Wie auf der Leinwand, so auf dem Rasen

Der Fussball und die hehre Kunst stehen sich näher, als man denkt. Wir haben exklusives Anschauungsmaterial zusammengetragen.

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Links: Der slowakische Spieler Milan Skriniar steigt im Spiel gegen England zum Ball hoch. Rechts: Der Tote Christus mit zwei Engeln von Giovanni Bellini. (Sportbild: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Der Fussball und die hehre Kunst stehen sich näher, als man denkt. Wir haben exklusives Anschauungsmaterial zusammengetragen. Fussball sei wie alle grosse Kunst einfach, und das Publikum setze sich ausschliesslich aus Kennern zusammen, frotzelte einst Bertolt Brecht. Und man kann dem Mann nicht genug applaudieren für seine sentenzhafte Zusammenführung dieser beiden Disziplinen. Schliesslich gehts hier wie dort – also auf dem Rasen wie auf der Leinwand – um Hingabe! Leidenschaft! Athletische Körper, die sich verrenken mit nur einem einzigen Ziel: dem Betrachter etwas zu bieten und ihm – im besten (bzw. pathetischsten) Falle – das Gefühl zu vermitteln, Teil von etwas Grösserem, Wichtigerem zu sein.

Links: Nati-Stürmer Breel Embolo springt über den französischen Torhüter Hugo Lloris. Rechts: Die Erschaffung der Tiere von Jacopo Tintoretto. (Sportbild: Reto Oeschger)

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Links: Der spanische Goalie David de Gea kommt vor den Kroaten an den Ball. Rechts: Badender von Pablo Picasso. (Gemälde: © 2016 ProLitteris, Zürich, Sportbild: Andrew Medichini/AP Photo)

So betrachtet, ist es eine Schande, dass sich der bildstoffliche Output einer EM auf Panini-Sticker beschränkt, wo doch das auftretende Personal derart viele Parallelen zur hehren Kunst bietet: Diven, Götzen, Himmelsstürmer treten ebenso auf wie der gelegentliche Märtyrer. Ob einem nun der Schiri nicht wohlgesinnt ist oder ein heidnischer Sadist, und ob man nun mit Pfeilschüssen exekutiert wird oder von der Presse, nachdem man den entscheidenden Elfmeter an den Torpfosten geknallt hat – Schmerz bleibt Schmerz (und die Unterwäschemode, offensichtlich, unverändert). Und egal ob rote oder blaue Trikots – wichtig ist, dass sie reissfest sind und man selbst nicht aus der Gruppenchoreografie fällt.

Nicht zuletzt stellt sich im Fussball wie in der Kunst immer wieder die Frage: Braucht es das wirklich? Wir wissen: Nicht wie die Luft zum Atmen, vielleicht. Aber wie viel farbloser wäre das Leben ohne die perfekte Pinsel- respektive Ballbeherrschung.

Links: Cristiano Ronaldo ärgert sich über seinen verschossenen Penalty im Gruppenspiel gegen Österreich. Rechts: Der heilige Sebastian von Antonella da Messina. (Sportbild: Clive Rose/Getty Images)

Links: Der rumänische Stürmer Bogdan Stancu trifft im Startspiel gegen Frankreich vom Elfmeterpunkt. Rechts: Untitled 1957 von Mark Rothko. (Gemälde: © 2016 ProLitteris, Zürich, Sportbild: Paul Gilham/REMOTE/Getty Images)

Links: Mesut Özil kann nicht verstehen, warum er gerade eine gelbe Karte kriegt. Rechts: Die Erschaffung Evas von Michelangelo Buonarroti. (Sportbild: Franck Fife/AFP Photo)

Links: Albanische Spieler wärmen sich vor dem Match gegen die Schweiz auf. Rechts: Floraison von Ferdinand Hodler. (Sportbild: Clive Mason/Getty Images)

Links: Der Österreicher Christian Fuchs versucht vergebens, mit dem Schiedsrichter zu diskutieren. Rechts: Das Abendmahl in Emmaus von Michelangelo Merisi da Caravaggio. (Sportbild: Christian Hartmann/Reuters)

Links: Der Waliser Gareth Bale hält seine Hand auf das Wappen auf seinem Trikot, als er im Spiel gegen Russland ausgewechselt wird. Rechts: Die unbefleckte Empfängnis von Bartolomé Esteban Murillo. (Sportbild: Dennis Grombkowski/Getty Images)

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Links: Der belgische Mittelfeldspieler Marouane Fellaini hetzt in der Partie gegen Italien dem Ball nach. Rechts: Medusa von Michelangelo Merisi da Caravaggio. (Sportbild: Jason Cairnduff/Reuters)

Links: Der Belgier Dries Mertens in Aktion während des Gruppenspiels gegen Italien. Rechts: Der Star (Tänzerin auf der Bühne) von Edgar Degas. (Sportbild: Sergey Dolzhenko/EPA)

2 Kommentare zu «Wie auf der Leinwand, so auf dem Rasen»

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