Letzte Chance vor Italien

Aufbauhilfe an der Zapfsäule: Nirgends in Europa ist Benzin so teuer wie an italienischen Autobahnen. (Foto: iStock)

Schon der Name – «Autostrada del Sole». Von allen Autobahnen Europas, sieht man mal von der «Autoroute du Soleil» ab, klingt wohl keine verheissungsvoller als die A 1: Mailand, Florenz, Rom, Neapel. Mögen andere Highways auch zu unsicheren Himmeln führen, die A 1 führt direkt in die Sommerferien unter der Sonne Italiens. Bei Modena nimmt die A 1 die Reisenden der «Autostrada del Brennero» auf, der A 22. Dort kommen sie dann alle zusammen, die Südbegierigen aus dem Norden. Früher drehte man das Fenster runter und das Radio lauter, die Haare im warmen Wind.

Beim Tanken Mussolinis Krieg finanzieren

Getrübt wird die Vorfreude immer dann, wenn man raus muss zum Tanken. Benzin ist nämlich nirgendwo in Europa so teuer wie an den italienischen Autobahnen. Unverschämt teuer ist es da, im Moment bis zu 1.80 Euro pro Liter. Die Differenz zum Ausland ist so gross, dass grenznahe Tankstellen, etwa in Frankreich, mit «der letzten Chance vor Italien» werben. Die Italiener leben mit dem Ärger das ganze Jahr. Periodisch aber flammt er auf, wie jetzt. Am Fernsehen wird wieder die Geschichte erzählt, warum ausgerechnet in Italien, wo viel Öl raffiniert wird, das Benzin so teuer ist. Es ist eine sehr italienische Geschichte.

Seit die Autobahnen privat sind, müssen die Ölgesellschaften für ihre Tankstellen Lizenzgebühren an die Strassenbetreiber entrichten, und die betragen etwa 13 Cents pro Liter Benzin. Für einen vollen Tank sind das mehr als sieben Euro – an den Zapfsäulen für die Selbstbedienung. Noch mehr kostet es, wenn man nicht selber tanken mag. Doch auch das ist nur ein Teil der Geschichte. Richtig teuer macht das Benzin eine Reihe von Abgaben, die der chronisch klamme italienische Staat zum Teil seit vielen Jahrzehnten erhebt, überall im Land. Es gibt eine detaillierte Liste davon, die bei aller Ernsthaftigkeit auch zur halben Belustigung gereicht.

Highway to heaven

Über den Benzinpreis wird zum Beispiel der Krieg in Äthiopien nachfinanziert. Den hatte Mussolini geführt, 1935 bis 1936. 1,9 Lire pro Liter wurden mal festgelegt, und das blieb so, umgerechnet freilich. Auch die Aufbauhilfe nach der Überschwemmung von Florenz, 1966, ist noch nicht abbezahlt: 10 Lire pro Liter dafür. Auf der Liste stehen Naturkatastrophen, Auslandeinsätze der italienischen Armee und der Kauf von umweltfreundlichen Autobussen, von denen man nur allzu gerne wüsste, wo sie zirkulieren. Dazu kommt die Mehrwertsteuer, 22 Prozent.

Dennoch sollte man es sich auf der Reise nicht nehmen lassen, die Autobahn zu verlassen. Raststätten können Erlebniswelten sein, manche jedenfalls, zum Beispiel jene in Fiorenzuola d’ Arda oder die in Bologna Cantagallo, beide auf der A 1. Autogrill setzt dort sein neues Gastronomiekonzept um, das kurioserweise einen französischen Namen trägt: Bistrot. Nur die besten Produkte aus der Region werden angeboten, als wäre es ein Markt, alles ausgewählt von Slow Food, der Organisation für bewusstes Essen. «Chilometro 0» sagen die Italiener: vom Feld, vom Käser, vom Wursthändler und kleinen Pastahersteller direkt an die laute, vierspurige Strasse, diesem Highway to heaven.

25 Kommentare zu «Letzte Chance vor Italien»

  • Eric sagt:

    Kam gestern aus Italien zurück. 1 Woche Ferien, da spielt es doch keine Rolle ob ich zum tanken 12 Euro mehr bezahle, bezogen auf das ganze Ferienbudget..!

  • Steve sagt:

    Ich lebe in den UISA und kompensiere den europ. Oekoterror mit einem Truck, der 13 Meilen pro Gallone faehrt. Macht richtig Spass!

  • Huber sagt:

    Ich fahre halt CO2 neutrales Biogas CNG, in Italien Metano, wo es über 1 Mio Fagrzeuge hat.
    Der Liter Erdgas / CNG kostet 60 Rappen der Liter Benzingleichwert.

    Nirgendwo, als in Italien kann Mann so günstig und umweltfreundlich tanken, dies bei über 1000 Tankstellen. (146 in CH)

    Gut Gas, ihr Benziner(!!)

  • gabriele fantoni sagt:

    Die umweltfreundliche Autobusse zirkulieren in der Stadt Piacenza, sehe und staune !! Solche haette ich gerne auch hier in Waedenswil gesehen….

  • Toni Bernasconi sagt:

    Dafür haben Italiener die sparsamsten Autos in Europa.

  • kurt Schlup sagt:

    Dem das Geld für Benzin fehlt der sollte nicht in die Ferien Fahren.

  • Paul Müller sagt:

    Früher gab es Benzincoupons die man in der Schweiz verbilligt kaufen konnte, pro Jahr 225 lt. Ein Grossteil wurde nicht benötigt und wurde dann während den Ferien mit Gewinn verkauft um das Ferienbudget aufzubessern. Eine typische Win-Win-Situation. Heute ist nur noch der Staat der Gewinner aber trotzdem zieht es einem zur Italianita. Sie ist zu schön um sie zu verpassen. Schöne Ferien

  • Pippo Ba sagt:

    Gerade gestern nahe Pisa fuer Euro 1.459 getankt…Autbahnraststaette Bellinzona Nord/Sud ist ja auch nicht gerade ein Kind besonderer Bescheidenheit.

