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Diese Grafik zeigt den Grund für den Zinsentscheid der EZB

Von DB, 5. Juni 2014 10 Kommentare »
Die Eurozone ist auf dem Weg in die Deflation. Die EZB versucht mit niedrigen Zinsen gegenzusteuern. Allerdings: Viel weiter nach unten geht es nicht. Drei Grafiken zum historischen Entscheid.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute ihren Leitzins auf ein neues Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt. Der Einlagenzins, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken können, wurde von den Notenbankern sogar in den negativen Bereich gedrückt (-0,1 Prozent).

infografik_2330_EZB_Leitzins_Entwicklung_n

 

Was treibt die EZB zu diesem historischen Schritt? Der Euroraum gerät in die Deflation. Das würde bedeuten, das Preise kontinuierlich sinken, statt steigen. Wirtschaftsfachleute haben Angst vor diesem Effekt, da er Investitionen verhindern kann und damit Wachstum und Arbeitsplätze gefährdet.

Die EZB erhofft sich mit der Zinssenkung die Teuerung im Euroraum wieder anzukurbeln. Angestrebt ist ein Wert von 2 Prozent. Zuletzt wurde für die Eurozone ein Wert von 0,5 vermeldet. Das Problem: Während Länder wie Griechenland bereits jetzt im Deflations-Bereich liegen, sind andere noch deutlich darüber. Eine höhere Inflation könnte hier für Probleme sorgen. Die Zinspolitik bleibt ein Balanceakt.

infografik_2331_Entwicklung_des_harmonisierten_Verbraucherpreisindex_im_Vergleich_zum_jeweiligen_Vorjahresmonat_n

 

Die folgende Grafik zeigt, wie sich Inflationsrate und Einlagezins seit 2006 entwickelt haben. Bis zur Finanzkrise folgten beide einander noch weitestgehend, doch seitdem hat sich die Entwicklung aufgrund der Situation vor allem in den Euro-Krisenländern stark voneinander gelöst. Daher die Frage: Taugen die Zinsen der EZB überhaupt noch als Werkzeug der Regulierung?

infografik_2332_Harmonisierter_Verbraucherpreisindex_im_Bezug_zum_Vorjahresmonat_und_EZB_Einlagezins_im_Vergleich_n

(bru)

10 Kommentare zu “Diese Grafik zeigt den Grund für den Zinsentscheid der EZB”

  1. Bühler sagt:

    Das wird nicht funktionieren, Japan beweist es ja seit über einem Jahrzehnt!

    • Marcel Senn sagt:

      Schon mal was von ceteris paribus gehört – die Ausgangslage von Japan resp. der jap. Zentralbank war weitaus konfortabler als die der EZB – wenn man nur mit 50% Verschuldung und 2% Arbeitslosen und positiver Handelsbilanzen startet, dann kann man das schon wie Japan sogar über 20 Jahre lang durchziehen — selbst wenn die dort auch langsam ans Ende der Fahnenstange kommen.
      Die EU mit ihren miserablen Wirschaftsdaten hält das auf jeden Fall keine 10 Jahre mit dem japanischen Modell durch – vor allem nicht wenn es noch grössere Korrekturen geben sollte bei Aktien, Bonds und Immos im laufe der nächsten Jahre…

      • demokröte sagt:

        Japan hat sich hauptsächlich bei den eigenen Sparern verschuldet und seine Wirtschaft ist homogener seine
        Bevölkerung ganz anders .So wie in Japan altert auch Europa aber wir haben Masseneinwanderung von Menschen,
        welche nicht integrationswillig und fähig sind.Das alles auf Kosten der europ. Bevölkerung .Im Latein lernt man den
        Rechtsgrundsatz :Wem nutzt es ? ! Den USA. Ach ja und einer kleinen elitären Schicht .Eine total verarmte Masse kann man viel leichter lenken.. Alle Sozialstandarts werden abgebaut. Das nennt man dann Reform.

  2. H. Imeichen sagt:

    Jups, das gleiche Schicksal wie Japan. Das Deflations-Gespenst. Bin gespannt, ob die Europäer diesen mehrjährigen Höllenritt auch noch auf sich nehmen ohne durchzudrehen.

  3. Harry Harrer sagt:

    Jetzt müsste doch auch dem Hinterletzten endlich klar werden, dass die Krise ein und für allemal vorbei ist.

  4. Marcel Senn sagt:

    Immerhin mauschelt sich Japan schon seit über 23 Jahren nach dem grossen Nikkeisturz und Immobiliendesaster von 1990/91 mit so tiefen Zinsen durch und konnte seine Staatsverschuldung (gegenüber den eigenen Landsleuten) so mittlerweile auf fast 250% des BIP’s steigern.
    .
    Was aber im Gegensatz zu Japan in Europa bedenklicher ist, ist die Tatsache, dass die EZB schon rekordtiefe Zinsen hat bevor die grossen Assetblasen geplatzt sind und während es schon um die 12% Arbeitslose hat.
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    1990 lag die Arbeitslosigkeit in Japan noch bei 2% als die Assetblase platzte und die Deflationsspirale sich in Gang setzte. Auch die Staatsverschuldung lag damals unter 50% des BIP – im Gegensatz zu den meisten europäischen Staaten die oft schon weit mehr haben.
    .
    Da haben wir in Europa 2014 doch ein wesentlich riskanteres Szenario als damals in Japan. Diese Krise ist noch lange nicht gegessen, da es sich hier um eine fundamentale Systemkrise handelt!

    • Hallo sagt:

      Sie sagen es! Japan hat die Schulden gegenüber den eigenen Landsleuten. Das ist etwas ganz anderes, als Schulden gegenüber den Banken. Die Sklaverei wird flächendeckend kommen.

      • Felix Thoma sagt:

        @Marcel, sehr gut analysiert! Das dicke Ende kommt erst noch! Aber die Deutschen glauben immer noch alle retten zu können! Sowas nennt man Selbstüberschätzung. Da werden alle roten Ampeln ignoriert und gehofft, dass es nie knallt! Es muss allen klar sein, dass das nicht gut gehen kann!

    • urs lehmann sagt:

      Die Verschuldung Japans besteht tatsächlich hauptsächlich gegenüber dem Inland. Aber direkte Gläubiger sind nicht viele Individuen, sondern der Pensionsfond (und in letzter Zeit die Zentralbank).

      Das heisst, nicht der individuelle (End-)Gläubiger entscheidet über das Anlageverhalten, sondern regierungsnahe Kreise, was ein die aktuelle Regierungspolitik unterstützendes Investitionsverhalten als zentrales Anlagekriterium plausibel macht. Nicht umsonst hat der PF vor wenigen Jahren offiziell publiziert, dass er die Neuverschuldung nicht mehr vollumfänglich kaufen könne da ihm das Geld ausgehe (die Zentralbank ist in die Bresche gesprungen).

      Müsste sich Japan ohne derartige Hilfen refinanzieren, wären die Schuldzinsen (und damit die Defizite und dadurch wiederum die Schulden) wohl einiges höher, die Situation dadurch langfristig noch viel düsterer.