Schwarzweiss war die Welt lange genug

Er war seiner Zeit so weit voraus, dass man ihn jetzt erst entdeckt: Fred Herzog, Pionier der Farbfotografie.

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Fred Herzog, «Jackpot», 1961, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Klar ist die Realität farbig. Aber früher war sie es nicht. Die Schwarzweissfotografie zeige das Wesen der Dinge, hiess es noch in den 1960er-Jahren – ein Farbfoto dagegen fange nur oberflächliche, zufällige Erscheinungen ein. Farbig waren damals die Amateur- und die Reklamebilder; Farbe galt als vulgär, und künstlerisch anerkannt wurde sie erst nach 1970 – Leute wie Joel Sternfeld oder William Eggleston wurden mit ihren farbigen Arbeiten als Revolutionäre berühmt.

Fred Herzog, «Red Stockings», 1961, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Elysium Cleaners», 1958, Courtesy of the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Empty Barber Shop», 1966, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Family», 1967, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Main Barber», 1968, Courtesy of the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Ferry Barber Shop», 1959, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Self-Portrait», 1959, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Liquid Foods», 1968, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Fred Herzog, «Boat Scrapers 1», 1964, Courtesy the artist and Equinox Gallery

Umso aufregender ist der Fall von Fred Herzog, eines Auswanderers aus Deutschland, der diese Revolution schon zwanzig Jahre früher praktizierte; wenn auch in aller Stille. Im kanadischen Vancouver hat er den städtischen Alltag erkundet – im Geist der «Street Photography» und mit den Mitteln des Koda­chrome-Dia­farb­films.

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Nach einer Berliner Ausstellung, die 2010 erstmals die Alte Welt auf Herzog aufmerksam machte, setzt ihm nun ein gewichtiger Bildband ein Denkmal – mit über zweihundert Bildern, die drei Dinge beweisen. Dass die Geschichte der Farbfotografie seinetwegen erweitert werden muss. Dass Farbe nicht nur die Zugabe zu einem bestehenden Medium ist, sondern ein neuartiger Blick auf die Welt. Und dass zu deren Geschichte eben auch Dinge gehören wie die jähe Erscheinung roter Strümpfe an einer Bushaltestelle.

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Das Buch: Fred Herzog: Modern Color. Texte von David Campany, Hans-Michael Koetzle, Jeff Wall. Verlag Hatje Cantz, Berlin 2017. 320 Seiten, etwa 47 Franken.

1 Kommentar zu «Schwarzweiss war die Welt lange genug»

  • Barbara Flückiger sagt:

    Kodachrome gab es allerdings seit 1936, davor verschiedene andere Farbfotografieverfahren wie die Autochromes der Brüder Lumière oder Mikhailovich Prokudin-Gorski mit seinem additiven Dreifarbenverfahren. Es ist daher eine steile These, selbst für einen solch kurzen Text, Farbfotografien der späten 1950er und 1960er Jahre als der Zeit weit voraus zu beschreiben.

    Auch die Diskurse zur Vulgarität der Farbe waren keineswegs ein bestimmendes Merkmal der 1950er bis 1970er Jahre, sondern sind immer wieder aufgeflackert, schon in den 1920er Jahren, und auch immer wieder widerlegt worden, nicht zuletzt von den europäischen Avantgarden der 1920er Jahre, in denen der Farbe ein zentraler Wert der Bildgestaltung zukam.

    http://zauberklang.ch/filmcolors/

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