    • Amadio Clute sagt:

      Die bescheissen jeden, es ist die erste Tankstelle nach der Grenkze. Die profitieren vom Vorurteil, dass Benzin in der CH billig ist. Es ist billig aber nicht bei denen.

      • Ruedi Meier sagt:

        An der Autobahn tankt man grundsätzlich nicht. Ist immer teurer.
        Bei uns heisst die „Zapfsäule“ übrigens „Tanksäule“, danke.

  • Leo Schmidli sagt:

    Sämtliche Benzinpreise an den Autobahntankstellen lassen sich meines Wissens aktuell im Internet abfragen. Zudem sind die aktuellen Preise auch regelmässig entlang der Autobahn ausgezeichnet, die günstigsten Sorten sind markiert. Die Deutschen werben ebenfalls mit der Aussage „letzte Tankstelle vor der Grenze“ bevor es in die Schweiz geht. Manche fallen eben darauf herein.
    Und EUR 1.80 pro Liter? Sie übertreiben. Im Schnitt beträgt der Preis eher EUR 1.50-EUR 1.55.

  • Gerhard Engler sagt:

    In der Schweiz zahle ich bei einem Benzinpreis von 1,50 ziemlich genau die Hälfte, nämlich 75 Rappen an den Staat. In Italien sind es bei 2,00 also 125 Rappen. Es gibt keinen Grund, warum 75 Rp korrekt sind und 125 Rp übertrieben.

    • Leo Tanner sagt:

      „Es gibt keinen Grund, warum 75 Rp korrekt sind und 125 Rp übertrieben.“
      Doch, die Gründe für die Gebühren sind schon irgendwie relevant.
      Ich bin eher bereit zu akzeptieren einen Zuschlag zu akzeptieren, wenn dieser sinngemäss für ÖV’s oder das Strassennetz verwendet wird und nicht für Sachen, welche wirklich handebüchen sind.
      Aber es soll Autofahrer geben, welche am Liebsten gar nichts bezahlen möchten, weder Vignette noch Benzinzuschlag.
      Aber die Strassen sollten dann trotzdem perfekt sein um mit dem SUV (das Statussymbol der heutigen Zeit) über die Strassen zu brettern.

      • Ruedi Meier sagt:

        Wir finanzieren unsere Strassen via Treibstoffpreis. Die Ausländer zahlen mit, jedenfalls diejenigen, die im Heimatland teurer tanken als bei uns. Die Vignette bringt gar nichts. Kommt auch nicht in den Strassenfonds sondern in die allgemeine Bundeskasse. Die kann man abschaffen und auf den Treibstoff umlegen: macht 3-4 Rappen mehr, das merkt niemand. Zudem ist es gerechter, denn wer mehr fährt zahlt mehr.

  • Stephan Baumann sagt:

    Sie ärgern sich in den Ferien über Benzinpreise? Ehrlich? Rappenspalter!

  • Thomas Petermann sagt:

    Herrlicher Aritkel. Danke.

  • Felicitas Marti sagt:

    In Österreich sind die Autobahnen nicht privat. Trotzdem beträgt der Preisunterschied zwischen Tankstellen in den Dörfern und solchen an der Autobahn ca. 20 Cents (1,43 €/Liter). Also teurer als in der Schweiz, insbesondere unter Berücksichtigung der Einkommensverhältnisse. Von wegen in der EU ist alles günstiger.

    • Ruedi Meier sagt:

      Aber die Tankstellen sind privat. Und die zahlen auch bei uns mehr — an den Staat. Ein Teil des höheren Preises wandert alledings auch in den eigenen Sack. Würden viele Automobilisten zum Tanken die Autobahn verlassen würden die Preise schnell sinken.

      • Bruno Müller sagt:

        Zum Tanken die Autobahn verlassen ist halt unterm Strich auch nicht billiger, rechnet man die Zeit und zusätzliche Fahrstrecke.

  • Robert Hasler sagt:

    Wer sich über Benzinpreise aufregt, der hat den Sinn von Ferien in Italien nicht verstanden. Demgegenüber ist die Kenntnis davon, was man alles auf diese Weise mitfinanziert, über alles italienisch. Freue man sich an deren Italianita und zahle ohne nachzurechnen. Viva Italia!

    • Leo Tanner sagt:

      Herr Hasler, wer sagt, dass man sich über die hohen Benzinpreise aufregt (?), wer nach Italien in die Ferien fahren will, der akzeptiert das. Wen es stört, der fährt woanders hin.
      Hier ging’s ja nur drum, welche „alten Gründe“ bis in die heutige Zeit dafür sorgen, dass die Preise so hoch (geblieben) sind und die sind ja wirklich kurios.
      Als Italiener würde es mich sicherlich ärgern, mit meinem Geld z.B. einen Krieg von anno dazumal (1936-38 Ätiopien!!) zu finanzieren.
      Die Italiener werden schliesslich nicht nur beim Benzin über’s Nest ab gerissen, auch die Autobahnen sind schweineteuer, vergl. mit der Schweizer Vignette. Dann schon mal lieber staatliche, statt private Autobahnen, deren Besitzer sich auf Kosten der Autofahrer, eine goldene Nase verdienen.

      • Felicitas Marti sagt:

        Das Problem in Italien ist, dass die Leute wenig Lust haben, direkte Steuern zu bezahlen, höflich ausgedrückt. Also besteuert der Staat den Konsum: MWST 22%! Ermässigter Satz für Medikamente und Tickets 10%.

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