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«Ich werde bis zum Lebensende ein passionierter Lernender sein»

Mathias Morgenthaler am Samstag den 22. Januar 2011
 
Fritz Haselbeck

Fritz Haselbeck

Als Fritz Haselbeck vor 32 Jahren das Zentrum für Unternehmensführung ZfU gründete, war lebenslanges Lernen noch kein Thema. Inzwischen bilden sich jedes Jahr über 10’000 Menschen am ZfU weiter. Der 73-jährige Haselbeck ist Alleinbesitzer, Präsident und lernbegieriger Kursbesucher in einem. Ein Leben ohne ZfU kann er sich nicht vorstellen.
Herr Haselbeck, geht es aufwärts mit der Wirtschaft oder bewegen wir uns auf die nächste Krise zu?
FRITZ HASELBECK: Bis vor zwei Jahren konnten wir das tatsächlich zuverlässig an unseren Teilnehmerzahlen ablesen. Drei Monate bevor die Wirtschaft zu wachsen begann, nahmen die Kursanmeldungen zu, drei Monate vor einer Abkühlung ging das Interesse zurück. Dieser Indikator funktionierte über viele Jahre zuverlässig. Letztes Jahr war das erstmals anders: Die Konjunktur erholte sich schon Anfang Jahr, bei uns ging es erst im Herbst aufwärts. Das zeigt, wie gross die Unsicherheit in der Wirtschaft ist. Ich bin aber optimistisch, dass die Schweizer Wirtschaft weiter wächst, sofern es gelingt, den Zusammenbruch des Euro zu verhindern.

Welche Weiterbildungsangebote sind derzeit gefragt?
Auch hier hat sich etwas verändert. In früheren Rezessionen kam das Geschäft mit Führungs- und Strategiethemen fast ganz zum Erliegen, gefragt waren nur noch Fachthemen, die Kosteneinsparungen ermöglichten. Diesmal war das anders: Auch während der Krise bildeten sich die Führungskräfte in Strategie, Führung und Selbstmanagement weiter. Ich halte das für ein gutes Zeichen. Verstärkt hat sich während der Rezession die Tendenz, dass die Leute keine Zeit mehr haben. Wir mussten vermehrt ein- oder halbtägige Produkte ins Angebot nehmen. Zum Glück hat der Trend hier wieder gedreht, jetzt laufen auch drei- oder fünftägige Weiterbildungen wieder gut. Wichtiger werden in Zukunft sicher Unterrichtsformen, die nicht mehr fix an Ort und Zeit gebunden sind.

Kann man mit einem halbtägigen Angebot überhaupt etwas bewirken?
Ja, kurze Impulse können viel in Bewegung bringen. Früher investierte man primär in eine umfassende Ausbildung – und blieb dann unter Umständen ein Leben lang auf seinem Beruf. In der Todesanzeige wurde der Beruf direkt unter dem Namen aufgeführt. Heute rechnen wir damit, dass jemand vier Berufe ausüben wird. Jeder Einzelne kann und muss sich immer wieder verändern. Das Veränderungstempo ist heute so hoch, dass man nie ausgelernt hat. Entsprechend wird die Ausbildungszeit generell verkürzt, die Weiterbildung erhält viel mehr Gewicht. Früher stellten sich nicht wenige Manager auf den Standpunkt, sie müssten sich nicht mehr weiterbilden. Heute ist es sehr gefährlich, sich über das Erreichte zu definieren.

Sie selber begannen vor 32 Jahren als Ein-Mann-Betrieb, heute bilden sich am ZfU jährlich über 10’000 Menschen weiter und Sie beschäftigen 65 Angestellte. Sie stehen also für jene Kontinuität, die Sie als Auslaufmodell bezeichnen.
Der Aufbau des Zentrums für Unternehmensführung war für mich eine Lebensschule – noch heute geniesse ich das Privileg, mich im eigenen Haus jederzeit weiterbilden zu können. Als ich das ZfU 1978 im Büro einer Werbeagentur gründete, war das eine absolute Pioniertat, es gab noch kaum private Weiterbildung damals.

