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Wir brauchen mehr Schulversager

Mathias Morgenthaler am Samstag den 4. April 2015
Alles richtig ist auf Dauer vielleicht nicht gut genug. Foto: Colourbox

Alles richtig ist auf Dauer vielleicht nicht gut genug. Foto: Colourbox

Was wünschen sich Eltern für ihre Kinder? Gute Schulnoten, eine anerkannte Ausbildung, einen sicheren Job. Das sind Strategien für die Arbeitswelt von gestern. In Zukunft brauchen wir mehr Musterbrecher als Musterschüler, mehr unternehmerisch agierende Berufsleute als Manager und Funktionäre. Aber wo lernt man, seiner Berufung zu folgen?

Mathias Morgenthaler

Was haben Swatch-Miterfinder Elmar Mock, Milliardär und Mäzen Hansjörg Wyss, Bergsteiger-Legende Reinhold Messner, Microsoft-Gründer Bill Gates und Bestseller-Autor Paulo Coelho gemeinsam? Sie alle sind sehr erfolgreiche Unternehmer. Und sie sind alle Schulversager. Die Liste lässt sich fast beliebig verlängern: Switcher-Gründer und Nachhaltigkeits-Pionier Robin Cornelius? Fünf Mal von der Schule geflogen und danach auch im Internat kaum zu bändigen. Kommunikations-Professor Friedemann Schulz von Thun? Seine Modelle sind zum Schulstoff geworden, er selber musste eine Klasse wiederholen, erhielt schlechte Noten und empfand die Schule als eine einzige Qual. Fondation-Beyeler-Direktor Sam Keller? Ein Studienabbrecher, der auf dem Bau und in Bars gejobbt hat und lange als das schwarze Schaf in seiner Familie galt.

Tückischer Karrieresog

Ich habe in den letzten 18 Jahren mit rund tausend Menschen über ihre Berufsbiografie gesprochen. Sehr viele dieser Interviewpartner haben mir davon berichtet, dass sie Jahrzehnte brauchten, um sich von den Erwartungen des Elternhauses und der Schule zu emanzipieren und einen Beruf zu finden, in dem sie ihre individuellen Talente einbringen können. Oft haben sie sich diesen Beruf selber geschaffen, weil die besten Stellen niemals ausgeschrieben sind. Viele der Interviewpartner, speziell die Musterschüler, durchliefen davor einen Anpassungsprozess, was ihnen erst gute Noten und später gut dotierte Jobs und Beförderungen eingebracht hat.

Für die meisten war es allerdings auch ein Prozess der Entfremdung, der Selbstverleugnung. «Ich wusste alles über Marketing, aber nichts über mich selber», resümierte einer der Interviewpartner, der nach steiler Karriere in einem US-Konzern ausgestiegen war. Ein anderer Senkrechtstarter bilanzierte: «Ich war recht naiv in diesen Karrieresog geraten, stieg aufgrund meiner Leistungsbereitschaft und Anpassungsfähigkeit in die Wirtschaftselite auf und merkte, dass permanent gegen meine Werte verstiess.» Und ein Dritter kam zum Schluss: «Als ich ganz oben auf der Karriereleiter angekommen war, spürte ich zunächst eine grosse Leere. Dann beschlich mich der Verdacht, dass ich die Leiter ans falsche Haus gestellt hatte.»

Die Suche nach der Berufung

Was hat das zu bedeuten, wenn Schulversager als Unternehmer durchstarten und Musterschüler in einen Karrieresog geraten, der früher oder später in die Identitätskrise führt? Und wo lernen wir eigentlich, unsere Interessen und Talente mit der Realität auf dem Arbeitsmarkt in Einklang zu bringen und einen Beruf zu finden, in dem wir etwas bewegen können? Wo lernen wir, Unternehmer in eigener Sache zu werden, selbst gesteckte Ziele statt fremde Vorgaben zu verfolgen? Und wer bringt uns bei, worauf es bei beruflicher Neuorientierung ankommt, wie man in Kontakt kommt mit der viel zitierten inneren Stimme, wie man Veränderungen gestaltet statt erleidet?

