständige Tätigkeit resultierend abzusetzen: Die Steuerverwaltung wird einem klar machen, dass dies nicht Erwerbstätigkeit war, sondern Kapitalverlust: Dann hat man es für die Zukunft schwarz auf weiss.

      Und falls Sie mal Bundesrat wahren, können Sie mit der GmbH nur Dividenden, kein Erwerbseinkommen verdienen und Ihren Anspruch auf Bundesratsrente wahren.

    • Anh Toàn sagt:

      Es geht auch nicht nur um Verluste, die können Sie auch von zukünftigen Gewinnen absetzen als selbständiger Trader. Es geht viel mehr darum, die jedes Jahr steuerfreien Einkünfte voll auszuschöpfen: Haben Sie ein Jahr 0.00 Gewinn und das andere CHF 70’000, zahlen Sie viel mehr Steuern, als wenn Sie beide Jahre 35’000 verdienen: Mit einer GmbH können Sie die steuerbaren Erträge glätten, das persönliche Einkommen konstant halten, also oder auch mal mehr verdienen, wenn grösser Unterhaltsarbeiten an der eigenen Liegenschaft anstehen und absetzbar werden. Oder später, wenn Sie woanders Steuern zahlen können, andere steuerbare Einkommensteile wegfallen werden.

  • Steuerrichter sagt:

    Wer nicht dauernd tradet, sollte schauen, unter dem „Radar“ der Steuerverwaltung zu bleiben. Vielen Kantonen muss ich nur die Bestände zum Jahresende melden. Was unter dem Jahr passiert, erfährt die StV nur, wenn der Steuerbeamte sich näher für den Fall interessiert. Ein wenig „window dressing“ zum Jahresende hilft da durchaus.
    Wer einmal als möglicher „Gewerbsmässiger“ bekannt ist, dürfte auch in den Folgejahren genauer angeschaut werden. Darum gut überlegen, ob einen Verlust zu deklarieren, sich langfristig lohnt.

    • Anh Toàn sagt:

      Wenn der Vermögenszuwachs ausserordentlich hoch ist, interessiert sich die Steuerverwaltung immer dafür, wie das genau zu Stande kam. (Vermögenszusammenhang: Vermögen letztes Jahr, + Einkomme ./. Lebenshaltungskosten = Vermögen Ende Jahr wird immer geprüft). Ist der Zuwachs bescheiden, ist es ja auch nicht wirklich wichtig. Und gerade, wenn er überdurchschnittlich gross ist, ist dies Indiz, dass dies Resultat von Arbeit war (professionelle Tätigkeit) und nicht Zufall.

  • Anh Toàn sagt:

    Wenn der Mann sagt, er wolle als gewerbsmässiger Ttrader handeln, ist die Antwort, er solle das besser bleiben lassen und so „traden“, dass die Steuern es als private Vermögensverwaltung betrachten, an der Frage vorbei! Er hat nicht gefragt, wie viel er handeln soll, sondern wie er sein vieles Handeln (steuer-)rechtlich organisieren soll.

    Grenzfälle werden immer so handeln, dass keine Einstufung als Gewerbsmässigkeit erfolgt, die Kapitalgewinne steuerfrei bleiben. Bei den Anderen ist es offensichtlich, auf Grund der Anzahl Trades. So wie die Frage formuliert ist, will der clicken bis der Finger taub ist, das ist Arbeit. Er will privater professioneller Händler sein, „privater“ kann nur meinen, nicht auf fremde Rechnung, aber er will nicht eigenes Geld/Vermögen anlegen/verwalten.

  • Alain Surlemur sagt:

    Lieber T. F.
    Nach meiner Erfahrung sind 90%+ derjenigen die sich als professionelle (Day)Trader versuchen nach einem Jahr pleite. Dann stellt sich die Frage nach der Besteuerung nicht mehr….
    Ich wünsche Ihnen Glück, Sie werden es brauchen!

    /nur so meine zwei Optionen

    • Timo sagt:

      Genau darum ist es doch äusserst wichtig, so kann man wenigstens die Verluste bei den Steuern abziehen.

    • Andy S sagt:

      Es sind 70-75%. Vom Resten, machen die meisten +/- 0.
      In den letzten 3 Monaten, war aber sehr viel zu holen, womit ich mich auch mit dieser Frage beschäftigen muss

    • Martin Leu sagt:

      Dies liegt daran, dass die Wenigsten begriffen haben, dass Trading ein Beruf ist, für den es eine fundierte Ausbildung und jahrelange Erfahrung braucht, um langfristig profitabel zu sein. Die meisten lesen im besten Fall irgend ein Buch und traden dann mit zu kleinem Konto und viel zu hohem Risiko planlos und ohne konsequentes Money-Management drauflos. Nach drei Monaten ist das Konto im Schnitt dann platt. Aber das Geld ist ja nicht weg, es hat es bloss ein anderer 🙂

  • Bernhard Piller sagt:

    Beim Traden ist es so: Wenn Sie Gewinn machen, dann sagt das Steueramt, Sie seien ein gewerbsmässiger Händler, und besteuert Ihren Gewinn.
    Wenn Sie ein Jahr später Verluste machen, dann sagt das Steueramt, Sie seien kein gewerbsmässiger Händer, denn wenn Sie ein gewerbsmässiger Händer wären, würden Sie keinen Verlust machen. Und erlaubt Ihnen nicht, den Kapitalverlust mit den sonstigen Einkommen zu verrechnen.
    Alles schon vorgekommen!

  • Hans Meier sagt:

    Was ist denn die unliebsame Überraschung? Es ist bekannt dass die Kapitalgewinne versteuert werden müssen und dass darauf Sozialabgaben geleistet werden müssen, aber das ist ja schon bekannt. Und wenn die Gewinne genug hoch sind ist der Gewinn ja immer noch da und höher als wenn man ihn gar nicht gemach hätte…

    • DaniK sagt:

      Kaptalgewinne müssen (privat) nicht versteuert werden! Wenn ich eine Aktie für 1000 kaufe, und nach einer Weile für 2000 verkaufe, ist das kein Einkommen.

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