Wo die Zukunft sternenlos ist

So sieht der britische Pass heute aus – viele Briten wünschen sich ihren alten blauen Pass zurück. Foto: Francois Lenoir (Reuters)

Die EU-Mitgliedschaft haben die Briten aufgekündigt. Jetzt wollen die Brexiteers schleunigst auch für neue Pässe sorgen. Oder besser gesagt: für die Rückkehr der alten Pässe, aus einer «stolzeren» Zeit.

Fast 30 Jahre lang hat Andrew Rosindell an dieser Schmach gelitten. Seinen EU-Pass empfand er immer als «Demütigung». Aber jetzt ist das Ende der Qual in Sicht. «Bald», freut sich der konservative Unterhausabgeordnete, «können Staatsbürger des Vereinigten Königreichs wieder Stolz empfinden und sich ihrer eigenen Nationalität sicher sein, wenn sie verreisen – wie heutzutage jeder Schweizer, jeder Amerikaner es kann».

Navy Blue passt besser

Die Zuversicht gilt dem neuen britischen Pass für die Post-Brexit-Ära. Genauer gesagt: der Rückkehr zum alten Pass, wie es ihn bis ins Jahr 1988 noch gab. Denn national gestimmte Briten wollen statt des burgunderroten EU-Ausweises ihren guten, alten, dunkelblauen Pass wieder haben. Eben jenen Pass, der einem Briten früher Tür und Tor in aller Welt öffnete. Den Pass, den es schon gab, als überm Empire die Sonne (noch) nicht unterging.

Eine Version des britischen Passes aus dem Jahr 1924. Foto: Edwarx (Wikipedia)

Mit der Aufkündigung der britischen EU-Mitgliedschaft ist die Forderung nach neuen Reisepapieren wieder lauter geworden. Rot soll blau werden, und die goldenen Lettern «European Union» sollen von britischen Pässen verschwinden, sobald es geht. Zum Brexiteer-Selbstbild des stolzen Freibeuters auf den sieben Meeren passt Navy Blue oder Piraten-Schwarz natürlich auch besser als der Rotweinton, den die Kontinentaleuropäer bevorzugen. Ausserdem benutzen auch die USA und britische Ex-Kolonien wie Kanada, Australien oder Indien unbeirrt Blau.

Teures Neu-Design

Nur eine Frage der Zeit dürfte es also sein, bis die Briten eine neue Version ihrer alten Pässe in der Hand halten. Theoretisch könnte es damit schon im Sommer 2019 losgehen. Bis dahin nämlich ist die alle fünf Jahre aus Sicherheitsgründen durchgeführte Generalüberholung des Passdesigns wieder fällig. Und was läge näher, als zu diesem Zeitpunkt gleich auch die EU aus dem Pass zu löschen – zumal Grossbritannien am 30. März 2019 aus der EU ausscheiden soll?

Ganz sicher ist das natürlich nicht. Es könnte ja auch eine Verzögerung bei den Austrittsverhandlungen geben. Und das Neu-Design ist nicht billig. Es kostet fast eine halbe Milliarde Pfund. Die Regierung will sich darum fürs Erste noch nicht auf ein neues Format oder eine neue Farbe für 2019 festlegen. Schlimm genug, dass das Neu-Design EU-weit ausgeschrieben werden muss, dass also irgendwo anders in Europa der neue britische Pass entworfen werden könnte: eine weitere Demütigung für die Brexiteers.

Mit Britannien ist wieder zu rechnen

Immerhin hat man in London aber die Rückkehr zur alten Passvorlage nicht ausgeschlossen. Dass die Briten bald wieder mit eigenen Pässen durch die Welt ziehen könnten, meint Andrew Rosindell, zeige der Welt jedenfalls, «dass mit Britannien wieder zu rechnen ist». Rosindell, der auch Vorsitzender des Unterhaus-Ausschusses für Fahnen und Wappen ist, kann es kaum erwarten, ans «viel geliebte Symbol» der Vergangenheit neu anzuknüpfen. Mag Europa, so lange es will, an seinem Einheitsrot, seinem Sternenkreis, seiner Ode an die Freude festhalten! Englands Zukunft ist, dank Brexit, sternenlos – und zutiefst dunkelblau.

