Tessin an der Aare

Top, der Berner Sommer: viel Kul­tur unter freiem Himmel, kaum Socken in der Dreckwäsche, die Aare fast schon konstant bei 20 Grad. Und weil man jetzt nicht zu viel Freizeit mit Einkaufen und Kochen verbringen sollte, ist es auch eine gute Zeit dazu, regelmässig auswärts zu essen. Die Ferien der Kolleginnen und Kollegen sind bestimmt viel teurer!

Ein guter Ort für Feriengefühle ist das Grottino vis-à-vis vom Marzili. Die Bocciaanlage ist in den letzten Sommern un­ter­schiedlich zwischengenutzt worden. Dieses Jahr heisst sie «Grottino by Metzger­stübli» und wird vom arrivierten Lokal an der Münstergasse als Aussenstation betrieben. So klein wie der Ort ist die Karte, so simpel das Konzept: Auf der Anlage, die von Heimweh-Tessinern gegründet wurde, soll das meiste ans Tessin erinnern. So sind die Weine, ob weiss oder rot, Merlots, der schwerste (und teuerste) ein prächtiger Castello di Morcote (79 Fr.). Für den kleinen Hunger gibts unter anderem Fleisch- oder Käseplättli ticinese oder Salametti mit Maggiabrot.

Unser Hunger indes war gross, und so begannen wir mit den ­beiden Vorspeisen des Abends, ei­nem tadellosen Salat mit Dörr­tomaten, Oliven und Gemüsestreifen für günstige 7.50 Franken und einem exzellenten, schön rassig gewürzten Rinds­tatar (21 Fr.), begleitet von zwei Tupfern Olivenkonfitüre, ein­gelegten Minizwiebeln, Sprossen und einem Melonenschnitz. Beides ist auch als Hauptgang erhältlich.

Alle anderen Hauptgänge haben ein sämiges, mit viel Mascarpone angereichertes Risotto zur Grund­lage. Den Reis lassen sich die Betreiber aus Ascona liefern. Wir mögen den Risotto auch mit weniger Rahmkäse, doch an der Zubereitung gab es gar nichts zu mäkeln.

Uneingeschränkt glücklich machten uns die dazu bestellte Lugani­ghetta (25 Fr.), zu denen es ein fruchtiges Chutney gab beziehungsweise die Gamberoni Wildfang (33.50 Fr.), die mit Kurkuma gewürzt und sanft gebraten waren.

 

Zum Dessert teilten wir uns eine Torta di pane mit Doppelrahm (7.50), die sonst ausserhalb des Tessins tatsächlich kaum zu finden ist. Einst ein Arme-Leute-Gericht, heute ein Tourismus­faktor: Wir verreisen schon auch wieder – spätestens im Oktober, wenn das Grottino schliesst.

Grottino, Dalmaziquai 111. Mi bis So 

Die Quittung

Auf dem Tisch: Plättli, Antipasti, Risotto mit verschiedenen Ausbaumöglichkeiten.
Abgerechnet: Faire Preise; der «nackte» Risotto kostet 19.50 Fr.
Aufgefallen: Die Beizer pflegen die Nähe zum Club und werben für offene Bocciaabende.
Abgefallen: Niente.

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