Wie kamen Sie auf die Idee, etwas anzubieten, das es noch nicht gab?
Ich hatte damals nach dem Handelsdiplom und einer ersten Stelle in einem Handelshaus berufsbegleitend die eidgenössische Matura gemacht. Nach diesem Effort kam mir das Studium der Nationalökonomie wie Ferien vor. Nach der Dissertation wollte ich mein Wissen anwenden. In der Unternehmensberatung vermisste ich aber bald die Zeit für die Reflexion. Deshalb schlug ich meinem Arbeitgeber vor, Weiterbildungen anzubieten, aber der Chef sah dafür keinen Markt. Also probierte ich es auf eigene Faust. Ich dachte, das sei ein ideales Business, um mehr über die Welt, die Wirtschaft und mich selber zu lernen.

Wie war die Akzeptanz?
Im ersten Jahr organisierte ich drei Veranstaltungen, bis 1980 war ich allein. Dann hatte ich dank guter Beziehungen die Möglichkeit, ein Treffen mit einer namhaften Delegation aus China zu organisieren in Zürich. Wir waren die ersten, denen es gelang, Repräsentanten der chinesischen Regierung für einen Dialog in den Westen zu holen. Der Anlass hatte eine gewaltige Resonanz, bis in die USA und nach Asien. Ich konnte in der Folge zwei Mitarbeiter einstellen und wusste, dass ich die 60’000 Franken, die ich aus persönlich Erspartem und Pensionskassengeldern investiert hatte, vermutlich nicht in den Sand gesetzt hatte. Vor dem inneren Auge hatte ich von allem Anfang an ein grosses Weiterbildungshaus gesehen.

Auch später verstanden Sie es, mit grossen Namen für Ihr Haus zu werben – etwa als Sie George Bush sen. kurz nach seinem Abschied aus dem Weissen Haus zu Gast hatten. Dabei heisst es, Sie seien eher zurückhaltend, keiner, der sich im Glanz der Mächtigen sonnt.
Auf den Auftritt von George Bush sen. bilde ich mir nichts ein – ihn bekam man damals für 100’000 Dollar, das war eine Frage des Geldes. Wichtiger für das ZfU waren die frühe Verpflichtung des weltweit führenden Marketingprofessors Philip Kotler und des Strategieexperten Michael Porter. Von da an erhielten wir regelmässig Bewerbungen von namhaften Referenten, die für das ZfU arbeiten wollten. Ich bin sicher kein Blender, die Mächtigen um sich schart. Aber ich bin ein guter Netzwerker mit einem Riecher für Talente. Viele davon habe ich entdeckt, bevor man sie kannte. Wir pflegen mit zahlreichen Dozenten seit 20, 25, ja 30 Jahren enge Beziehungen. Hannes Müller etwa war Regisseur, als ich ihn kontaktierte für ein Rhetorik-Seminar, heute ist er Vollzeit für uns tätig.

Welche Veranstaltungen haben Sie zuletzt besucht im ZfU?
Ein Meditationsseminar bei Peter Wild und die Tagung «Spiritualität im Management».

Gestatten Sie die Frage: Lernt man in solchen Kursen auch das Loslassen?
(Lacht schallend) Ja, ja, ich weiss, wenn man mit 73 noch alle Fäden in der Hand hält, ist das erklärungsbedürftig. Ich mache es halt enorm gerne. Nach den Weihnachtsferien wurde mir bewusst: So richtig wohl ist es mir nur, wenn ich hier bei der Arbeit sein kann. Es ist mir wichtig, dass das, was ich in den gut 30 Jahren aufgebaut habe, in meinem Sinn und Geist weitergeht. Deshalb war es auch nie eine Option, auf eins der vielen Verkaufsangebote einzutreten.

Sie besitzen nach wie vor das ganze Unternehmen, haben aber vor gut vier Jahren Christophe Soutter als Geschäftsführer eingesetzt. Hat er freie Hand?
Wir haben unsere Zusammenarbeit in einem dicken Ordner geregelt, aber natürlich betrachte ich die Firma als mein Kind und da ist es nicht einfach, sich zurückzuhalten. Ich werde bis zu meinem Lebensende ein passionierter Lernender und ein Vollblutunternehmer sein.

Kontakt und Information:
fritz.haselbeck@zfu.ch

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