25 Kommentare zu «Wo die Zukunft sternenlos ist»

  • Bob Freeballer sagt:

    Ich kann es kaum erwarten die Gesichter der Briten zu sehen wenn sie sich am Flughafen in der „All other countries“ Reihe anstellen müssen.

  • roger meier sagt:

    GB ist dem EWR beigetreten,und nicht der EU,das hat sich mit der Zeit entwickelt,deshalb ist diese Organisation,nicht vertraglich gesichert,und deshalb unglaubwürdig,Deutschland,und Frankreich,waren am Boden zerstört,mit Hilfe der USA,und Kanada,haben sie sich erholt,deshalb wurde auch ein Friedensvertrag abgeschlossen,die EU,als Friedensorganisation darzustellen,ist deshalb nicht richtig,es ging lediglich um den Handel,in Europa,aus dem ein diktatorischer Moloch entstand,wie die UDSSR,die auseinander brach,(die Gründe sind bekannt),denn auch Macht,kennt seine Grenzen,der EU wird dass gleiche passieren,wenn sie so weiter macht,deshalb,wehret den Anfängenman denke an die KRIM

  • Peter Colberg sagt:

    James Bond 007 mit einem blauen bzw. schwarzen GB Pass ist doch auch irgendwie glaubwürdiger, oder nicht? Es gab auch eine Zeit, wo es bei der Ankunft am Heathrow FLughafen in London einen Durchgang für „Aliens“ gab d.h. alle ankommenden Passagiere von Ländern ausserhalb der damaligen E.G. Dass waren noch vernünftige Zeiten, viel besser als der gegenwärtige Multikulti Wahnsinn à la Merke & Co, sowie völlig offene Grenzen – etwas dass Europa grundliegend verändern wird, aber nicht zum besseren. Als Schweizerisch wird bald nur noch unser Pass gelten, da unser Land als Folge der Pfz immer mehr zum Ausland wird. Sowas darf man ja aber nicht sagen, oder?

  • Jorge Stein sagt:

    Teilweise im UK lebend, fasziniert es mich immer wieder, festzustellen, dass hier junge Menschen wieder anfangen, über „British Identity“ engagiert zu diskutieren, dass „Britishness“ für sie ein Thema ist und sie sich Sorgen über den Erhalt der eigenen Kultur und Religion machen.
    Vergleichbares stelle ich in der Schweiz kaum fest. Im mentalen Sog des nördlichen Nachbarn – wo für solches eine gewisse Berechtigung besteht – wird Eigenes, Nationales als minderwertig gesehen.
    Auffallend ist auch, dass frühere EU Anhänger heute den Brexit begrüssen, im Bewusstsein, dass man mit wirtschaftlichen Einbussen rechnen – und der Gürtel wahrscheinlich enger geschnallt werden muss. Wirtschaftlicher Erfolg und Performance sind schliesslich nicht Alles; es gibt auch noch andere, höhere Werte.

    • Beat von Känel sagt:

      Man muss ja nur Farage zuhören, um zu merken: hier geht es um höhere Werte als wirtschaftlichen Erfolg und „Performance“. Man kann sich Interviews mit dem durchschnittlichen Brexiteer anhören („es gibt einfach zuviele chinesische Restaurants hier“) um zu begreifen: es geht nicht um den Mammon. Den von Fremdenhassern erschlagenen Polen wird das zutiefs getröstet haben. In Tat und Wahrheit ist es so: in Frankreich wird Frau Le Pen nie Präsidentin, in England ist sie es schon.

    • A. Müller sagt:

      Das gibt es in der Schweiz auch, ist nur nicht Mainstream und wird daher nur am Rande wahrgenommen.

