Wir sind Familie

Ein Schweizer Fotograf hat während Jahren seine Verwandten rund um den Globus porträtiert.
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Familie Schulthess-Blanquet in Genf.

Ach, die lieben Verwandten. Da sind die, die immer leicht nach Hund riechen. Die, bei denen man sich gewählter ausdrückt als sonst. Die, die ausnahmslos immer in Gesundheitssandalen aufkreuzen, sogar im Winter, und mit denen man nie recht weiss, worüber reden – die man aber trotzdem jedes Jahr wieder zur Weihnachtsfeier einlädt, weil ohne sie eben doch etwas fehlen würde.

Hans Georg Schulthess in Horgen.

Was jeder so oder so ähnlich kennt, das hat im Fall des Zürcher Fotografen Dominik Schulthess andere Dimensionen. Oder zumindest: genealogisch besser erforschte. Als Spross (und im Auftrag) des altehrwürdigen Familiengeschlechts Schulthess, das heuer 600 Jahre Zürcher Bürgerrecht feiert, ist er zwischen 2013 und 2016 in Europa, Kanada und den USA umhergereist; und zwar, um in 139 Haushalte von total 350 Personen zu blicken, die alle denselben Nachnamen tragen und irgendwie mit ihm verwandt sind. Viele von ihnen hat er zum allerersten Mal getroffen, als er unter dem Tuch seiner Grossformatkamera verschwand und den Auslöser drückte.

Familie von Schulthess-Chopathar in Zürich.

Familie Alaoui-von Schulthess in Bülach.

Familie Kopzik-Schulthess in Newburyport USA.

Familie Adams-Schulthess in Bernville USA.

Familie von Schulthess-Fritsch in Zürich.

Familie Blankenburg-von Schulthess.

Ehepaar Nilo-Schulthess in Järna, Schweden.

Familie Schulthess-Whang im Kanton Schwyz.

Familie Keeley-de Schulthess in Greenfield Park (Kanada).

Corina Schulthess in Oberried am Brienzersee.

Familie Witte-von Schulthess in Köln.

Die Fotos, die so für das Archiv der Familienstiftung entstanden sind, funktionieren wie historische Porträtgemälde: Während uns ein kurzer, intimer Blick in eine – wenn auch ein stückweit inszenierte – fremde Lebensrealität gewährt wird, dürfen wir anhand von Kleidung und Einrichtung das Wesen der abgebildeten Personen entschlüsseln. Umgekehrt blicken diese direkt in die Kamera – und uns, die wir neugierig in ihre Stuben spienzeln, in die Augen. Lächelnd, sanft schmunzelnd … Fast so, als würden sie – die Hundefreunde, die Wohlsituierten, die Sandalenträger – sich über unseren Voyeurismus amüsieren.