Logo

Das Kriegsgerät der Ukraine und Russland im Vergleich

Von Luca De Carli, 3. März 2014 6 Kommentare »
Truppenmässig ist die ukrainische Armee der russischen weit unterlegen. Doch was steht in Hangaren und Kavernen? Und was taugt dieses Kriegsgerät?

Noch schweigen die Waffen in der Ukraine, noch ist ein Angriff auf das Festland des zweitgrössten Staates in Europa nur eine russische Drohung. Sollte es aber je so weit kommen, muss Russland wohl mit deutlich mehr Widerstand rechnen als 2008 in Georgien. In einem klassischen Bodenkrieg habe die ukrainische der russischen Armee einiges entgegenzusetzen, sagt Matthew Clements vom Fachblatt «Jane’s Intelligence Review» gegenüber der «New York Times». Ein derart grosser Konflikt würde zudem auch einige Schwächen der russischen Armee offenbaren.

Rein zahlenmässig ist diese den ukrainischen Streitkräften allerdings weit überlegen. Das russische Budget liegt bei rund 78 Milliarden Dollar pro Jahr, das ukrainische bei etwa 1,6 Milliarden Dollar. 123’000 reguläre ukrainische Soldaten stehen 845’000 russischen gegenüber.

chartoftheday_1953_The_military_strength_of_Russia_and_Ukraine_n

 

Trotzdem sind die nackten Zahlen zur ukrainischen Armee beeindruckend. Die aktuellsten Angaben finden sich im Weissbuch des Verteidigungsministeriums, das 2013 veröffentlicht wurde. So stehen der Armee laut offiziellen Angaben zum Beispiel 727 Panzer zur Verfügung oder 163 Kampfflugzeuge. Gemäss Globalfirepower.com sind es sogar über 4000 Panzer und 400 Kampfflugzeuge.

Allerdings ist das verfügbare Gerät grösstenteils veraltet. Nach dem Ende der Sowjetunion übernahm die Ukraine gewaltige Bestände von der Roten Armee. Grosse Teile wurden inzwischen eingemottet oder auch verkauft – wie etwa der einzige Flugzeugträger, der heute in einer modernisierten Version von der chinesischen Armee genutzt wird. Die auf dem Gebiet der Ukraine stationierten Atomwaffen wurden im Lauf der 1990er-Jahre vernichtet. Der letzte Sprengkopf im Jahr 2001.

Nur ein Bruchteil des ohnehin kleinen Militärbudgets der Ukraine wurde in den letzten Jahren in neue Rüstungsgüter investiert. 180 Millionen Dollar waren es 2012. Die Zahlen waren in den 2000er-Jahren allerdings angestiegen. Es gab denn auch verschiedentlich Anläufe, die Streitkräfte zu modernisieren. Die Pläne wurden allerdings nur zu einem kleinen Teil erfüllt, wie Zahlen des Verteidigungsministeriums zeigen.

Die Ukraine verfügt im Jahr 2014 also nur über wenige moderne Panzer und Kampfflugzeuge. Darunter rund zehn T-84-Panzer aus eigener Produktion, die ab 1999 eingeführt wurden, sowie mehrere Dutzend T-64, die ebenfalls in der Ukraine in den 1990er-Jahren in einer modernisierten Version produziert wurden. Die ukrainische Kampfjetflotte besteht im Wesentlichen aus SU-27 und MiG-29. Es sind Flugzeuge, die noch zur Zeit der Sowjetunion entwickelt worden waren. Einige wenige konnte die Ukraine modernisieren. Zwischen 2006 und 2011 waren es laut dem Verteidigungsministerium 1 MiG-29 und 2 SU-27.

Bei der Flotte im Schwarzen Meer, die erst 1997 offiziell zwischen Russland und der Ukraine aufgeteilt wurde, hat die Ukraine von Anfang an praktisch nur veraltetes Gerät erhalten und hatte danach kaum Mittel, um dieses zu erhalten. Einsatzbereit sein soll heute im Wesentlichen noch ein grosses Kampfschiff, die Fregatte Hetman Sahajdatschny.

Anders als die russische Armee profitierte die ukrainische während mehrerer Jahre von einer Zusammenarbeit mit der Nato. Die Nato-Instruktoren zogen sich allerdings zurück, als der inzwischen abgesetzte Präsident Wiktor Janukowitsch 2010 die Möglichkeit eines Beitritts zum Verteidigungsbündnis endgültig ausschloss.