      • Michael sagt:

        Die hier so schön nebulös formulierten höheren Werte – bringen die einem auch die Butter auf das Brot ? Schaffen die Arbeitplätze ? Und wenn die EU erst einmal die 60 Milliarden von den Briten einfordert, dann muss der Gürtel aber richtig eng geschnürt werden.

    • Linus Huber sagt:

      Das Wohlergehen der Bevölkerung beruht nicht einzig auf materiellen Aspekten. Ebenfalls sind die Zukunftsaussichten auf ein besseres Leben von hoher Bedeutung und dürften einen stärkeren Einfluss auf das Wohlbefinden ausüben als der gegenwärtige und offensichtlich gefährdete Wohlstand.

  • Martin sagt:

    Wer die sonstigen Kommentare und Berichte von Herrn Nonnenmacher liest, die ich für sehr sachlich und realistisch halte, muß den obigen Artikel eigentlich für den reinen Sarkasmus halten. Darauf gibt es dann von den Kommentatoren als Reaktion wieder nur dümmliches, ausgeleiertes EU-Bashing ohne Substanz. Ich habe mich über seinen Text jedenfalls köstlich amüsiert – er zeigt wunderbar, wie kindisch die Brexiteers ticken und wie hilflos die Versuche sind, an eine vermeintlich große Vergangenheit anzuknüpfen, weil man im Heute nicht allzuviel vorzuweisen hat und der Rest der Welt einen halt nicht als so besonders wahr nimmt. In spätestens zwei Jahren werden sich die Sorgen um wichtigere Dinge drehen müssen als um die Farbe der Pässe…

  • Matthias Meier sagt:

    Die Briten waren lange Verhinderer einer weitergehenden Integration „Kerneuropas“. Wenn Deutschland, Frankreich und die Benelux-Länder sich dank dem Brexit zu einer vertieften Union zusammenfinden können (innerhalb der bestehenden EU), sähe ich das als positiven Schritt in die richtige Richtung.

  • Ralf Kannenberg sagt:

    Erstaunlich, wie die EU-Antis alle Vorzüge der EU ausblenden: ohne EU hätte es rein statistisch in West-Europa nach dem 2.Weltkrieg bereits zwei weitere verlustreiche Kriege gegeben. Vielleicht nur „Klein-Konflikte“, aber Todesopfer gibt es auch bei solchen stets zu beklagen. Übrigenbs auch auf den britischen Inselnb – vermutlich haben die meisten EU-Antis bereits vergessen, dass es dort zwischen den beiden Weltkriegen ebenfalls einen verlustreichen Krieg zwischen England und Irland gegeben hat.

    • Hanna Schmuki sagt:

      @K.Kannenberg: Kriege sind eine Erfindung der Männerwelt und nicht naturgegeben. Also muss man dort ansetzen. Dazu braucht es keine EU, die verblendend und einträufelnd nur ihre eigenen Vorteile sucht. Für eine Vergangenheitsbewältigung gibt es genügend Psychologen und Psychiater, und dazu braucht es auch keine EU. So quasi, „wir waren alle schuld am Krieg“, stimmt so nicht. Nun sollte Europa zur Schickalsgemeinschaft werden. Die Kolonialisierung sollte doch längstens Geschichte sein. Es ist aber nichts anderes, was die EU macht.

      • Rudolf Wildberger sagt:

        Die EU als Friedensgarant, da habe ich so meine Zweifel. Bis 1989 hat der Kalte Krieg mit seinem Gleichgewicht des Schreckens einen prekären Frieden aufrecht erhalten und dabei spielte die EU höchstens die Rolle des Trabanten der USA so wie die Ostblockstaaten die Satelliten der UDSSR waren. Als mit dem Zusammenbruch der Sowietunion der Ewige Frieden ausgeebrochen war, wurde der Esel übermütig und ging aufs Eis: Schengen/Dublin, Maastrich und der Euro wurden erfunden und zum Prinzip erklärt und seither steigen die Spannungen innerhalb der EU. Eine Weile konnte das mit Grossmachhtsfantasien wie der Osterweiterung überspielt werden, aber der Problemdruck steigt. Das kurzsichtige sich in die Tasche lügen der EU-Politiker stimmt für die Zukunft jedenfalls nicht optimistisch.