Natürlich soll hier nicht zum Schulboykott und zur Lernverweigerung aufgerufen werden. Bildung wird mit Recht als wichtigster Rohstoff der Schweiz bezeichnet, viele Jobs sind nicht auszuüben ohne gut gefüllten Qualifikationsrucksack. Entscheidend scheint mir aber, dass wir ob all dem Kompetenz- und Fähigkeitserwerb die noch wichtigere Frage nicht aus den Augen verlieren, wo wir in unserem Element sind und was wir bewegen wollen, kurz: welches unsere Berufung ist.

Die Barrieren im Kopf

Wenn von zehn Berufstätigen nur zwei mit Herzblut am Werk sind, während die anderen Dienst nach Vorschrift leisten oder gar innerlich gekündigt haben, spricht das für ein weit verbreitetes Unbehagen in der auf Wachstum, Rationalisierung und Spezialisierung ausgerichteten Arbeitswelt. Viele Berufstätige empfinden sich als Rädchen in einem grossen Getriebe, sie sehen kein Resultat mehr ihres Tuns und finden keine Antwort auf die Frage, welchem übergeordneten Zweck ihre Arbeit eigentlich dient. Sie sind etwas geworden gegen ihren Willen, Resignation vermischt sich mit der bange Frage «War das jetzt alles?», die sich ab der Lebensmitte dringlicher stellt als zu Beginn der Karriere.

Das ist der Moment, in dem man sich entweder festklammern kann an der erklommenen Sprosse der Karriereleiter – oder sich noch einmal grundlegend fragt, mit welchen Träumen, Talenten und Ideen man einst angetreten ist und was da noch schlummert, das nach Verwirklichung ruft. Unsere Arbeitswelt ist durchlässiger geworden für Aus- und Umstiege, vieles ist möglich, wenn da nicht die eigenen Glaubenssätze wären und die Barrieren im Kopf, die dazu führen, dass wir lieber im bekannten Unglück verharren als uns auf den Weg machen zum unbekannten Glück.

Karriere ist keine Einbahnstrasse

Karriere zu machen bedeutet manchmal auch, etwas Gewohntes loszulassen, den Kompass neu auszurichten, Risiken einzugehen, Verwirrung in Kauf zu nehmen. Die meisten Aus- und Umsteiger berichten von Zweifeln und Rückschlägen, weil tiefgreifende Veränderungen nie linear ablaufen, sondern eher in Spiralen, die uns glauben machen, wir träten an Ort. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Veränderungsprozesse zu Beginn weder steuern noch planen lassen, dass sie deshalb keine Kopfsache sind, sondern in erster Linie Offenheit und Mut verlangen. Wer seiner Berufung näher kommen möchte, setzt deshalb am Anfang besser andere Prioritäten als Stellenanzeigen und Weiterbildungsangebote zu studieren. Wichtiger sind so rare Dinge wie unverplante Zeit, gute Gesprächspartner und Inspiration – sie erlauben uns, in Kontakt zu kommen mit jenen Kräften, die im Unterbewusstsein wirken und über unsere psychische und körperliche Gesundheit mitentscheiden.

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33 Kommentare zu “Wir brauchen mehr Schulversager”

  1. Rolf Rothacher sagt:

    Wenig hilfreich, ein Dutzend Beispiele aus 8 Milliarden Menschen herauszupicken und daraus Schlüsse ziehen zu wollen. Auf diese Weise lässt sich Alles und Nichts darlegen, aber wesentlich simpler, als mit einer selbst erstellten Statistik. Was jedoch stimmt: unsere Staaten verkaufen die Bildung als höchstes Gut und verschweigt gleichzeitig die Bildungs-Lüge. Denn irgend jemand muss den Müll einsammeln oder Gestelle im Laden auffüllen. Irgend jemand hat eine Schaufel in der Hand oder trägt Pakete aus. Egal, wie gut jemand ausgebildet ist, es stehen ihm nicht unendliche Möglichkeiten zur Findung seiner Berufung zur Verfügung. 5% Forscher und Entwickler, 3% Firmeninhaber, Geschäftsleitungsmitglieder und Verwaltungsräte, 2% Künstler. Schon die 10%, die sich als Selbstständige durchschlagen, haben wenig gestalterische Möglichkeiten. Deshalb müssen 90% im Räderwerk einfach funktionieren, ohne mathematische Chance, jemals (im Berufsleben) wirklich gestalterisch zu wirken. Wer immer noch die Mär von der Selbstbestimmung und Selbstfindung erzählt, der wird wohl auch zum “Bedingungslose Einkommen” JA abstimmen müssen, um seine sinnfreien Träumerein noch ein wenig länger pflegen zu können.