Die Organisation der Streitkräfte wurde in den letzten Jahren modernisiert. Diese Reform hat allerdings in der aktuellen Ausgangslage einen grossen Haken. Neu dürfen ukrainische Soldaten ihren Dienst auch in ihren Heimatregionen verrichten. Die Folgen zeigen sich auf der Krim: Ein grosser Teil der dort stationierten ukrainischen Truppen setzt sich aus ethnischen Russen zusammen. In den letzten Tagen berichteten die russischen Medien von einer grossen Zahl Überläufer. Bestätigt wurden diese Meldungen bis jetzt allerdings nicht.

Schliesslich hat die ukrainische Armee noch ein Problem, wie ein russischer Strategie-Experte gegenüber der «New York Times» sagte: Die ukrainischen Militärbasen sind noch immer auf einen Angriff aus dem Westen ausgerichtet und die Verteidigungsanlagen Richtung Osten schwach – ein weiteres Erbe aus der Sowjetzeit.

Die Militärparade von 2008

Die ukrainische Armee präsentiert sich anlässlich des Unabhängigkeitstages von 2008. (Quelle: Alexandr Chernoff/Youtube)

6 Kommentare zu “Das Kriegsgerät der Ukraine und Russland im Vergleich”

  1. Kaegi Peter sagt:

    Noch vor der Olympiade wurde auch in dieser Zeitung von US-Kriegsschiffen berichtet, die in die Region beordert wurden um evtl. US-Bürger vor Terroristen zu schützen. Wo sind diese Schiffe nun? Und wer hat welche Atomwaffen in diesem Gebiet?
    Manchmal ist ein Zeitungsarchiv aufschlussreicher als ein aktueller Artikel.

  2. Eddy Dreier sagt:

    Diese Statistik und Aussagen wären doch auch interessant bei den Ländern, die die USA hin und wieder überfällt. So zB. Afgahnistan mit Panzern von 1916. Und alle Welt sollte doch auch da schreien: “Unfaire Verhältnise!”
    Aber das macht niemand – warum? Weil doch alles nur noch Propaganda ist. Mit Hitler hat es nicht aufgehört – es hat angefangen. Und die Nazis wurden nicht ausgerottet, sondern wurden in den USA willkommen geheissen – nicht nur für Mondflüge!
    Steht auf, Menschen der Welt – oder ihr schickt eure Söhne wieder in einen Weltkrieg!

    • sandro sagt:

      @Eddy Dreier sind Sie doch einfach froh darüber, dass es wenigstens Länder wie die USA gibt, welche im Gegensatz zu den meisten anderen den finger mal rausnehmen und nicht nur gute Miene zum bösen Spiel machen. Ohne Sie wäre der islamistische Terror schon viel weiter fortgeschritten. Klar, Eine Invasion kann natürlich eine zusätzliche Radikalisierung bewirken. Hier gilt es jedoch, Nutzen und Risiko abzuwägen. Sie Herr Dreier glauben sicher auch daran, dass 9/11 von der amerikanischen Regierung geplant wurde. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin überhaupt kein blinder USA Fanatiker, viele Dinge liefen/laufen dort falsch. Aber wo Aktionen stattfinden, passieren Fehler. Ob die Schweiz bei der selben Grösse und Wirtschaftsmacht immer noch so neutral wie jetzt wäre, wage ich zu bezweifeln.

      • mike sagt:

        Lieber sandro, nur dumm, dass diese sogenannten terroristen selbst von den usa hervorgerufen wurden und tatsächlich auch deren waffen tragen… Bitte recherchieren und sich eine neutrale sichtweise öffnen

  3. Hj sagt:

    Es wird zu keinen Konfrontationen zwischen den regulären Verbänden kommen. Die Ukrainische Armee ist faktisch – und in Relation zu den Russischen Truppen – inexistent. Und das wissen beide Seiten.
    Wenn also irgendwann ein Funke überspringt, dann geschürt durch heisspornige Bürgerwehren/Demonstranten, ausländische Dienste oder Vasallen der zunehmend frustrierten Interims-Regierung in Kiew.
    Es wird auch keine Konfrontationen geben, weil Putin’s Oligarchen Kollegen grundsätzlich am Geschäft interessiert sind. Das Gas soll fließen – und zwar durch die Ukraine.
    Wenn dann schließlich die natürliche Grenze (wieder) gezogen ist und sich die Fantasten hüben und drüben auf die Realität besonnen haben, wird Ruhe einkehren.
    Der Osten wendet sich dem Osten zu und der Westen dem Westen.

    So geht das.

  4. Thomas Forler sagt:

    Wieso schreibt der Westen immer von Krieg? Russland hat kein Interesse daran der Ukraine einen Krieg zu erklären. Wenn man ein wenig russisches Fernsehen sieht oder Nachrichten liest, dann werden die westlichen Berichte über einen bevorstehenden Krieg oder ein angebliches Ultimatum von russischen Ministern stets dementiert.