        • Michael sagt:

          Mit Deiner Aussage, das Kriege eine Erfindung der Männerwelt sind und nicht naturgegeben ist, begibst Du Dich, Hanna, aber auf ganz dünnes Eis. Schau Dir beispielsweise mal die Ameisenstaaten an, die haben Soldaten, die andere Ameisenvölker überfallen bis hin zu Arbeitssklaven. Und in der Botanik sind diese Stellungskriege sogar noch viel heftiger.

          • Hanna Schmuki sagt:

            @Michal: Eine Kriegsführung ist ein Handwerk und das muss erlernt werden. Es ist also eine kognitive Fähigkeit und kann auch wieder verlernt werden, d.h. wird nicht vererbt. Vielleicht habe ich auch nicht das richtige Buch erwischt. Vielleicht hätte ich mehr über Ameisen lesen sollen ( : -) Aber was beflügelt die Befürworter so sehr, der EU beizutreten, vergleicht man Kosten – Nutzen- Risiken ?

  • Bob Freeballer sagt:

    Die EU war das schlimmste, das den Briten je passiert ist. Wie glücklich waren sie doch zu MT’s Zeiten.

    • Rudolf Wildberger sagt:

      Kommt auf die Sichtweise an: Die Streiks vor MT (übersetzte das mit Magreth Thacher) Stromausfällen wegen Kohlemangel der Kraftwerke waren sicher erbaulich. Diese Streiks, die das Land als Geisel nahmen waren eine wesentliche Ursache, das Thatcher gewählt wurde als jemand, die sich nicht erpressen liess.

    • tigercat sagt:

      @Bob Freeballer: Blöd nur, dass GB zu MTs Zeiten bereits EWG Mitglied war.

  • A. Müller sagt:

    Andere Länder sollten sich an Grossbritannien ein Beispiel nehmen und aus der leidigen EU austreten. Je früher desto besser.

  • Hanna Berger sagt:

    Bei der EU sind schon vor dem Brexit die Sterne aus dem Banner gefallen.

  • Hanna Schmuki sagt:

    @P.Nonnenmacher: Einen so tollen Bericht habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Die Engländer sind aus dem einlullenden Euro-Traum erwacht, finden sich in der Realität wieder, und auch ihr eigener Denkapparat ist wieder eingeschaltet. Ihren Reisepass können sie jetzt wieder selber gestalten und wahrscheinlich noch einiges mehr.

    • ulrek sagt:

      Einen so tollen Kommentar habe ich schon länger nicht mehr gelesen. Die Kommentatorin hat, wie die ewigen Träumer vom Empire, die Realität offenbar längst verlassen und der Denkapparat befindet sich im dauerhaften Snooze-Modus. Es gibt schliesslich nichts Wichtigeres als die souveräne Gestaltung eines Reisepasses. Und um an die guten alten Zeiten anzuknüpfen, erwägen unverbesserliche alte Tory-Männer wegen Gibraltar in den Krieg zu ziehen. Rule Britannia!

      • Hanna Schmuki sagt:

        @ulrek: Sie schreiben unter einem Pseudonym oder aber sicher nicht mit Ihrem ganzen Namen, und da kann man schon etwas persönlich und direkt sein und dann noch männlich……(?) Alle diese EU-Fans lassen die Katze nicht aus dem Sack, und man fragt sich, was sich diese wirklich von der Zukunft versprechen. Was sollten die Errungenschaften der EU sein? Kriege vermeiden? Das ist ja die Lachnummer ! Ich glaube, die Schlaftablette nimmt jemand anders !

        • Michael sagt:

          Und wie genau ist jetzt der Beweis das Hanna Schmuki nicht genauso ein Pseudonym wie ulrek ist ?

        • tigercat sagt:

          @Hanna Schmuki: Welcher Krieg hat denn zwischen den EU Mitgliedstaaten seit 1945 stattgefunden? Und von welcher Katze sprechen Sie?

Kommentar

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