  2. diana soldo sagt:

    Danke, kann ich nur zustimmen! Wünsche Allen viel Offenheit und Mut, damit sich in diese Gesellschaft was ändert.

  3. Wirth sagt:

    Wie wahr ist das doch. Es ist genau mein Leben. Wie quälte ich mich durch die Schuljahre, wie versagte ich doch. Und jetzt, kann ich auf ein Lebenswerk zurückschauen. Ihr lieben Eltern, es gibt mehr als ein Musterschüler heranzuquälen.

  4. Bürgin sagt:

    Betreffend der eingangs erwähnten High Achievers verwechselt der Autor Symptom mit Ursache – das schulische Versagen war nicht Ursache der späteren beruflichen Karriere, sondern Symptom einer Hochbegabung und entsprechender schulischer Unterforderung. Erst diese Hochbegabung ermöglichte in der Folge entsprechende Karriere. Wirkliche Talente und insbesondere solche, welche zur Bestreitung des Lebensunterhaltes dienen können, sind Mangelware – der vom Autor gewünschte Weg bleibt nur einer Minderheit vorbehalten

  5. Hans Hintermeier sagt:

    @ Hr: Morgenthaler: Vielen Dank für diesen sehr inspirierenden Artikel. Durch Überanpassung entfremdet sich die Schweizerin/ der Schweizer immer mehr von sich selbst, er verliert das Gespür für seine innere Welt/Kongruenz, sie sind nicht mehr integer. Gut “Auswendig-Lernen” ist noch keine Garantie, dass man später Erfolg haben wird (wie ich schon oft von radikalen Feministinnen in den Foren lesen konnte, die aufgrund guter schulischer Noten eine Quote fordern). Leider geht unser Bildungssystem (Bologna) in diese Richtung: Extrem viel Auswendig-Lernen und an der Prüfung alles wieder genauso auskotzen können ! Dies sagt jedoch nicht viel über die Qualitäten eines Menschen aus, ausser dass er/sie eine gute Merkfähigkeit hat. Risikobereitschaft/Querdenken/Scheitern gehören zum Erfolg und nicht nur “brav” auswendig lernen (alle Beispiele, die sie im Artikle anführen sind Männer). Dies sollten die Quotenfeministinnen endlich mal zur Kenntnis nehmen.

  6. Thomas Meier sagt:

    Besten Dank. Ich habe demnächst ein Gespräch mit Lehrerinnen, Schulleitung und Schulpsychologe wegen den Schulleistungen meines Sohnes. Frohe Ostern.
    mfG tm

  7. John Bantinger sagt:

    Der Ueberschrift des Artikel ist definitiv falsch und lässt falsche Schlüsse zu. Herr Morgenthaler will uns mit gewundenen Worten erklären, dass jeder sein Weg finden muss um ein glückliches Leben führen zu können. Klar, das macht Sinn, ist erstrebenswert und es wäre schön wenn das Leben in unserer Leistungsgesellschaft so ablaufen würde. Aber dass es dazu Schulversager braucht ist nun wirklich weit hergeholt. Nur weil es ein paar solche Leute, wie Bill Gates, Steve Jobs usw., es auf diese Weise in ein erfülltes Leben geschafft haben, kann man nicht eine bessere Gesellschaft hinkriegen mit Schulversagern. Die Nachteile überwiegen leider. Ausser wir möchten griechische Verhältnisse…….

  8. Remo Kneubühler sagt:

    Danke, dem ist eigentlich nichts beizufügen. Leider ist unser ganzes Bildungswesen, unsere Arbeitsorganisation und auch unser soziales Umfeld so geeicht, dass genau die positiven Attribute des Schulversagens nie akzeptiert werden. Wieso bekämpft unser System genau diese Möglichkeit durch Bildungsreformen, durch Aechtung und im späteren Arbeitsleben durch Vorschriften die Entfaltung der nichtkonformen Minderheit? Weil genau diese Menschen dem ganzen System gefährlich wird und es komplett in Frage stellt. Wir sehen dies im Moment bei den Anforderungen und Leistungsbereitschaft fürs Gymnasium sowie auch für die Sek A. Unsere Kinder sind nur noch im Hamsterrad am Ueben bis sie umfallen. Dies kann es wohl nicht sein.

