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Werden Sie fürs Heiraten bestraft oder belohnt?

Von Iwan Städler, 8. Januar 2016 Kommentarfunktion geschlossen
Am 28. Februar stimmt das Volk über die sogenannte Heiratsstrafe ab. Für einige Paare ist sie happig. Die meisten profitieren jedoch steuerlich von einer Vermählung. Wir zeigen, was bei welchen Einkommen gilt.
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Konkubinat oder Ehe? Die wenigsten Paare fällen diesen Entscheid aufgrund der Steuern. Je nach Einkommen kann eine Heirat aber erhebliche Auswirkungen auf die Steuerrechnung haben. Nehmen wir zum Beispiel den eher seltenen Fall eines Stadtzürcher Paars, bei dem sowohl der Partner als auch die Partnerin je 350’000 Franken pro Jahr verdienen. Heiraten sie, zahlen sie allein deswegen jährlich 8000 Franken mehr Steuern. Ganz anders, wenn der Partner zwar ebenfalls 350’000 Franken verdient, die Partnerin aber nur 39’000. In diesem Fall spart das Paar dank der Vermählung jährlich 5400 Franken.

Und was gilt für Sie? Werden Sie fürs Heiraten bestraft oder belohnt? Dies zu berechnen, ist nicht ganz trivial. Doch die Eidgenössische Steuerverwaltung hat es anhand von Daten aus dem Jahr 2011 getan. Sowohl der Bund als auch die Kantone Zürich und Bern versichern, die daraus gewonnenen Erkenntnisse seien nach wie vor gültig. Wir haben sie hier grafisch dargestellt:

Steuern Ehepaare

 

Wenn Sie Ihr Bruttoeinkommen auf der X-Achse und dasjenige Ihres Partners auf der Y-Achse wählen, sehen Sie sofort, ob Sie fürs Heiraten steuerlich bestraft (rot) oder belohnt werden (grün). Die Grafiken weiterer Kantone mitsamt dem Bericht der Steuerverwaltung finden Sie hier. Für diverse Einkommensverhältnisse können Sie mit folgenden interaktiven Grafiken vergleichen, in welchen Kantonen sich das Vermählen wie auf die Steuern auswirkt. Berücksichtigt sind jeweils die Einkommenssteuern von Kanton, Gemeinde und Kirche.

In der Regel gilt: Je weniger ein Paar verdient, desto eher zahlt sich eine Heirat aus – dank Abzügen und einem günstigeren Verheiratetentarif. Bei hohen Einkommen hingegen dominiert der Effekt der Progression, da bei Ehepaaren die Einkommen zusammengezählt werden. Dadurch müssen sie zu einem höheren Satz versteuert werden.

Eine zweite Grundregel lautet: Je unterschiedlicher die Einkommen beider Partner sind, desto besser fahren sie mit der Ehe. Am extremsten ist dies, wenn nur einer verdient. Dann sollte man unbedingt heiraten. Je ähnlicher hingegen die Löhne der beiden Partner ausfallen, desto eher kommt es zu einer Heiratsstrafe. Über alle Fälle hinweg betrachtet, kommen Ehepaare meist besser weg als Konkubinatspaare.

Die Heiratsstrafe, welche die CVP mit ihrer Volksinitiative abschaffen will, ist also deutlich weniger verbreitet als die Konkubinatsstrafe. Dennoch ist meist nur von der Heiratsstrafe die Rede. Bereits 1984 befand das Bundesgericht, es sei verfassungswidrig, die Verheirateten mehr als 10 Prozent stärker zu belasten. Darauf haben die Kantone ihre Steuergesetze angepasst.

Laut dem Bericht der Steuerverwaltung verstossen nur noch die Kantone Aargau, Waadt und Wallis bei bestimmten Einkommen gegen die richterliche Vorgabe. Auch der Bund hat aufgrund des Urteils neue Abzüge eingeführt und so die Zahl der diskriminierten Ehepaare um zwei Drittel reduziert. Bei rund 80’000 Paaren verhält sich die Eidgenossenschaft aber immer noch verfassungswidrig – zum Teil krass. Verdienen etwa beide Partner 125’000 Franken, müssen sie nach einer Heirat über 80 Prozent mehr Bundessteuer zahlen.

Weniger extrem als beim Bund fällt die Heiratsstrafe im Kanton Zürich aus. Im Vergleich zu anderen Kantonen ist sie aber relativ ausgeprägt. Verdienen beide Ehepartner gleich viel, fahren sie in Zürich bereits ab einem Gesamteinkommen von 90’000 Franken schlechter als im Konkubinat. In Bern ist das erst ab rund 200’000 Franken der Fall.

All dies gilt für Paare ohne Kinder. Nur für sie hat die Eidgenössische Steuerverwaltung die Berechnungen durchgeführt, da Konkubinatspaare mit Kindern relativ selten sind. Gerade sie fahren aber steuerlich oft recht gut. Zum einen profitieren Konkubinatspaare mit Kindern – etwa im Kanton Zürich – vom günstigeren Verheiratetentarif, der auch für Einelternfamilien gilt. Zum anderen unterliegen sie nicht dem Effekt der Progression, weil die Einkommen der beiden Partner nicht addiert werden. Steuerliche Überlegungen stehen beim Gründen einer Familie aber eher selten im Vordergrund.

Auch an die Folgen für die AHV denken beim Heiraten die wenigsten – obwohl die Auswirkungen beträchtlich sind. Erhält doch ein Ehepaar nur eine AHV-Rente von höchstens 3525 Franken pro Monat. Das entspricht 150 Prozent einer maximalen Einzelrente. Ein Konkubinatspaar hingegen kommt bei zwei maximalen Einzelrenten auf 4700 Franken. Dies sieht auf den ersten Blick nach einer Heiratsstrafe aus.

Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Ehepaare bei der AHV unter dem Strich besser fahren als Konkubinatspaare. Stirbt etwa der Partner, hat die hinterlassene Ehegattin Aussicht auf eine Hinterlassenenrente. Eine solche erhält sie, falls sie zum Zeitpunkt des Todes ihres Mannes Kinder hat oder mindestens 45 Jahre alt ist und fünf Jahre verheiratet war. Eine Konkubinatspartnerin geht dagegen leer aus. Auch sind verheiratete Partnerinnen, die nichts verdienen, von der AHV-Beitragspflicht befreit. Einzige Bedingung ist, dass ihr Ehegatte mindestens 960 Franken pro Jahr einzahlt. Bei einem Konkubinatspaar hingegen müssen beide Partner die nötigen Beiträge leisten, um eine maximale Rente zu erhalten.

Insgesamt machen die Privilegien der Verheirateten bei der AHV jährlich 2,8 Milliarden Franken aus – bei Einsparungen von 2 Milliarden aufgrund der plafonierten Rente. Unter dem Strich subventionieren also die Konkubinatspaare die Ehepaare mit jährlich 800 Millionen Franken.

Auch beim Erben sind die Verheirateten im Vorteil. Ehegatten sind nämlich in allen Kantonen von der Erbschaftssteuer befreit. In sechs Kantonen (GR, NW, OW, SZ, UR und ZG) gilt dies auch für Konkubinatspaare. In allen anderen Kantonen langt der Fiskus bei den Unverheirateten zu – oft mit dem höchsten Tarif.

Wenn nicht beide Partner viel verdienen, zahlt sich das Heiraten in der Regel aus. Zumindest finanziell. Fazit