Logo

So gross, günstig und solvent sind die einzelnen Krankenkassen

Von Iwan Städler, 1. September 2014 Kommentarfunktion geschlossen
Ein Blick in die Aufsichtsdaten des Bundesamts für Gesundheit zeigt die Vielfalt unter den 61 Grundversicherern. Eine Walliser Kleinstgemeinde hat gar eine eigene Kasse.

Am 28. September entscheidet das Volk, ob eine einzige Krankenkasse genügt – oder ob es wie bisher mehrere braucht. Da drängt sich die Frage auf, inwiefern sich die 61 Grundversicherer unterscheiden. Wie steht es etwa um ihre Reservenpolster? Wie hoch sind ihre durchschnittlichen Prämien? Und wie zahlreich ihre Kunden? Antworten darauf finden sich in den Aufsichtsdaten, die das Bundesamt für Gesundheit (BAG) jährlich erhebt und im Internet publiziert. Die derzeit aktuellsten Zahlen ­beziehen sich aufs Jahr 2012 und zeigen enorme Differenzen.

Das beginnt schon bei der Grösse der Kassen. Während die CSS über 840 000 Versicherte zählt, sind es bei der Krankenkasse Zeneggen gerade mal 172. Die Walliser Kleinstkasse ist ein Unikum: Nur wer im 1400 Meter über Meer gelegenen Bergdorf Zeneggen wohnt, darf ihr beitreten. Dies ist kein grosser Markt, denn die Gemeinde zählt nur 270 Einwohner. Die Marktdurchdringung der kleinsten Schweizer Krankenkasse ist jedoch phänomenal: Zwei Drittel aller ­Zenegger sind bei ihr versichert.

Zum Arzt gehen diese seltener als ­andere. Das dürfte auch daran liegen, dass man dafür erst 700 Höhenmeter nach Visp hinunterfahren muss. Entsprechend moderat sind die Kosten und die Prämien. Lange sei die Zenegger Kasse die günstigste gewesen, sagt Geschäftsführer Bernardo Briggeler, der auch die Krankenkasse Visperterminen leitet.

Enorme Verwaltungskosten

Das Kleinsein hat aber auch Nachteile. Die Kleinstkasse muss nämlich denselben gesetzlichen Anforderungen genügen wie die 5000-mal grössere CSS. Und diese Anforderungen steigen laut Briggeler ständig. Etwa beim Datenschutz und bei der Informatik. Das widerpiegelt sich in den hohen Verwaltungskosten der Krankenkasse Zeneggen. Sie fressen 18 Prozent der Prämien­einnahmen weg – bei einem Branchenschnitt von 5 Prozent. Wenn das so weitergehe, so Briggeler, stosse die Kasse an ihre Grenzen. Noch steht sie aber finanziell hervorragend da. Das BAG attestiert ihr die höchste Solvenzquote: Ihre ­Reserven sind fast zehnmal höher als vorgeschrieben (991 Prozent).

Auf der anderen Seite der Skala sticht die KPT-Tochter Agilia mit einer Solvenzquote von nur 55 Prozent ins Auge. Man sei aber auf gutem Weg, bis Ende dieses Jahres die Vorgabe von 100 Prozent zu erreichen, teilt Agilia mit. Auch die Swica-Tochter Provita bewegt sich laut eigenen Aussagen Richtung 100 Prozent. Spätestens 2017 muss sie das Ziel erreicht haben. Die EGK und die Helsana-Tochter Avanex melden, sie seien bereits dort.

Kostenarme Sanagate

Die tiefsten Kosten pro Versicherten weist die CSS-Tochter Sanagate aus. Sie zahlte 2012 nur 777 Franken für Ärzte, Spitäler und andere Nettoleistungen (nach Abzug des Selbstbehalts). Das ist ein Zwölftel dessen, was die Krankenkasse Ingenbohl bezahlte respektive ein Sechstel der Helsana-Kosten. Möglich machen dies höhere Franchisen (77 Prozent der Sanagate-Kunden haben eine Franchise von mindestens 1000 Franken), alternative Versicherungsmodelle (85 Prozent sind in einem Hausarztmodell oder bei Sanacall versichert) und eine vorteilhafte Altersstruktur (Sanagate kommuniziert online). Dies wirkt sich auch auf die Durchschnittsprämie aus. Denn wer eine höhere Franchise oder ein alternatives Versicherungsmodell wählt, zahlt weniger. Über 40 Prozent dieser Prämieneinnahmen muss Sanagate in den Risikoausgleich zahlen – für Kassen mit schlechteren Risiken wie etwa die Krankenkasse Ingenbohl.