  9. Peter Schmied sagt:

    Man versteht, was Sie sagen wollen, Hr. Morgenthaler, aber es ist nicht der Schulabbruch, der die Menschen kreativ macht! Vielmehr sind das Personen mit einer wenig angepassten Persönlichkeit, die ihren eigenen Weg suchen und darum auch mit der Disziplin in der Schule nicht zurecht kommen. Das Durchschnittskind kommt damit (bei guten Lehrpersonen) halbwegs zurecht, und es wird nicht kreativer dadurch, dass es die Schule abbricht! Es ist etwas gefährlich, schlechte Schulleistungen zu glorifizieren, denn viele Schulversager werden nicht Unternehmer, sondern Sozialfälle.
    Was wir sicher brauchen: Eine Schule, die Persönlichkeiten fördert, statt sie zu domestizieren. Siehe unter anderem die Diskussionen zum Problem der “wilden Jungs”, die in der Schule unter die Räder kommen!

  10. Fritz Brandt sagt:

    Ein netter Artikel, ähnlich wie bei den Fussball-Profis. Blöd- oder Faulheit als Basis für Erfolg zu verkaufen, finde ich erschreckend. Alle reden von den Paarn die’s geschafft haben, die Tausende die im sozialen Elend zugrunde gehen sieht niemand. Unseren Wohlstand verdanken wir sicher nicht ein paar Ausnahmekönnern, sondern den Büezern die den Finger rausgenommen und was gelernt haben. Bildung war noch nie hinderlich! Und es gibt sicher gleich viele Beispiele, wo auch brave Schüler ganz Grosses geleistet haben.

  11. Peter Colberg sagt:

    Zitat:”welchem übergeordneten Zweck ihre Arbeit eigentlich dient.” Für die meisten ist das berufliche Leben eine Notwendigkeit um die alltäglichen Lebenskosten zu decken, und sich vieleicht hier oder da einen kleinen Traum zu finanzieren. Die Schule ist dabei das erste Fundament als Vorbereitung einer jeglichen beruflichen Laufbahn, auch wenn die persönliche gewünschte Laufbahn nicht den Normen der Gesellschaft entspricht d.h. lesen, schreiben, und rechnen muss man können bevor man entweder im vorprogrammierten Hammsterrad der Wirtschaft die Jahre bis zur Pensionierung abstrampelt, oder sich selber erfolgreich einen Traumberuf nach Mass erarbeitet – ob nun im “System” oder ausserhalb der damit verbundenen Zwangsjacke.

    Auch wenn es eine gewisse Zahl von Schulabrechern gibt, wo der innere Drang etwas ganz anderes zu machen später zum Erfolg geführt hat, bleiben solche Leute doch eher eine Minderheit. Den meisten Menschen feht entweder der Mut oder einfach der Wille eine berufliche Laufbahn zu wählen, die nicht den gewohnten gesellschaftlichen Normen entpricht. Träumen war schon immer schön, aber die harte Realität zwingt die Mehrheit in das Hammsterrad wo die an der Macht die Hebel bewegen: es gilt letztlich die Vielfalt an Rechnungen zu bezahlen.

  12. Hans Hintermeier sagt:

    Das Problem ist, dass unsere Kinder in der Schule lernen, dass sie angepasst sein müssen und die Antworten geben müssen, welche die Autoritätspersonen von ihnen erwartet (natürlich auch nur politisch Korrektes). Die Wissensaneignung basiert nicht auf einem Dialog oder eigenen Fragen/Bedürfnissen (hermeneutischer Zirkel) sondern auf Auswendig-Lernen. Nachdem man dann unser System durchlaufen hat, ist man nicht mehr fähig vor lauter Bäumen den Wald zu sehen, sondern ist ein Fachidiot, der nur wiedergeben kann, was er vorher gehört hat. Auch hat man Angst neue Wege zu gehen, weil man befürchtet von der Fachwelt ausgelacht zu werden (Sozialer Druck/Überanpassung). Früher hatten die Universitäten den Namen noch verdient und alle grossen Geister waren Universalgelehrte. Heute sind wir in der postmodernen Wissenschaft angelangt, wo die Wissenschaft von Ideologie geleitet wird. Heute heisst Bildung nicht Eigenständiges-Denken, sondern stures Auswendiglernen: diejenigen werden belohnt, die alles haargenau wiedergeben können (z.B. auch Überbetonung der Sprachen). Unser System produziert so andauernd Bildungsverlierer, weil sie eine einseitige grosse Merkfähigkeit verlangt. Diese Kinder sind dann stigmatisiert und übernehmen die Zuschreibung “nicht intelligent” obwohl sie andere gute Fähigkeiten hätten (z.B. technisches Verständnis). Dies (Überbetonung von Merkfähigkeit) ist meiner Meinung nach ein Mitgrund für viele Sozialhilfefälle und nicht wie viele andere schreiben mangelnder Einsatz.

  13. Anton Keller sagt:

    Wenn es so wird, wie der Autor das wünscht, so werden wir in einer Welt leben, die ausschliesslich aus Casting-Models und Fussballspieler besteht. Dazu passend wäre noch das unbedingte, exitenzsichernde Grundeinkommen.

  14. Paul Moser sagt:

    Bitte Kommentar von 12:31 löschen – hat zu viele Fehler.

    Wie hier schon geschrieben wurde – Herr Morgenthaler verwechselt Ursache und Wirkung. Diese geschilderten Menschen (eine totale Minderheit) wurden nicht so erfolgreich, weil sie Schulversager waren. Das Schulversagen entstand, weil sie mit ihrer sehr sektoriellen Begabung nicht mit dem Schulsystem kompatibel waren, das eine breite Bildung zum Ziel hat. Wir brauchen nicht mehr Schulversager, wir brauchen ein Schulsystem, das auf solche sektoriellen Begabungen besser eingehen kann.

  15. Franziska sagt:

    mir fällt auf, dass ausschliesslich Männer aus Modell aufgeführt sind und nur eine Frau zzt. einen Kommentar abgegeben hat. Sind nur die Männer angesprochen, betroffen? Oder: gehen Mädchen/Frauen einen anderen Weg, mit anderen Werten?

  16. Mir scheint, dass es darum geht, Zitat: “sich von den Erwartungen des Elternhauses zu emanzipieren”, bzw. Erwachsen zu werden und den eigenen Weg zu gehen. Und letztlich ist das eine Voraussetzung um glücklich zu werden und Freude zu empfinden.

  17. Jürg Reber sagt:

    Könnte es sein, dass diese 10% *, welche Rolf Rothacher erwähnt, gar nicht “interessiert” sind, ob die “Restlichen” 90% “besser ausgebildet” und somit weniger “manipulierbar“ würden? (* 10% der Welt-Bevölkerung verfügen über 80% des Vermögens – Wikipedia)

  18. Ulrich Egger sagt:

    Als einer der rund 1000 Menschen, die von Mathias Morgenthaler interviewt und porträtiert wurden (“Lieber ein friedlicher Dissens als ein fauler Kompromiss / 10.11.2012”), hat mich der irreführende Titel und die etwas einseitige Einleitung zu seinem eigenen, durchaus lesenswerten Artikel auch etwas irritiert. Ich habe diesen Journalisten als eine sehr differenziert denkende Persönlichkeit kennen gelernt, die es eigentlich nicht nötig haben sollte, sich mit plakativen Übertreibungen Gehör zu verschaffen.

  19. markus meier sagt:

    sowohl bill gates als auch hansjoerg wyss waren an yvi league universtiaeten…diese als schulversager zu bezeichnen ist schlicht falsch…ein schulversager ist jemand, der es an eine der besten universitaeten der welt schafft definitiv nicht…wem spielen sie hier eigentlich etwas vor?

  20. Franziska sagt:

    Bill Gates ein Schulversager? Zumindest die offensichtlichen Fakten sollten bei Journis doch stimmen. Bill Gates war in Harvard, da kommt man als Schulversager nicht hin. Er hat das College dort nicht abgeschlossen, was ihn aber kaum zum Schulversager macht, er hatte andere Prioritäten.

    Der Blog greift IMHO viel zu kurz: Nicht jeder Schulversager hat das Zeug zum erfolgreichen Unternehmer, aber umgekehrt auch nicht jeder Musterschüler kann (oder will?) das. Erfolg im Leben (damit meine ich nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg) hat wohl nur wenig mit Schulleistungen (vielleicht könnte man sich fragen, ob der Lehrplan genügend aufs Leben vorbereitet?) zu tun, sondern viel mehr mit Charakter, Intelligenz, Wille und Freude an dem was man tut.

  21. Mark sagt:

    In diesem Artikel stimmt einiges nicht. Insbesondere die Fakts und die Art der Folgerung. Aber er hat auch ein paar interessante Überlegungen drin. Insbesondere erfüllt er aber die Grundbedingung für erfolgreiche Artikel (siehe KlickRate), er tröstet die Dummen und macht ihnen Hoffnung – wenn auch falsche.

  22. Pedro Dias sagt:

    Vielleicht wäre ein erster Schritt – weg von unserer Fehlerkultur! Schon früh werden die Rechtschreibefehler rot angestrichen, das Gelungene geht dabei vielfach unter. Damit wird enorm viel Selbstvertrauen zerstört. Nicht was ich nicht kann und nicht weiss, sondern was ich kann und was ich weiss ist wichtig und sollte gefördert werden, damit jeder sein Potential und seine Stärken ausleben könnte.

  23. Mit dem Wunsch der Eltern, dass die Kinder in der Schule möglichst gut sein sollen, damit sie später eine gute berufliche Basis haben scheint mir nichts falsch zu sein. Die Wege, die die Interviewpartner von Mathias Morgenthaler eingeschlagen haben, wären oft genug ohne solide Basisausbildung nicht denk- und machbar gewesen. Die wöchentlichen Interviews zeigen, dass keine EInheitslösungen existieren und dass der Raum an Möglichkeiten für alle deutlich grösser sein kann als zuerst gedacht. Was es m.E. braucht ist Zeit für Gespräche und Nachdenken z.B. mit Freunden und Familie.

  24. ra koch sagt:

    Der beste Plot bleibt immer noch – sich dem System zu entziehen. Der Parität zu entfliehen; dafür Raum [in] sich selber schaffend (erst kommen die “Oh’s” – und dann die “Ah’s”)…
    Berufung findet sich im Wesentlichen!

  25. Stephan Bernhard sagt:

    Der Autor des Artikels zieht falsche Schlüsse. Jeder, der ein bisschen Ahnung von Logik hat, weiss, dass man NIE aus dem Speziellen auf das Allgemeine schliessen kann. Der Prozess ist umgekehrt. Schwache Leistung!

  26. Paul Moser sagt:

    @ra koch – Hmm – mit Fundamentalismen und Radikallösungen habe ich immer Mühe. Den eigenen “richtigen” Weg zu funden, ist eben nicht unbedingt allein nur “sich zu entziehen” und zu “flüchten” – sondern vielmehr Auseinandersetzung mit Tradition und Traum, mit Vergangenheit und Zukunft.

  27. Luimenn sagt:

    Guter Artikel. Allerdings, in einer gut funktionierenden Gesellschaft braucht es eben beides. Unsere kapitalistisch geprägte Gesellschaft baut auf Wettbewerb auf. Das fängt schon in der Kindheit an. Kinder mit guten Noten und konformes Verhalten werden gelobt, die anderen getadelt. Als Erwachsene managen und beanspruchen dann mehrheitlich die ersteren den grösseren teil des (Kapital-)Kuchens, die anderen werden dazu angehalten, sich mit dem kleineren Stück zufrieden zu geben. Wenn nicht, naja dann helfen eben die ersteren wieder mit entsprechender Einwanderungspolitik nach. Tja, optimal ist das nicht! Aber was sind zur Zeit die alternativen Gesellschaftssysteme? Verhältnisse wie in Russland, China? Ferner Osten? Oder arabische Länder? Afrika und Südamerika? USA, wo man wegen einem defekten Rückfahrlicht erschossen wird?

  28. Martina sagt:

    Wenn man mal den Focus von den international bekannt oder reich gewordenen Leuten wegnimmt und ihn auf die Menschen richtet, die als Erwachsene sehr zufrieden sind mit dem, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen, sieht das Gesamtbild anders aus. Es gibt durchaus auch Menschen, die zwar sehr wenig verdienen, aber ihre Arbeit als sinnvoll und erfüllend empfinden. Ich habe privat tatsächlich Menschen kennengelernt, die als Müllwerker (oder wie auch immer die aktuelle Berufsbezeichnung lautet) oder Fließbandarbeiter, sogar als Reinigungskraft, total zufrieden sind. Und andere, die immer gute und angepasste Schüler waren, gut verdient haben, und vom ersten Wirbelsturm in ihrem Leben komplett aus der Bahn geworfen wurden, um als Suchtkranke in der Hartz-4-Falle zu enden.
    Beruflich – ich arbeite in der Wellness-Branche – höre ich die Leidensgeschichten gutverdienender Karriereleute und behandle die psychosomatischen Begleiterscheinungen.
    Ich selbst war eine im Durchschnitt mittelmäßige Schülerin, lebe auf unterdurchschnittlichem finanziellen Niveau, bin aber weit überdurchschnittlich glücklich damit, ehemaligen Musterschülern beim Stressabbau zu helfen.
    Das wollte ich nur mal so zum Thema beisteuern, ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

  29. Xavier Zurbuchen sagt:

    Danke für den Artikel. Ist in der Tat so, auch ich habe in der Schule “versagt” und die Uni nach ein paar Semestern ohne Abschluss verlassen. Mit 32 sass ich bei renommierten Firmen mit doktorierten 10-15 Jahre älteren Typen am gleichen Tisch, gleicher Lohn, gleicher Stufe. Es hat sich nie jemand für irgendwelche Zeugnisse oder Abschlüsse interessiert! Und inzwischen habe ich ein erfolgreiches eigenes Unternehmen, während die besagten Typen den Sprung nicht schaffen und im Hamsterrad stecken, zwei davon inzwischen mit Burnout. Wie idiotisch, alles auf schulischen Erfolg und klassische Angestelltenkarriere zu setzen. Bringt nichts und dazu macht es auch noch unglücklich und der ganze Stress verkürzt am Ende das Leben. Aber wer nicht weiter denkt verdient es wahrscheinlich auch nicht anders. Umso schlimmer, dass viele Lehrer die Kinder stigmatisieren, die nicht dem angepassten Modell entsprechen, das sie gerne hätten.

  30. In den Lehrplanvollzugsanstalten, die wir völlig irreführend SCHULE nennen, wird unterrichtet.
    Unterricht richtet nach unten.
    Wenn ein Erwachsener Kinder täglich nach UNTEN richtet, will der wirklich noch ein Kind ÜBER sich haben?
    Es ist uns gar nicht bewusst, was wir tun, weil wir immer nur Papiervorgaben erfüllen.
    Deshalb ist es wichtig, dass Beispiele wie die neue Ich-kann-Schule uns DAS UNBEWUSSTE ins Bewusstsein heben.
    SICH DER “SCHULE” VERSAGEN ist ein erster sinnvoller Schritt zu WIRKLICHER SCHULE ins Leben hinein.
    Schule bedeutet nämlich seit alters: innehakten, zur Besinnung und zu sich selbst kommen, mit sich selbst wieder eins werden.
    Das sollten wir unseren Kindern nicht jeden Tag durch Unterricht boykottieren lassen.
    Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

  31. Xavier Zurbuchen sagt:

    Hier passend zum Artikel ein Link. Die Lehrer des heutigen Goldman Sachs Präsidenten meinten zu seinen Eltern, sie müssten froh sein, wenn er es zum Lastwagenfahrer bringe…

    http://www.businessinsider.com/gary-cohn-honored-by-teach-for-america-2015-4

  32. Ch. B. sagt:

    Wie Angst uns Menschen Sicherheit umklammern lässt – und dabei Mut und Kreativität verblasst…

  33. Markus Schneider sagt:

    Solange es Kriecher und Speichellecker gibt, solange wird es auch eine “Schule” und “Lehrer” geben. Es ist Zeit, mal wieder etwas Nietzsche zu lesen.